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Mit 50 Jahren zurück auf Null

OP-Serie Mit 50 Jahren zurück auf Null

Mit 50 Jahren noch einmal ganz von vorn anfangen - das will Dr. Stefan Piwecki: Gemeinsam mit einer Kollegin eröffnet er im Oktober eine eigene Praxis für Allgemein-medizin in Kirchhain.

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Mit Wasserball und Stethoskop: Sport und Medizin sind die beiden Dinge, die Dr. Stefan Piwecki aus Kirchhain faszinieren und fit halten.

Quelle: Katharina Kaufmann

Kirchhain. Herausforderungen sind genau sein Ding. „Ich hätte auch einfach so weitermachen können wie bisher“, sagt Dr. Stefan Piwecki. Doch das wollte der 50-Jährige nicht. Lieber stellt er sich einer neuen Herausforderung. „Mit 50 Jahren einen Job zu haben, in dem man noch einmal ganz von vorn anfangen kann, das ist ein Privileg“, betont der Kirchhainer. Und so eröffnet er am 1. Oktober gemeinsam mit Dr. Johanna Liebmann eine Arztpraxis in der Kirchhainer Hofackerstraße 17.

„Wir übernehmen keine bestehende Praxis, sondern fangen wirklich bei Null an“, erklärt Piwecki. Das bedeutet, dass alles, wirklich alles neu angeschafft werden muss: vom Bleistiftanspitzer bis zum Sonografiegerät - vom Personal bis zu den Patienten. Patienten hat Piwecki als Facharzt für Anästhesie und Allgemeinmedizin bisher immer in Krankenhäusern und Kliniken behandelt, nach dem Studium zuerst in Saarbrücken, dann in Wetzlar, Frankfurt und Alsfeld, zwischendurch in einer Arztpraxis in Neustadt und die vergangenen neun Jahre im Diakoniekrankenhaus in Wehrda.

Wasserball als Ausgleich

Nebenbei hat der Kirchhainer immer Wasserball gespielt. „Wenn ich Wasserball spiele, dann könnte die Halle über mir einstürzen, ich würde es wahrscheinlich nicht merken. Wenn ich spiele, dann gibt es kein Gestern und kein Morgen, sondern nur das Jetzt. Ich denke, jeder Mensch braucht etwas, dass ihn völlig einnimmt und dass ihn alles um sich herum vergessen lässt“, erklärt der gebürtige Darmstädter und beschreibt die Sportart als anstrengend, hart, körperbetont.

Egal, wo er gerade arbeitete, eine Wasserball-Mannschaft war schnell gefunden. Derzeit spielt er für Wetzlar. „Meine Mannschaftskameraden könnten auch meine Söhne sein“, witzelt er. Damit aufhören - das kann sich der Vater einer Tochter dennoch ebenso wenig vorstellen, wie die Medizin aufzugeben. Denn eben diese beiden Dinge sind es, die ihn sein Leben lang fasziniert haben: „Die Medizin war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt der 50-Jährige ohne zu zögern.

Passiert ist sie ihm fast im wortwörtlichen Sinne: Nach dem Abitur begann Piwecki nämlich erst einmal ein Jura-Studium. „Das habe ich nach drei Semestern aber aufgegeben, das war mir zu theoretisch.“ Um etwas Praktisches zu machen, begann er eine Ausbildung zum Krankenpfleger und Rettungsassistenten. „Aber ich hatte dabei so viele Fragen, die mir keiner beantworten konnte, dass ich nach dem Abschluss doch noch einmal mit dem Studieren begonnen habe. Und zwar Medizin“, fügt er hinzu.

Chirotherapie und Akupunktur

Neben seinen beiden Facharztausbildungen hat sich der 50-Jährige auch mit der Chirotherapie und der Akupunktur auseinander gesetzt. Beides wird er in der neuen Praxis gemeinsam mit seiner Kollegin als zusätzliche Leistung anbieten. „Wir wollen nicht nur reine Schulmedizin praktizieren, sondern bieten ein ganzheitliches Spektrum an“, erklärt Piwecki seine neuen Ziele. Er habe darüber hinaus den Anspruch, keine „Fünf-Minuten-Medizin zu machen“. Vielmehr wolle er sich Zeit nehmen für seine Patienten. „Am Anfang funktioniert das sicherlich sehr gut. Wahrscheinlich muss man sich seine anfänglichen Ideale später wieder vor Augen halten, um dorthin zurückkehren zu können“, ergänzt er. Flexibel bleiben laute das Stichwort - das gelte auch für Ärzte und ihre Praxen.

Alt fühlt sich der Kirchhainer Dr. Stefan Piwecki mit seinen 50 Jahren kein bisschen: „Man denkt zwar ständig, die Studenten werden immer jünger, allerdings wird man selbst immer älter“, hat der Mediziner festgestellt. Für neue Herausforderungen, Ziele oder Träume sei man allerdings nie zu alt: „Man muss nur den Mut haben, sich der Herausforderung zu stellen, und man muss die Probleme, die dabei auftauchen können, mit Freude lösen wollen.“

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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