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Mit vollem Ton - und auch voll nutzbar

Orgel Mit vollem Ton - und auch voll nutzbar

Die musikalischen Fähigkeiten von Philip Schütz sind hervorragend, doch bisher konnte er sie in der Stadtkirche nicht in vollem Ausmaß unter Beweis stellen. Das ist nun anders.

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Philip Schütz (von links), Thomas Peter, Thomas Gerlach und Rolf-Werner Schmittdiel freuen sich über die „neue“ Orgel – die im Gegensatz zur alten barrierefrei erreichbar ist.Foto: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. „Die Orgel lebt vom Pedalspiel - und das war nicht realisierbar“, sagt Philip Schütz und freut sich über eine wegweisende Veränderung in der Stadtkirche. Dort stehen inzwischen zwei Orgeln: Eine auf der nur über eine Wendeltreppe erreichbaren Empore, die der Rollstuhlfahrer bisher nur unter großen Mühen auf Händen gehend erreichen konnte. Und eine, die bisher in der Notkirche stand - und jetzt in neuem Glanz, mit Subbasspfeifen und vor allem behindertengerecht umgebaut, daherkommt.

„Sie klang sehr dünn. Doch nun wurden die Pfeifen aufgemacht und neu intoniert. Zudem kann ich die Subbasspfeifen nun auch über die Tastatur ansteuern“, erläutert der Organist und ergänzt für Experten, dass die acht Fuß großen Pfeifen dank angebrachter Deckel nun klingen wie 16 Fuß große Pfeifen: „Das ist viel voluminöser. Der Bass ist das Fundament jeglicher Musik - und das hat bisher gefehlt.“

Das Projekt war quasi eine Koproduktion der Bundesagentur für Arbeit und der evangelischen Kirchengemeinde Stadtallendorf. „Es ist unsere gesetzliche Aufgabe, einen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass der Arbeitnehmer ihn nutzen kann“, erklärt Rolf-Werner Schmittdiel, Geschäftsstellenleiter der Bundesagentur für Arbeit in Stadtallendorf. Diese sorgte für den behindertengerechten Umbau des Instruments, nachdem die Kirchengemeinde die in der Notkirche selten genutzte Orgel gereinigt, instand gesetzt und erweitert hatte. Unter anderem verfügt sie nun über zwei neue Register sowie Koppelpedale, ist barrierefrei erreichbar und steht auf einem Podest mit Rollen, damit sie frei in der Kirche bewegbar ist. Die Gemeinde investierte rund 15000 Euro, die Arbeitsagentur steuerte 20000 Euro bei. „Ohne diesen Zuschuss hätten wir das nicht realisieren können“, stellt Pfarrer Thomas Peters heraus.

Auch eine Toilette ist neu

„Zunächst dachten wir über einen Aufzug zur Empore nach, dann über eine Verlegung des Orgeltischs nach unten - aber die Kosten lagen jeweils deutlich über 50000 Euro. Jetzt haben wir unserer Meinung nach eine sehr sinnvolle Lösung gefunden, die es Philip Schütz ­zukünftig ermöglicht, die Orgel ohne Probleme zu nutzen“, betont Schmittdiel und spricht Thomas Müller, dem technischen Berater der Bundesagentur, und Behindertenberater Thomas Gerlach großes Lob zur Umsetzung des Projektes aus.

Die Einweihung ist bereits erfolgt. Schütz‘ Fazit nach einer Kantate, die er gemeinsam mit einem befreundeten Organisten spielte: „Wir begleiteten im Wechsel den Gemeindegesang - und es hörte sich sehr gut an.“ Und so freut er sich über die Investition, die er als „nicht selbstverständlich“ bezeichnet - und die auch nicht die einzige war: Kirchengemeinde und Bundesagentur gestalteten zudem für rund 10000 Euro eine Toilette behindertengerecht um.

von Florian Lerchbacher

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