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Nahwärmezeitalter hat begonnen

Bioenergie Nahwärmezeitalter hat begonnen

Großer Moment für Rauschenberg: Seit Montag, 17 Uhr, wird das erste Haus in der Kernstadt mit biologisch erzeugter Nahwärme versorgt. Die wichtigste Erkenntnis: Es funktioniert, das Haus wird warm.

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Das Foto zeigt die Problemlage in der Bahnhofstraße: Der Hauptstrang des Nahwärmenetzes musste in 1,90 Meter Tiefe unter andern Versorgungsleitungen hindurch verlegt werden.

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg. „Von mir ist ein großer Hinkelstein gefallen. Ich kann jetzt wieder erhobenen Hauptes durch Rauschenberg gehen“, zeigte sich Helmut Schmid, Vorstandssprecher der Genossenschaft Nahwärme Rauschenberg, gestern gegenüber dieser Zeitung erleichtert.

Er habe schon Druck verspürt und sei letztlich froh, dass die Genossenschaft ihr Versprechen habe halten können, die Nahwärmeversorgung noch vor dem Winter zu gewährleisten.

Seit dem Baustart im Mai hatten die Bauleute immer wieder mit größeren Problemen zu kämpfen gehabt, die letztlich zu Verzögerungen geführt haben.

"Ein bisschen Schwund ist immer"

Diese wurden beim jüngsten Baustellenbesuch deutlich, als gleich aus zwei angeknacksten Leitungen Wasser in die Baugrube strömte. Aufsichtsratsmitglied Dieter Bartelmeß kommentierte diese Missgeschicke mit der Gelassenheit eines erfahrenen Architekten und Bauunternehmers: „Ein bisschen Schwund ist immer.“

Die Bauleute beklagten, dass die Leitungen häufig nicht dort zu finden sind, wo sie laut Plan hätten liegen müssen. „Wir haben große Probleme mit der Lage der Leitungen gehabt.

Das hat auch zu den Verzögerungen im Bauablauf geführt. Besonders in der oberen Bahnhofstraße erwiesen sich die Arbeiten als kompliziert“, bestätigte Helmut Schmid. Ursprünglich hätten die ersten Häuser schon im Oktober ans Netz gehen sollen.

 Erster Schritt zur Bioenergiestadt

Helmut Schmid ist mit dem Erreichten dennoch sehr zufrieden. „Acht Kilometer des im ersten Bauabschnitt 11,5 Kilometer langen Netzes sind fertig. Darauf können wir ein bisschen stolz sein“, sagte er.

Zugleich stellte er fest, dass Rauschenbergs erster Schritt zur Bioenergiestadt kein Grund zum Ausruhen ist. „Wir machen gleich weiter. Ziel muss es sein, den ersten Bauabschnitt bis Anfang Januar fertigzustellen“, sagte er. Erst danach könne es eine große Einweihungsfeier geben.

Noch am Montagabend seien zwei weitere Häuser ans Netz gegangen. Die Genossenschaft habe sich zuerst auf die Häuser ohne Heizöl oder ohne Heizung konzentriert. Ab sofort könnten aber alle Haushalte, die bereits an das Netz angeschlossen sind und eine Übergabestation haben, mit Nahwärme versorgt werden, erklärte Schmid.

Das gelte für die Anlieger der Bahnhofstraße und des so genannten „alten Neubaugebiets“. Schmid schätzt, dass dies etwa 70 Prozent der am ersten Bauabschnitt liegenden 167 Genossenschaftsmitglieder sind.

Zweiter Bauabschnitt folgt ab Juni

Im kommenden Jahr soll das Netz durch einen zweiten Bauabschnitt erweitert werden. Dann kann auch der obere Teil der Altstadt angeschlossen werden. Dazu entsteht auf dem Festplatz ein Holzhackschnitzel-Heizkessel. Für den Baustart hat die Genossenschaft den Juni ins Auge gefasst.

Das Nahwärmenetz wird von der Abwärme aus der Biogasanlage der Fiddemühle beheizt. Sollte diese den Wärmebedarf der Stadt nicht decken können, sorgt ein ölbetriebener Spitzenlastkessel in der Heizzentrale an der Kratz‘schen Scheune dafür, dass niemand frieren muss. Zugleich gibt es als Back-up zwei Wärmepufferspeicher, die neben der Heizzentrale stehen.

Als erste Bionenergiestadt Hessens baut Rauschenberg seine Vorreiter-Rolle bei den grünen Energien aus. Die Stadt hat demnächst zwei Windparks und die Bioenergiedörfer Josbach und Schwabendorf. In Bracht wird voraussichtlich das dritte Bioenergiedorf entstehen.

von Matthias Mayer

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