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Mutter würgt Jugendliche mit Kette

Amtsgericht Mutter würgt Jugendliche mit Kette

Die Geburtstagsfeier einer Jugendlichen lief im vergangenen November völlig aus dem Ruder. Am Ende folgten sechs Strafanzeigen, eine davon wegen gefährlicher Körperverletzung.

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Vor dem Kirchhainer Amtsgericht musste sich eine Mutter wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Quelle: Thorben Wengert_pixelio.de

Kirchhain . Fast vier Stunden an zwei Terminen mit acht geladenen Zeugen, so die Bilanz eines Verfahrens vor dem Amtsgericht Kirchhain. Angeklagt: eine Mutter aus dem Ostkreis. Der Vorwurf der Anklage: Zu später Stunde soll sie zwischen 2 und 2.30 Uhr bei einer Geburtstagsparty eine 15-Jährige vor eine Wand gestoßen und sie mit ihrer eigenen Kette stranguliert haben, so lange, bis sie Atemnot bekam. Aus Sicht der Angeklagten verlief die Situation anders. Sie habe die Jugendliche nur weggeschoben, weil sie auf ihre eigene Tochter losgehen wollte. Offenbar, das bestätigten später auch Zeugen, hatte es unter den Jugendlichen Beleidigungen gegeben, die Atmosphäre war jedenfalls in jener Nacht gespannt.

Zeugen zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss

Was folgte war eine langwierige und bis ins Detail gehende Beweisaufnahme, bei der vor allem Jugendliche aussagten, die die Situation ganz oder teilweise mitbekommen haben sollten. Fakt war, dass bei einigen der Zeugen erhebliche Alkoholwerte im Blut festgestellt wurden, bis zu zwei Promille.
 Zwei Schwestern der Angeklagten machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.
Die Geschädigte selbst schilderte dem Gericht, was sich aus ihrer Sicht zugetragen hat. Sie trug eine Silberkette mit etwa größeren Gliedern, die die Angeklagte zugezogen haben soll. Ein vor Gericht verlesenes Attest bescheinigte ihr Striemen am Hals und Prellungen am Arm. Bei weiterer Behandlung durch einen Neurologen stellte sich eine Nervenquetschung am Arm heraus. Deshalb mussta das Mädchen sechs Wochen Gips tragen. Intensiv versuchte der sehr gut vorbereitete Verteidiger der Angeklagten während der Befragungen, Ungereimtheiten herauszuarbeiten, was ihm zum Teil auch gelang. So stand am Ende zum Beispiel die Frage im Raum, ob die geschädigte Jugendliche nicht vielleicht einen schwarzen Schal getragen haben könnte – statt einer Kette. Am Ende sah Rechtsanwalt Arik Bredendiek „erhebliche Glaubwürdigkeitsfragen“, die während der Verhandlung aufgekommen seien, sprach von einer extrem unübersichtlichen Situation und erheblichen Zweifeln – und plädierte für einen Freispruch, auch aufgrund des Rechtsgrundsatzes „im Zweifel für den Angeklagten“.

"Die Erwachsene hätte die Vernünftige sein müssen"

Zuvor hatte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft  allerdings ein ganz anderes Bild gezeichnet. „Im Kerngeschehen ist die Tat so passiert, auch wenn nur wenige Zeugen wirklich was zur Sache sagen konnten“, so die staatsanwaltschaftliche Einschätzung. Am schwersten wog dabei das Zuziehen der Kette durch die Erwachsene. Die Kette wurde juristisch als gefährliches Werkzeug bewertet. „Die Erwachsene hätte die Vernünftige sein müssen“, so der Vorwurf. Der Antrag der Staatsanwaltschaft: Ein Jahr Haft, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Richter Joachim Filmer folgte der Sicht der Staatsanwaltschaft, beschränkte das Strafmaß aber auf zehn Monate, auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss die Frau ungeachtet späterer Zivilverfahren 500 Euro   an die 15-Jährige zahlen. In seiner Begründung wählte Richter Filmer klare Worte: Die Angeklagte hätte das Gegenteil von Deeskalation betrieben, sie sei „wie eine Furie dazwischengefahren“. An den Verletzungen der Jugendlichen gebe es keine Zweifel.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Michael Rinde

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