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Mit 1,78 Promille zur Nachtschicht

Autofahrer kam nicht weit Mit 1,78 Promille zur Nachtschicht

Der Autofahrer kam am 7. Mai um 2013 auf dem Parkplatz einer Gaststätte nur fünf Meter weit - dann krachte es. Er rammte um 21.35 Uhr mit seinem Auto einen BMW.

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Kirchhain. Es wäre bei einem ärgerlichen Blechschaden geblieben, wenn der 51-jährige Fahrer seine Fahrt zur Nachtschicht nicht einfach fortgesetzt hätte - mit sieben bis acht Weizenbier im warmen Bauch und 1,78 Promille im Blut. Wenig später stoppte eine Polizeistreife die Fahrt des stark alkoholisierten Unfallflüchtigen. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Falles erfolgte jetzt vor dem Amtsgericht Kirchhain, das unter Vorsitz von Joachim Filmer tagte.

Der im Ostkreis lebende Angeklagte zeigte sich reumütig und geständig. Acht Weizenbier solle er laut Aussage der Bedienung getrunken haben. Er habe sich dennoch fahrtüchtig gefühlt, sagte der verheiratete Arbeiter, der sein Netto-Einkommen mit 2500 Euro angab. „Den Schlag habe ich nicht so stark gespürt. Ich dachte, ich wäre gegen einen Pfosten gestoßen. Ich war spät dran, ich musste zur Nachtschicht“, erläuterte der Angeklagte, warum er nicht ausgestiegen war, um den Schaden zu begutachten.

Richter Joachim Filmer zeigte sich ob der hohen Alkoholkonzentration verwundert: „Mit 1,78 Promille kann ein ungeübter Trinker noch nicht einmal in ein Auto steigen. Und Sie wollten mit diesem Promillewert noch eine ganze Nachtschicht durchstehen und an Maschinen arbeiten“, konstatierte der Richter und schob die bei diesem Wert obligatorische Frage nach einer etwaigen Alkoholkrankheit des Angeklagten nach. Dieser verneinte das. Seit dem Vorfall vom Mai habe er keinen Alkohol mehr getrunken.

Das Gericht verurteilte den nicht vorbestraften Mann wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, vorsätzlicher Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe in in Höhe von 45 Tagessätzen à 50 Euro und folgte damit weitgehend den Anträgen der Anklagevertreterin. Zugleich ordnete das Gericht an, dass die Führerscheinstelle den eingezogenen Führerschein nicht vor dem Ablauf von neun weiteren Monaten erteilen darf.

Im Augenblick des Unfalls hätte den Angeklagten die eigene Fahruntüchtigkeit bewusst gewesen sein müssen. Mit der Weiterfahrt habe er sofort zwei weitere Straftaten begangen, erklärte Joachim Filmer, der die anstehende medizinisch-psychologische Untersuchung als größte Hürde zur Wiedererlangung des Führerscheins ansah. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Matthias Mayer

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