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Nahwärme: „Der Preis ist unschlagbar günstig“

Infoveranstaltung zur Nahwärme Nahwärme: „Der Preis ist unschlagbar günstig“

Nimmt man den Besucheransturm auf die Infoveranstaltung am Donnerstagabend zum Maßstab, dann ist der Bau eines Nahwärmenetzes inRauschenberg bereitsbeschlossene Sache.

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Volles Haus in der Kratz‘schen Scheune: 250 Bürger informierten sich über das Nahwärme-Projekt. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Schon eine viertel Stunde vor Beginn der von Bürgermeister Michael Emmerich moderierten Veranstaltung zeigte sich, dass die aufgestellten Stuhlreihen im neuen Gemeinschaftshaus Kratz‘sche Scheune nicht reichen würden. Stadtrat Axel Schmidt gab den Hausmeister, fuhr mit einer Karre einen Stühle-Stapel nach dem anderen in den Saal, der letztlich bis in den letzten Winkel hinein bestuhlt wurde.

Und das erwartungsfroh gestimmte Publikum wurde nicht enttäuscht. Der Einbecker Physiker Gunter Brandt vom Planungsbüro GUT, Autor der vom Magistrat beauftragten Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz in der Kernstadt (die OP berichtete ausführlich), hatte erfreuliche Zahlen mitgebracht. Selbst wenn es bei den für die Studie festgestellten 61 anschlusswilligen Haushalten bliebe, lasse sich ein Nahwärme-Netz in der Kernstadt wirtschaftlich betreiben - trotz der 1,9 Kilometer langen Zuleitung von der Wärmequelle Biogasanlage Fiddemühle. Mit jeder Lücke, die im Wohngebiet rund um die Berliner Straße geschlossen werde, sinke der späterer Wärmepreis, den Brandt um 15 bis 20 Prozent unter den Heizkosten einer Ölheizung ansiedelte. Der Preis sei heute schon unschlagbar günstig und werde sich in den nächsten 20 Jahren noch dramatisch verbessern.

Und über den Wärmepreis werden keine Konzerne und Oligarchen entscheiden, sondern die Genossenschaftsmitglieder während ihrer Generalversammlung, wie Bernhard Brauner vom Genossenschaftsverband berichtete. Brauner stellte umfassend Struktur und Vorteile einer Genossenschaft vor.

Die Einstandskosten

Zum verbrauchsabhängigen Wärmepreis kommen auf die künftigen Genossenschaftsmitglieder einmalige Einstandskosten zu: Ein Genossenschaftsbeitrag in Höhe von 3500 Euro pro Hausanschluss, der der Genossenschaft als Startkapital dienen soll sowie für den Hausanschluss, die je nach den örtlichen Gegebenheiten zwischen 1000 und 2500 Euro liegen.

Für die Finanzierung dieser Einstandskosten hat die VR Bank Hessenland ein Sonderkreditprogramm Rauschenberg aufgelegt, wie Armin Kreider vor der Versammlung berichtete. Die Bank biete den Genossenschaftsmitgliedern eine Finanzierung für einen effektiven Jahreszins von 1,92 Prozent an. Die VR Bank Hessenland hat in der Region schon mehrere Windparks und Nahwärme-Netze finanziert. Unter anderem ist die Genossenschaftsbank Finanzpartner der Bioenergiedörfer Josbach und Rauschenberg.

Das Team

Derzeit wird die Gründung einer Genossenschaft von einer Arbeitsgruppe vorbereitet, die sich auf die in Josbach und Schwabendorf geleisteten Vorarbeiten stützen kann. Zum Team gehören Eckard Schmerenberg und Axel Schmidt aus der Kernstadt, der Ernsthäuser Architekt Dieter Barthelmeß und Helmut Schmid aus Schwabendorf, der als Vorstandsmitglied der Schwabendorfer Nahwärme-Genossenschaft wertvolle Erfahrungen mitbringt. Um die Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen, sucht das Quartett dringend Mitstreiter. Interessenten können sich im Rathaus oder bei den Gruppenmitgliedern melden.

Der Zeitplan

Wie geht es nun weiter? Bürgermeister Michael Emmerich skizzierte die nächsten Schritte auf dem Weg zur Bioenergiestadt Rauschenberg.

7. März: Bis zu diesem Tag können Anschlusswillige ihre Fragebögen im Rathaus abgeben. Der Rücklauf ist die entscheidende Grundlage für die Arbeitsgruppe für die Beantwortung der Frage, welche Straßenzüge können wirtschaftlich an das Netz angeschlossen werden und welche nicht. Je mehr Interessenten sich in einer Straße finden, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese berücksichtigt werden kann. n Mai oder Juni: Gründungsversammlung der Nahwärme-Genossenschaft. Diese erlangt nach einem Prüfverfahren die Geschäftsfähigkeit. n Ende 2014: Ausschreibung für die Bauarbeiten und die Lieferung der „Hardware“, zu der ein Wärmetauscher für das Maschinenhaus der Biogasanlage Fiddemühle, doppelrohrige Nahwärme-Rohre, ein Wärmepuffer-Speicher und mindestens ein Spitzenlastkessel gehören. n 2015: Bau des 6,1 Kilometer langen Nahwärme-Netzes. Dieser soll noch 2015 abgeschlossen werden, um das Stadtjubiläum 750 Jahre Rauschenberg 2016 nicht zu stören. „Legen Sie los“, ermunterte Michael Emmerich zum Abschluss des offiziellen Programms die Bürger zum Mitmachen. Emmerich gehört als Initiator und ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bioenergiedorf-Genossenschaft Josbach zu den Nahwärme-Pionieren der Region. In dieser Eigenschaft war er vom Publikum ebenso gefragt wie Eva Hawig, die Vorstandsvorsitzende der Schwabendorfer Genossenschaft. Weder in Josbach noch in Schwabendorf habe es bisher für die Wärme-Abnehmer spürbare Störfälle gegeben, ließen beide auf entsprechende Fragen wissen.

Und Gunter Brandt entkräftete Befürchtungen, dass eine Havarie das gesamte Netz lahmlegen könne. In den zehn vom ihm geplanten Nahwärme-Netzen habe es eine solche Havarie noch nie gegeben. Er arbeite mit einfacher, preiswerter und nicht störanfälliger Technik. Gleichwohl gebe es über eine Flanschlösung notfalls die Möglichkeit, das Netz mit externer Heizquelle zu versorgen.

Die Sprechstunden

  • Für die individuelle Beratung der Interessenten und die Beantwortung offener Fragen bietet die Arbeitsgruppe Sprechstunden in den oberen Räumen der Kratz‘schen Scheune an.
  • Die Sprechstunden beginnen jeweils um 19 Uhr am Montag, 24. Februar, am Montag, 3. März und am Montag, 10. März.
Mit Nahwärme gegen Leerstand
Als in Josbach die Idee eines Nahwärmenetzes geboren wurde, ging es den Initiatoren nicht allein um preisgünstige und umweltfreundlich erzeugte Heizenergie: Sie wollten auch etwas gegen den drohenden Leerstand im alten Ortskern unternehmen, die alten Häuser durch Nahwärme-Versorgung aufwerten für die nachwachsende Generation attraktiv machen. Das ist gelungen. Nach Überzeugung von Fachleuten wird das Leerstandsproblem die Häuser aus den 70er-Jahren erreichen. Und die gibt es im Einzugsgebiet des geplanten Nahwärmenetzes zu Hauf. So kann das Netz zur Chance für die Südstadt werden.

von Matthias Mayer

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