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Name weicht, Vorschulkonzept bleibt

Vorschule Ernsthausen benennt sich um Name weicht, Vorschulkonzept bleibt

Die Vorschule im Rauschenberger Stadtteil Ernsthausen nimmt eine Sonderstellung unter den heimischen Kinderbetreuungseinrichtungen ein, und das nicht nur wegen ihres Namens.

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Blick in das Klassenzimmer der Vorschulkinder: Einrichtungsleiterin Maria Dörbecker (Mitte) bastelt mit den Kindern Laternen. Katrin Lingelbach (links) und Kathrin Schick (rechts) vom Vorstand des Fördervereins schauen zu. Foto: Matthias Mayer

Ernsthausen. Die Im Gemeinschaftshaus Storchennest untergebrachte Einrichtung wird nicht von der Stadt und auch nicht von der Kirche getragen. Die Trägerschaft liegt in den Händen der Ernsthäuser Bürgerschaft, die dazu einen Förderverein gegründet hat.

Diese Konstruktion hat Folgen, denn die Vereinsmitglieder haben wesentlichen gestalterischen Einfluss auf die inhaltliche Arbeit, wie die 2. Vorsitzende Katrin Lingelbach und die Schriftführerin Kathrin Schick bei einem Ortstermin mit dieser Zeitung berichteten. „Wir sind ein Mitmach-Kindergarten. Die Eltern treffen die Entscheidungen, was hier passiert, müssen aber auch mithelfen“, sagt Katrin Lingelbach.

Was bedeutet in der Praxis? Wenn die Eltern beispielsweise sich eine Projektwoche zum Thema Getreide oder Kartoffeln wünschen, bleibt die Vorbereitungsarbeit nicht allein an Einrichtungsleiterin Maria Dörbecker und den Erzieherinnen Simone Debus, Katharina Göbler und Antje Amrhein hängen. Die Eltern müssen sich einbringen und die Themenwoche mitgestalten. Und wenn in der Einrichtung Räume renoviert werden müssen - wie Anfang des Jahres geschehen - oder der zuletzt hinfällige Sandkasten auf dem Spielplatz erneuert werden muss, dann rücken weder der Bauhof noch eine Fachfirma an. Dann sind die Eltern gefordert.

Im Gegenzug ist die Kindergartengebühr in Ernsthausen etwas günstiger als in Rauschenberg und in Bracht. 90 Euro zahlen die Elter monatlich pro Kind, wobei die Betreuungszeit um 7.30 Uhr beginnt und um 13 Uhr endet. In der Kernstadt und in Bracht werden die Kinder bis 17 Uhr betreut. Den Großteil der Kosten trägt auch in Ernsthausen die Stadt Rauschenberg.

Derzeit werden in Ernsthausen 15 Kinder in zwei Gruppen betreut. Kathrin Schick sieht die wirtschaftliche Untergrenze bei zehn und die behördlich erlaubte Obergrenze bei 25 Kindern. „Bis zum Ende der Sommerferien hatten wir 22 Kinder, aber dann haben uns sieben Schulanfänger verlassen“, sagt sie, die den langjährigen Durchschnitt bei 22 Kindern ansiedelt. Der werde bereits im kommenden Halbjahr wieder erreicht.

Um den Fortbestand des Mitmach-Kindergartens, der auch Kinder aus Josbach, Wolferode und Rauschenberg aufnimmt, müssen sich die Ernsthäuser folglich keine Sorgen machen, zumal es im Storchennest jetzt auch ein neues Angebot gibt: Die Betreuung von U3-Kindern, die aus Kapazitätsgründen aber nur für Kinder ab zwei Jahren möglich ist.

Am Anfang standdie Volkshochschule

Das neue Angebot war Anlass für den Verein, die Einrichtung umzubenennen. Die Vorschule heißt jetzt Kindertagesstätte Storchennest Ernsthausen, weil, so Katrin Lingelbach, „ein Zweijähriger mit der Vorschule nichts zu tun hat.“ Gleichwohl halte der Verein am Vorschulkonzept fest.

Das gibt es in Ernsthausen schon seit 40 Jahren und wurde von der Volkshochschule in Dörfern ohne Kindergarten etabliert. Dabei ging es an zwei Vormittagen pro Woche darum, Kinder an konzentriertes Arbeiten und Gestalten in der Gruppe heranzuführen.

Daran hat sich im Grundsatz bis heute nichts geändert, auch wenn freies Spiel - so Kathrin Schick - zu Beginn und zum Abschluss des Kindergarten-Tages feste Bestandteile sind wie der Stuhlkreis und das gemeinsame Frühstück. „Erst nach dem Frühstück beginnt das, was uns zur Vorschule macht. Die älteren Kinder gehen zur Vorbereitung auf die Schule in eine Art Klassenraum, in dem jeder seinen festen Platz hat. Dort beschäftigen sich die Kinder in Ruhe mit Arbeitsblättern oder anderen Aufgaben“.

Zumindest das mit dem ruhigen Arbeiten funktioniert. Während die Jüngeren in ihrem Gruppenraum toben und lärmen herrschen nebenan bei den „Großen“ Konzentration und Ruhe. Die Kinder sind gerade dabei, komplizierte Muster für ihre Laterne auszuschneiden. Katrin Lingelbach ist überzeugt, dass diese sanften Konzetrationsübungen den Kindern beim Übergang zur Schule helfen. „Wir bekommen positive Rückmeldungen aus der Schule. ,Das sind die Ernsthäuser Kinder, die kennen und können schon Vieles‘“, bekommen wir immer wieder zu hören.“

So große der Einfluss des Fördervereins auf den Alltag in der Kita ist - pädagogische Konzepte überlässt die Vereinsführung, zu der neben den OP-Gesprächspartnerinnnen der 1. Vorsitzender Jörg Hoffmann und Kassiererin Diana Müller gehören, lieber den Profis aus dem Erzieherinnen-Team.

n Internet: www.vorschule-ernsthausen.de

von Matthias Mayer

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