Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Moritz - der eigentlich Manfred heißt

Mitmensch Moritz - der eigentlich Manfred heißt

Seine rheinischen Wurzeln haben dem Momberger Manfred Schmitz immer wieder dabei geholfen, den Humor nicht zu verlieren.

Voriger Artikel
Weg ins Nichts bleibt ein Thema
Nächster Artikel
Kinder warten voller Vorfreude

Manfred Schmitz freut sich darauf, nach dem Rückzug aus der Kommunalpolitik mehr Zeit für Familie und Hobbies – wie die Gartenarbeit – zu haben.Foto: Florian Lerchbacher

Momberg. Seit 71 Jahren lebt Manfred Schmitz in Hessen. Dass er eine rheinische Frohnatur ist, kann er aber noch immer nicht verheimlichen - und das, obwohl es ihm seine Mitmenschen nicht immer einfach machen: Als Protestant und Sozialdemokrat war er im einstmals rabenschwarzen, katholischen Momberg ein absoluter Außenseiter, was er auch zu spüren bekam: „In den Anfangsjahren wurde sehr ruppig mit mir und meinen Kindern umgegangen“, erinnert er sich. Seine Mitmenschen rissen die von ihm aufgehängten Wahlplakate ab und bespuckten seine Söhne, die für die SPD warben.

Doch zum Glück wusste und weiß der inzwischen 78-Jährige die Welt mit einem Augenzwinkern zu nehmen: Er hatte sich schließlich in eine Mombergerin verliebt, war in den Ort gezogen und musste dann eben mit den Lebensumständen klarkommen. Wahrscheinlich half dabei auch seine „zweite Identität“, denn ursprünglich war Manfred Schmitz in Momberg als Moritz bekannt. Manch älterer Mitbürger spricht ihn heute noch mit diesem Vornamen an. Einmal fand er sich sogar auf einer Rechnung wieder.

Der Ursprung des Spitznamens liegt bei der Bundeswehr, für die Schmitz nahezu sein Leben lang tätig war. Nach seiner Lehre zum Einzelhandelskaufmann wurde er im Jahr 1958 Soldat. Auf der Fahrt zum Dienstantritt traf er einen jungen Mann, der genauso groß wie er war, ebenfalls die Marburger Tannenbergkaserne als Ziel hatte und auch Manfred hieß. Allerdings Müller mit Nachnamen. Die beiden freundeten sich an, gehörten zu den ersten Soldaten, die in die Hessenkaserne in Stadtallendorf kamen, etablierten sich als Witzbolde der Truppe und kassierten schon bald die Bezeichnung „Max und Moritz“. Und so wurden sie auch in Momberg bekannt. Ihr Spies, Richard Schmittdiel, lotste damals die guten Sportler unter den Soldaten nach Momberg - wobei Schmitz noch heute nicht weiß, warum er diese Auswahl schaffte. Wahrscheinlich weil „Max“ ein ausgezeichneter Fußballer gewesen und sie beide als Duo eben unzertrennlich gewesen seien, analysiert er.

Beide machten Momberg zu ihrem Lebensmittelpunkt. 1961 heiratete Schmitz seine Erna. Das Paar bekam zwei Kinder, allerdings war er beruflich nach einer Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst viel unterwegs. Beispielsweise war er als Kassenprüfer der Wehrbereichsverwaltung Wiesbaden - also als berühmt-berüchtigter „Grünstift“ - in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland unterwegs. In der Wendezeit nahm er als Prüfer der Luftwaffe Grenztruppen und finanzökonomische Dienste der ehemaligen DDR unter die Lupe und schulte Angehörige für die Übergabe an die Bundeswehr. Der Zufall habe dafür gesorgt, dass er am Tag der Deutschen Einheit mit anderen Kassenprüfern am Brandenburger Tor gestanden und die Wiedervereinigung quasi live und in Farbe mitverfolgen konnte.

Im Jahr 2000 ging Schmitz in Pension - von Ruhestand kann allerdings nicht die Rede sein. Das verhindert sein ehrenamtliches Engagement. Im Jahr 1969 war er in die SPD Neustadt eingetreten. 1972 wurde er Stadtverordneter und 1974 Ortsbeiratsmitglied. Seit 2011 ist er Stadtrat - was dazu führte, dass er sich nicht mehr im Momberger Gremium engagieren durfte. Vor etwa zehn Jahren gründete er mit fünf Mitstreitern den SPD-Ortsverein Momberg. Ähnlich lange ist es her, dass er für sein politisches Engagement mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurde. Seit etwa 30 Jahren fungiert Schmitz als SPD-Deligierter im Unterbezirk. Inzwischen habe sich auch die Einstellung seiner Mitbürger geändert, freut sich Schmitz. „Heute ist das Verhältnis mehr als gut.“ Es sei nicht mehr maßgebend, dass er Sozialdemokrat und Protestant sei: „Der Zusammenhalt ist wichtig. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und wollen für unser Dorf das Beste erreichen.“ Die Mitgliederzahl des SPD-Ortsvereins hat sich sogar seit der Gründung mehr als verdoppelt.

„Jetzt sind Jüngere dran“, sagt Schmitz, der im kommenden Jahr bei der Kommunalwahl nicht mehr antritt. Er wolle endlich mehr Zeit für seine Familie haben, für die er vornehmlich aufgrund seiner Arbeit weniger Zeit gehabt habe, als er wollte. Außerdem hat er dann mehr Zeit für Hobbies wie das Reisen, die Gartenarbeit sowie die rund zehn Vereine, denen er angehört - unter anderem ist er in der Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg aktiv. Dem Tennisverein gehört er nicht mehr an - obwohl er Gründungsmitglied war. Und das, obwohl er eigentlich kein Tennis spielt. Ein Freund habe ihn damals animiert, beim Aufbau des Vereins mitzumachen und in so Fällen sei er dann immer mit von der Partie. „Und dann mache ich weiter. Ich bin eben eine treue Seele“ - die der Neustädter Kommunalpolitik bald trotzdem verloren geht.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr