Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Mit der H0-Bahn zurück in die Kindheit

50 mit 50 Mit der H0-Bahn zurück in die Kindheit

Sie waren immer viele - die Männer und Frauen, die im Babyboomer-Jahr 1964 zur Welt kamen und damit zum geburtenstärksten Jahrgang der deutschen Geschichte gehören. Uwe Segendorf ist einer von ihnen.

Voriger Artikel
Das Herumgestochere hat ein Ende
Nächster Artikel
Vor der Scheune geht‘s los

Mit 10 Jahren bekam Uwe Segendorf von seinen Eltern eine Modell-Eisenbahn geschenkt, die auch heute noch funktionstüchtig ist. Unter dem Weihnachtsbaum spielte er bereits als 5-Jähriger den Schaffner (kleines Bild).Fotos: Katharina Kaufmann, Privat

Stadtallendorf. Einmal im Jahr wird Uwe Segendorf wieder zum Kind. Dann, wenn er gemeinsam mit seiner Tochter im Keller das Tuch von der Modelleisenbahn zieht. Dann, wenn die Loks mit H0-Spurbreite wieder durch die Modellbaulandschaft stampfen und die filigranen Waggons hinter sich her ziehen. Fast 40 Jahre sind Züge und Schienen alt. Segendorf selbst ist nur zehn Jahre älter.

„Ich habe die Eisenbahn gemeinsam mit meinem Bruder vor 40 Jahren von meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen“, erinnert sich der Stadtallendorfer. Er ist das mittlere von drei Kindern und kam im Dezember des Jahres 1964 zur Welt - dem Jahr, in dem in Deutschland mit 1,3 Millionen Kindern so viele wie nie wieder in Deutschland geboren wurden. Seine Kindheit hat der fast 50-Jährige genossen: „Schlecht ging es uns wirklich nicht damals. Wir waren nichts anderes gewohnt. Ich war gerne Kind“, sagt er mit Blick zurück. Man sei ganz ohne Handy ausgekommen und mit drei oder vier Fernsehprogrammen. „Es wurde auch viel weniger Auto gefahren, in Marburg ins Kino zu gehen war schon etwas ganz Besonderes“, ergänzt Segendorf, dessen Großeltern im Jahr 1944 mit einem Pferdegespann aus Ostpreußen geflüchtet und so in Stadtallendorf gelandet waren.

Weil seine Eltern mit der eigenen Firma - der Emil Segendorf GmbH & Co. KG - viel zu tun hatten, mussten sich die Geschwister Segendorf oft selbst beschäftigen. „Wir waren eigentlich immer draußen und mit Freunden unterwegs“, berichtet Uwe Segendorf: im Freibad, in den Wäldern und auch mal in den alten Allendorfer Bunkern.

Einer der Freunde nahm Uwe Segendorf eines Tages einfach mal mit zur Feuerwehr. Bis heute ist er den Kameraden dort treu geblieben. „Der Zusammenhalt bei der Feuerwehr war und ist sehr gut“, begründet der Stadtallendorfer diesen Schritt.

Mit vollem Elan widmet er sich den Einsätzen - egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, egal ob es um die Rettung einer Katze aus einem Baum oder um das Befreien eines schwer verletzten Unfallopfers geht. Mehr als 1000 Einsätze hat er in den vergangenen 30 Jahren geleistet und „dabei wirklich alles gesehen und erlebt“, wie er betont.

Dazu zählt auch der Katastrophenschutz. So war Segendorf sowohl im Sommer 2002 als auch im vergangenen Juni beim Elbe-Hochwasser in Ostdeutschland im Einsatz. „Während wir 2002 nur Nacharbeit in Dessau und Löbnitz gemacht haben, waren wir vergangenes Jahr in Dresden und Mühlberg richtig mit Deich absichern und Sandsäcke fühlen beauftragt“, schildert der Feuerwehrmann die Situation vor Ort: „Das war schon heikel. Wir sahen, wie Familien mit Kindern evakuiert wurden und ich wusste, wenn hier etwas schiefgeht, sind ganze Existenzen zerstört.“ Der Erfolg hinterher lasse dann auch die Schmerzen während der stundenlangen Arbeiten verblassen.

Auch wenn es ein Kinderfoto mit ihm als Schaffner gibt, einen Beruf als Eisenbahner wollte Segendorf nie einschlagen. „Es war irgendwie immer klar für mich, dass ich in den Familienbetrieb einsteige“, erklärt er. Nach der Ausbildung zum Speditionskaufmann ist es im Jahr 1988 so weit. Seit 2003 leitet er die Geschicke des Unternehmens als Geschäftsführer, gemeinsam mit seinem Bruder. Das mit der Eisenbahn sei mehr so ein kleines Hobby, verrät er. Eines, das ihn eben einmal im Jahr wieder zum Kind werden lässt.

von Katharina Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Katharina Kaufmann

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr