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Nach der Ankunft fehlt es an Kleidung

Zeltunterkunft Nach der Ankunft fehlt es an Kleidung

Über Nacht hat sich das Zeltlager auf dem Stadtallendorfer Bundeswehrgelände beinahe gefüllt. Unterdessen sind Kleiderspenden angelaufen, bei der Stadtverwaltung gab es zahlreiche Anrufe und Angebote.

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Flüchtlinge verlassen das Gelände des Zeltlagers bei der Bundeswehr, in dem sie im Augenblick untergebracht sind. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Das Zeltcamp neben dem Bundeswehr-Hallenbad ist seit der Nacht zu Mittwoch beinahe voll. Nach letztem Stand waren es rund 650 Menschen, darunter 187 Kinder.

Unterdessen laufen die zusätzlichen ehrenamtlichen Hilfen für die Menschen, die überwiegend aus Syrien, dem Irak und Afghanistan stammen, an. Am Mittwoch öffnete die Stadt Stadtallendorf, die die Hilfen koordiniert, kurzfristig das Jugendzentrum im Röntgenweg. Zwei Lastwagen aus Marburg brachten warme Kleidung, zugleich sprach sich die kurzfristige Spendenmöglichkeit dank des sozialen Netzwerks Facebook herum. Die OP veröffentlichte am Nachmittag einen ersten Online-Hinweis. Ab Montag findet die Kleiderannahme im Südstadt-Kiosk statt. Am Abend begann die erste Sortierung der eingegangenen Spenden. Geplant ist laut Fachbereichsleiter Hubertus Müller von der Stadtverwaltung, dass die Flüchtlinge in kleinen Gruppen dann durch das Jugendzentrum oder den Südstadt-Kiosk geführt werden sollen, um sich zu versorgen. Gleichzeitig organisierten Stadtjugendpfleger Walter Mengel gemeinsam mit Pfarrer Thomas Peters eine Kinderbetreuung, sie solle so bald wie möglich anlaufen. Bürgermeister Christian Somogyi hatte bereits bei der Informationsveranstaltung am Dienstagabend erklärt, dass er die beiden Pfarrer Diethelm Vogel und Peters um Unterstützung bitten werde.

Angesichts des langanhaltenden Regens sei die Situation in der Unterkunft angespannt, erklärte Kreissprecher Stephan Schienbein. „Wir haben sie aber im Griff“, so Schienbein. Die Frage der Betreiberschaft, die eigentlich beim Land liegen sollte, spielt für den Kreis derweil keine Rolle. Es gehe um humanitäre Hilfe. Deshalb hat sich eine Steuerungsgruppe in der Kreisverwaltung gebildet, die organisiert und auch gleich umsetzt. „Die Menschen brauchen eine Möglichkeit, ihre Wäsche zu waschen und zu trocknen“, sagte Schienbein. Das wurde kurzfristig organisiert. Der Kreis schafft Waschmaschinen und Trockner an. Sie werden in einem Container aufgestellt.

Nach wie vor wird die Unterkunft allein von ehrenamtlichen Katastrophenschützern, vor allem dem DRK, betrieben, die beispielsweise auch die Registrierung vor Ort übernehmen. Anders als am Dienstag angekündigt, haben Kräfte aus Waldeck-Frankenberg ihre Kollegen aus dem Vogelsbergkreis abgelöst, nicht aus Hersfeld-Rothenburg. Inzwischen habe das Regierungspräsidium angekündigt, dass es die Einrichtung sukzessive vom Kreis übernehmen will, so Schienbein. „Bis dahin werden wir alles tun, um den Menschen in den Zelten ihr Leben zu erleichtern“, betonte Schienbein. Ein Koordinator der Kreisverwaltung ist vor Ort und organisiert in Absprache mit allen Beteiligten wie der Bundeswehr den Betrieb. „Das Interesse ist groß, wir haben zahlreiche Anrufe“, erklärt Hubertus Müller zur Resonanz beim Infotelefon, das seit Mittwoch geschaltet ist. Etwa 50 Anrufe seien eingegangen. Schon am Montag habe es viele Anfragen und Angebote gegeben, bis hin zu Treibstoff für die Stromgeneratoren. Dass das am Wochenende geschaffene Zeltlager bei der Bundeswehr die Menschen bewegt, hatte die unter Federführung des Kreises entstandene Informationsveranstaltung gezeigt. Rund 450 Bürger waren in die Stadthalle gekommen, um sich zu informieren oder konkrete Fragen zu stellen (die OP berichtete aktuell). Auf dem Podium saßen unter anderem Karin Ohm-Winter, stellvertretende Dezernatsleiterin „Soziales“ beim Gießener Regierungspräsidium, Landrätin Kirsten Fründt, die auch moderierte, Bürgermeister Somogyi sowie Bodo Koch vom Polizeipräsidium Mittelhessen. Ohm-Winter begrüßte auf eine entsprechende Zuhörerfrage beispielsweise Patenschaften für Flüchtlinge. Thomas Czarski vom Verein „Jumpers“ verwies auf die Begegnungsveranstaltung, die der Verein am Samstag ab 13 Uhr in der früheren Herrenwaldkirche plant. Der Verein organisiere gerade auch ein Patenschaftsprojekt.

Wie lange es diese Unterkunft geben werde, wollte ein weiterer Zuhörer werden. Auf diese Frage konnte Ohm-Winter angesichts der Gesamtsituation keine Antwort geben. Letztlich werde das in Wiesbaden entschieden.

KLEIDERSPENDEN:

Das Jugendzentrum ist am Donnerstag und Freitag von 13 bis 19 Uhr für die Annahme von Kleiderspenden geöffnet, am Samstag von 15 bis 19 Uhr. Ab Montag erfolgt die Annahme von Kleiderspenden im Südstadt-Kiosk, während der Woche ebenfalls von 13 bis 19 Uhr. Wer Hilfe anbieten oder spenden möchte, kann sich an Markus Harder wenden, Telefon 06428/707-330, E-Mail markus.harder@stadtallendorf.de.

Das Regierungspräsidium Gießen unterhält ebenfalls eine zentrale Rufnummer für Helfer und Spender für alle Erstaufnahmeeinrichtungen: 0641/303-2775, E-Mail ehrenamt@rpgi.hessen.de.

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