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Nachbarn gehen aufeinander zu

Zwei Kommunen, eine gemeinsame Verwaltung Nachbarn gehen aufeinander zu

Über viele Jahre hinweg galten an der Wohra engere Kooperationen zwischen Rauschenberg und Wohratal als Tabuthema, das Politiker besonders in Wahlkampfzeiten ­weiträumig umschifften. Das ist jetzt vorbei.

Händedruck zwischen den Bürgermeistern Michael Emmerich (links) und Peter Hartmann. Das Rathaus könnte Sitz der Zentralverwaltung für die Kommunen Rauschenberg und Wohratal sein – wenn die Parlamente zustimmen. Foto: Matthias Mayer

Quelle: Matthias Mayer

Rauschenberg/Wohratal . Gestern Abend befasste sich erstmals die Rauschenberger Stadtverordnetenversammlung mit der Bildung eines Gemeinde-Verwaltungsverbandes, der zum 1. April 2019 für die beiden weiter eigenständigen Kommunen die Verwaltung übernehmen könnte. An diesem Tag treten die zuvor gewählten Bürgermeister beider Kommunen ihre (neue) Amtszeit an.

Ein guter Zeitpunkt für eine solche Zäsur. Das Rauschenberger Rathaus würde Sitz der Zentralverwaltung sein, in der Gemeindeverwaltung Wohratal bliebe ein mit 1,5 Stellen besetztes Bürgerbüro. Diese bliebe zudem Sitz des dann ehrenamtlich tätigen Wohrataler Bürgermeisters. Das berichteten Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich und der Wohrataler Bürgermeister Peter Hartmann vorab in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

An der Sache orientierte Entscheidungen treffen

Beide Bürgermeister gelten als ideologiefreie Pragmatiker, die an der Sache orientierte Entscheidungen treffen. Sie haben das Konzept für eine gemeinsame Verwaltung ausgearbeitet, für dessen Umsetzung in beiden Parlamenten eine zwei-Drittel-Mehrheit benötigt wird. Beide Seiten nannten im OP-Gespräch triftige Gründe und Vorteile aus einer solchen Lösung, die sie den Parlamenten und den ­Bürgern näherbringen wollen.

„Ohne umfassende Informationen kann es nicht gelingen“, sagte Michael Emmerich, der im gescheiterten Versuch, auf Ostkreis-Ebene eine interkommunale Zusammenarbeit zu erreichen, den Anstoß für das nun zu diskutierende Projekt sah, das nach den schlechten Erfahrungen in Angelburg und Steffenberg bewusst nicht auf eine Fusion angelegt sein wird.

 Wohratal: Grenze erreicht

Von einem deutlich höheren Handlungsdruck sprach Peter Hartmann. „Es gibt nichts schöneres, als Bürgermeister in einer kleinen Verwaltung zu sein. Das ist eine Lebensaufgabe, die ich mit Herzblut erfülle. Eine starke Verwaltung ist gut, aber in einer Ostkreis-Verwaltung wären wir untergegangen.

Auf der anderen Seite können wir mit 4,5 Stellen in der Verwaltung kaum noch leisten, was der Bürger von uns verlangt“, skizziert Peter Hartmann die Ausgangslage.Seit Dezember 2013 hat der Bürgermeister keinen Büroleiter mehr, führt dessen Aufgaben jetzt selbst aus, um über Einsparungen im Personalwesen die schwarze Null für den Haushalt zu retten.

Gemeindekasse zeitweise nicht handlungsfähig

Als Krankheitsfälle dazu führten, dass die Gemeindekasse zeitweise nicht handlungsfähig war und Rechnungen verspätet bezahlt wurden, übernahm Peter Hartman auch dieser Aufgabe. Nach einer lebensgefährlichen Erkrankung fand sich Peter Hartmann in der ersten Jahreshälfte auf der Intensivstation wieder.

In Ermangelung eines Büroleiters brach in der Verwaltung ein Chaos aus, das den Bürgermeister dazu zwang, schon am zweiten Tag via Smartphone die Amtsgeschäfte wieder aufzunehmen. An diesem Punkt sei in ihm die Erkenntnis gereift, dass es ohne eine Personalaufstockung in der Verwaltung nicht weitergehen könne.

Peter Hartmann ist zuversichtlich, dass die Bürger die geplante Zusammenarbeit kaum spüren werden. Dazu verwies er auf die vor zwei Jahren geräuschlos getroffene Kooperation auf Ebene der Standesämter. „Ich habe schon das Vergnügen gehabt, hier im Rathaus ein Paar trauen zu dürfen“, sagte der Wohrataler Bürgermeister.

Michael Emmerich sieht das ähnlich. Die Digitalisierung des Rathauses werde dafür sorgen, dass fast alle Vorgänge zwischen Kommune und Bürger online erledigt werden können. Die Kosten für die Leistungen von Standesamt, Meldewesen, Ordnungsamt, Bauverwaltung, Stadtkasse und Steuerwesen sollen nach den Einwohnerzahlen unter beiden Kommunen verteilt werden, erläuterte der Rauschenberger Bürgermeister, der drei Kollegen aus Wohratal in seine Verwaltung integrieren wird, die dann gar nicht mehr die seinige sein wird. Denn der Verwaltungsverband ist eigenständig und hat einen eigenen Haushalt.

von Matthias Mayer

Ehrenamtlicher Rathauschef erspart Kosten

Käme ein Gemeindeverwaltungsverband, so blieben in Wohratal Ansprechpartner für die Bürger vor Ort, versprechen die Bürgermeister Peter Hartmann und Michael Emmerich aus Rauschenberg. Politisch ändert sich theoretisch nichts.

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