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Nach zwei Jahren steht Großprojekt vor Abschluss

Eigenleistung Nach zwei Jahren steht Großprojekt vor Abschluss

Weit über 4600 Stunden an Eigenleistung investierten rund 30 Bürger Rüdigheims in die Sanierung ihres Bürgerhauses, in dem auch die Feuerwehr untergebracht ist.

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Bernhard Becker (links) und Michael Kappel stehen im fast fertigen Tagungsraum. Rechts sind verschiedene Arbeitsschritte zu sehen, die ehrenamtliche Helfer erledigten.Fotos: Kappel (5), Lerchbacher

Rüdigheim. Seit Oktober 2014 opfern zahlreiche Rüdigheimer viele Stunden ihrer Freizeit, um den „Treffpunkt“ - ihr Bürgerhaus - zu erweitern und das dazugehörige Feuerwehrgerätehaus so umzugestalten, dass es den Anforderungen entspricht. Zwei, die eigentlich immer dabei waren, sind Bernhard Becker, den die Rüdigheimer inzwischen sogar zum Ortsvorsteher wählten, und Feuerwehr-Mitglied Michael Kappel.

Im Gespräch mit dieser Zeitung erinnern sie sich an die diversen Arbeiten, die die Rüdigheimer in Eigenleistung erledigten - und lassen es klingen, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt: den Erdaushub als Vorbereitung für die Erweiterung, das Unterfangen des Mauerwerks und das Betonieren der Sole, das Hochmauern des Anbaus - „und zwischendurch zogen wir noch eine Geschossdecke ein“, so Kappel.

Danach deckten die Rüdig­heimer das Dach, betonierten eine Treppe, isolierten das Gebäude, legten eine Drainage und bauten einen Dachrinnen-­Abfluss für die Zisterne sowie „was sonst noch so dazugehört“, wie Becker sich auszudrücken beliebt.

„Nach dem Trockenbau mit Toiletten und Ähnlichem widmeten wir uns dem Feuerwehrgerätehaus“, berichtet Becker. Die Freiwilligen rissen die alten Toiletten, das 1969 außer Betrieb genommene Backhaus und den Schlauchturm ab und machten sich dann mit Unterstützung des städtischen Baggers ans Ausschachten.

Energetische Sanierung des Altbestandes

Durch die Vergrößerung gibt es nun Platz für Umkleideräume für Frauen und Männer, das Büro von Stadtbrandinspektor Stefan Krähling. Noch dazu ist der Gruppenraum größer als zuvor.

Danach seien Fachfirmen am Zug gewesen, erklärt Becker: „und plötzlich hieß es, dass es Geld gibt für die energetische Sanierung des Altbestandes. Also rissen wir Fenster raus und bauten die Decke zurück, damit eine Firma eine schallschluckende Decke einziehen konnte“, ergänzt der Ortsvorsteher und betont, dass auch beim Umbau der Solaranlage geholfen wurde.

Nun sind die Rüdig­heimer im Endspurt und legen rund um das Gebäude eine Drainage und neues Pflaster. Zudem verlegen Mitglieder des Verschönerungsvereins hinter dem Haus Kopfsteinpflaster, das bis zur Kirche reicht.

„27 Rüdigheimer Männer brachten sich in das Projekt ein. Zudem sorgte eine Gruppe Frauen dafür, dass wir immer etwas zu Essen da hatten“, resümiert Becker und spricht von mehr als 4600 Stunden an Eigenleistung. „Es war ein toller Zusammenhalt.

Das Projekt hat das Dorf zusammengeschweißt“, sagt Kappel. Sogar Mitbürger, die „keine Ahnung vom Handwerk haben“, hätten sich eingebracht: „Außerdem habe ich viele Menschen kennengelernt, die sonst nicht so im Dorfleben verwurzelt sind - sie standen auf einmal vor der Tür und brachten sich ein.“

Und wenn das Bürgerhaus - das bald auch über einen Fahrstuhl verfügt - eingeweiht sei, werde es mit Sicherheit dazu beitragen, dass der Zusammenhalt im Dorf noch größer werde, ergänzt Becker.

Sanierung kostet 430000 Euro

„Ich bin stolz auf das Geleistete und freue mich riesig“, lobt Bürgermeister Michael Plettenberg und sagt, dass bald „ein langer und für das Dorf schwieriger Prozess“ zu Ende gehe und die Dorfgemeinschaft ein neues Kapitel aufschlagen könne. Er erinnert an den schweren Weg hin zur Sanierung.

Zunächst waren die Meinungen in Rüdigheim zu dem Projekt gespalten, doch es gelang, die Lager zu vereinen. Einer der Gegner war übrigens Becker gewesen - der sich jedoch überzeugen ließ und die Federführung übernahm.

Rund 430000 Euro kostete die Sanierung des Treffpunktes insgesamt. Dafür haben die Rüdig­heimer bald ein modernes Gebäude, das - so Plettenberg - „ein immens wichtiger Impuls für das soziale Miteinander im Ort sein wird“.

Zur Einweihung am 2. Oktober planen die Bürger eine Art Dorffest. Los geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche mit Bischof Heinz-Josef Algermissen. Danach segnet der Ehrengast aus Fulda gemeinsam mit dem inzwischen 97 Jahre alten Domkapitular Josef Mönninger, der aus Rüdigheim stammt, den dann in kirchliche Trägerschaft übergehenden Treffpunkt und das Gerätehaus. Danach gibt es Mittagessen für alle Gäste - um die Verpflegung kümmern sich die Vereine.

Nachmittags soll es noch Kaffee und Kuchen geben: „Aber das ist noch nicht sicher“, betont Becker, der voller Stolz auf das Geleistete und seine Mitmenschen ist und niemanden hervorheben will: „Das haben wir nur geschafft, weil wir als Dorf zusammenstanden.“

von Florian Lerchbacher

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