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Müsli-Generation hat sich entwickelt

Ökokiste Müsli-Generation hat sich entwickelt

Brita und Charly Firsching brachten die Ökokiste mit ihrem Glauben an ihrGeschäftsmodell und das Vertrauen in Bio-Produkte nach erfolglosen Jahren auf Kurs.

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Charly und Brita Firsching starteten mit ihrem Lieferservice Ökokiste auf dem Boßhammersch Hof in Großseelheim durch.Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Großseelheim. Großseelheim. Brita und Charly Firsching sind die Gründer der Ökokiste. „Den Erzeugern fehlte die Logistik“, sagt Charly Firsching. An genau diesem Punkt setzt die Geschäftsidee der Ökokiste an. Firsching spricht von einer Win-win-Situation: „Wir können die Menschen mit regionalen Produkten beliefern, und die Produzenten können ihre Produkte verkaufen.“

Während des Studiums in Göttingen knüpften die beiden Agrar-Ingenieure Kontakt zu Petra und Peter Ritter. Auf deren Hof in Bauerbach startet die Vermarktung von Bio-Produkten mit der Erzeugergemeinschaft Grünzeug-Bote.Sieben Jahre dauerte der Versuch, das Unternehmen erfolgreich aufzustellen, ohne Erfolg. „Wir haben uns blauäugig reingestürzt“, sagt der 52-jährige Charly Firsching heute. Er führt den Misserfolg darauf zurück, dass damals keine Möglichkeit bestand, auf Kundenwünsche zu reagieren. In die Ökokiste kam, was die Erzeuger anboten. 1999 entdeckten die Öko-Pioniere den Internet-Shop als Absatzquelle. Ihr Shop sei damals extrem rudimentär gewesen, aber „dafür einer der wenigen, die funktioniert haben“, sagt Charly Firsching. Heute hat sich das gewandelt. „Es geht nahezu alles“, meint er - auch beim Internet-Shop der Ökokiste. Da aber viele Ältere und auch Blinde zum Kundenstamm zählen, beschäftigt die Ökokiste zusätzlich Telefonistinnen. Vermarktet werden viele Angebote aus der Region. Zu den Lieferanten zählen unter anderem die Ohäuser Mühle, die Riedmühle und Siebenkorn, auch Petra Ritter, die den Hof führt, auf dem für Firschings alles begann.

Mit neun Autos wird das Bio-Obst und Bio-Gemüse ausgeliefert. Die Routen starten in Großseelheim und führen bis nach Siegen und Fulda. Hauptsächlich sind die neun Fahrer allerdings im Landkreis Marburg-Biedenkopf, in Gießen sowie im Vogelsbergkreis, in der Schwalm und in Frankenberg auf Tour.

Großseelheimer Betrieb beschäftigt 40 Mitarbeiter

Damals in Bauerbach arbeiteten Firschings mit nur einem Fahrer. Heute beschäftigt die Ökokiste mehr als 40 Mitarbeiter. „Viele kommen aus dem Dorf“, sagt Charly Firsching. Genau wie sie sind Firschings verwurzelt in Großseelheim. 2004 kaufte das Paar den „Boßhammersch Hof“. Schwer war es nie, sich ins Dorf zu integrieren. „Großseelheim ist ein Stück Heimat geworden“, sagt die 51-jährige Brita Firsching. Der Adventsmarkt nahm auf Boßhammersch Hof seinen Anfang, und das Federweißer-Fest, das mit dem Schützenverein ausgerichtet wird, erfreut sich großer Beliebtheit. „An diesem Tag ist das halbe Dorf auf dem Hof“, sagt Charly Firsching.

Die Öko-Produkte, die sie vertreiben, kommen teilweise aus dem Ausland. Um zu wissen, wie die Tomaten, Orangen und Clementinen produziert werden, war das Paar vor zwei Jahren auf Sizilien und in Kalabrien. „Wir haben uns die Betriebe angeschaut“, sagt Firsching.

Er und seine Frau kommen aus der „Müsli-Generation“, für sie ist Bio eine Lebenseinstellung. Während die Bio-Pioniere mit ihren Geschäftsideen vor Jahren noch belächelt wurden, ist „Bio heute Mainstream“, sagt Charly Firsching. Dass das Paar sein Unternehmen doch noch zum Erfolg geführt hat, liege daran, „dass das Ziel und der Weg immer klar waren“. Der Betrieb habe sich stets weiterentwickelt. Angefangen hat die Ökokiste 80 Haushalten, die beliefert wurden. Heute sind es um ein Vielfaches mehr. Um mit der Ökokiste weiter zu wachsen, kommt ein Umbau in Betracht, ein Neubau wäre Charly Firsching zwar lieber, allerdings nur, wenn die Nachfolge geregelt ist. Vermutlich wird es deshalb erst einmal einen Umbau geben. „Auf einen Neubau kann man sich immer noch einstellen“, sagt er. 6,5 Tage pro Woche arbeitet das Paar. Ein geregeltes freies Wochenende gibt es nicht so häufig, weil samstags und sonntags Lieferanten ihre Waren auf den Hof bringen. Das Arbeitsleben beginnt um 4.30 Uhr wenn die ersten Mitarbeiter kommen, zwischen 18 und 20 Uhr kommt der letzte Fahrer von seiner Tour zurück. Wenn die Chefs wollen, delegieren sie Arbeiten und nehmen sich frei. Diesen Vorteil genießen die Firschings.

von Silke Pfeifer-Sternke

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