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Musterbeispiel der Barmherzigkeit

Martin von Tours Musterbeispiel der Barmherzigkeit

Vor 1700 Jahren kam Martin von Tours zu Welt. Neustadts Kirchen, die Kommune und die Schule planen zu Ehren des Schutzpatrons der Stadt mehrere Veranstaltungen.

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Zunächst widmete sich Bischof Prof. Dr. Joachim Wanke (linkes Bild) dem Leben des Martin von Tours, einige Tage später war es der Amöneburger Historiker Prof. Dr. Werner Kathrein.Fotos: Klaus Böttcher, privat

Neustadt. Zum Auftakt fand ein Pontifikalamt in der katholischen Kirche mit dem emeritierten Bischof Prof. Dr. Joachim Wanke aus Erfurt statt. Mit ihm zelebrierten aus Neustadt die Pfarrer Andreas Rhiel und Arnulf Hummel, Peter Weber aus Emsdorf, Michael Brüne aus Treysa sowie aus Stadtallendorf Diethelm Vogel, Roman Tabor, Militärpfarrer Markus Ramisch und Kaplan Alexander Best den Gottesdienst. Diakon Stephan Weigand assistierte, die evangelische Pfarrerin Kerstin Kandziora kümmerte sich um die Lesung. Für den musikalischen Rahmen sorgten der katholische Kirchenchor, die Trinitatisbläser und Organist Volker Krapp.

Wanke stellte die Barmherzigkeit in den Mittelpunkt seiner Predigt. Gerade in dem Jahr, das Papst Franziskus als „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen hat, sei es wichtig, an das „Markenzeichen der Christen“ zu erinnern. „Frauen und Männer, wie die heilige Elisabeth oder Martin von Tours, lebten Barmherzigkeit vor“, so der Bischof: „Aufgrund ihres beispielgebenden Lebens werden sie noch heute von den Christen verehrt und selbst Menschen, die mit der Kirche nichts oder nur wenig anfangen können, haben Respekt vor deren Handeln.“

Nur wenige Tage nach Wanke widmete sich der Historiker des Bistums Fulda, Domdechant Prälat Prof. Dr. Werner Kathrein, im Pfarrheim dem Namensgeber der Stadt. Er wurde 1953 in Marburg geboren und legte 1972 an der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg sein Abitur ab. Er studierte in Fulda und Freiburg und begann seine Laufbahn als Kaplan in Fritzlar.

Der Historiker stellte innerhalb einer spannenden Stunde die Geschichte Tours‘ dar. Unter dem Motto „Martin von Tours – ein europäischer Heiliger“ beleuchtete er die Kirchengeschichte und das Volksbrauchtum zu der Zeit, in der Martin von Tours gelebt hatte. Dieser wurde als Sohn eines römischen Soldaten in Ungarn geboren und verlebte seine Jugend in Italien. Nicht genau überliefert sei sein Geburtsjahr, das 316 oder 317 sein könne. Sicher ist indes, dass der Todestag der 8. November 397 war. Der 11. November, der heutige Martinstag, war sein Beerdigungstag.

Der Prälat ging in seinem Vortrag auf die römische Gesellschaft ein, in der kaum zwischen Militär und Beamtentum unterschieden wurde. So sei auch Martin von Tours nach dem Besuch einer Privatschule mit 15 Jahren in den Beamtendienst eingetreten. Damals hätten Mönche und Asketen abseits der Kirche gestanden.

Martin von Tours gründete in Gallien ein kleines Kloster. Er sei es auch gewesen, der versuchte, Brücken zu schlagen zwischen der Kirche und den Asketen seiner Gemeinschaft. Das Staat-Kirchenverhältnis sei damals ein großes Thema gewesen, erklärte der Historiker, wobei Martin von Tours die Lösung religiöser Probleme durch den Staat strikt ablehnte.

Kathrein erzählte davon, dass Martin als Wundertäter und als Visionär eingestuft werde. Er ging aber auch auf den Martinstag ein, an dem noch heute an den Neustädter Schutzpatron erinnert wird. Der 11. November lag unmittelbar vor dem damaligen großen Adventsfasten. Der Tag ist mit dem Rosenmontag zu vergleichen, denn vor dem Fasten wurde noch einmal gut gegessen und getrunken, und es gab Umzüge mit Lichtern. Mit den Gänsen, die in dieser Zeit gegessen werden, habe Martin von Tours nichts zu tu. Das sei eine Legende. Weil Gänse nutzlos waren und die Menschen fasten musste, wurden sie am Martinstag geschlachtet, betonte Kathrein.

Für Musik sorgten anstelle des Trio Semplice vier Mädchen der Musikschule Allegro, die am Klavier ihr Können bewiesen.

von Klaus Böttcher

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