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Misstrauen und kleine Gehässigkeiten

Amöneburg Misstrauen und kleine Gehässigkeiten

Außer Spesen nichts gewesen: Ohne dass auch nur eine Minute in der Sache verhandelt worden wäre, wurde gestern vor dem Marburger Landgericht der Prozess gegen einen Amöneburger vertagt.

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Der Ausriss zeigt auszugsweise ein Urteil des Kirchhainer Amtsgerichts. Der Angeklagte dokumentiert dieses zu seinen Gunsten ausgefallene Urteil auf seiner Homepage.

Quelle: Patrik Naumann

Amöneburg. Der 60-Jährige saß in einem Berufungsverfahren auf der Anklagebank. Er war am 15. Juni 2010 vom Amtsgericht Kirchhain zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen à 15 Euro wegen Beleidigung und Verstoßes gegen Datenschutzbestimmungen verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt.

Der Hintergrund des Tatvorwurfs liegt weit zurück. Seit vielen Jahren lebt der Amöneburger in Unfrieden mit einigen seiner Mitbürger und mit Teilen der Justiz. Er fühlt sich von Mitbürgern verfolgt, bedroht, schikaniert und beleidigt, klagt in seiner Umgebung unter anderem frevelhafte Taten gegen Flora und Fauna, Antisemitismus und faschistisches Gedankengut an.

Gleichzeitig teilt der hoch qualifizierte ehemalige Hochschullehrer auch aus. So findet sich auf seiner Homepage der Satz: “Den Vergleich zwischen Polizeibeamten und Bullen lehne ich ab, und zwar aus tierrechtlichen Gründen.“

Die straf- und zivilrechtliche Aufarbeitung der verbalen und schriftlichen Auseinandersetzung des promovierten und habilitierten Naturwissenschaftlers mit Teilen seiner Umwelt beschäftigt seit mehr als einem Jahrzehnt die Justiz. Oft genug fühlte sich der Angeklagte von Strafverfolgungsbehörden und von Gerichten nicht gerecht behandelt. Das zog Beschwerden, Eingaben und Anzeigen nach sich – von seiten des Amöneburgers gegen Justiz und Polizei und von Seiten der Justiz und der Polizei gegen den Amöneburger.

Die subjektiven Protokolle der Vorfälle und Verfahren lassen sich in seitenlange Konvoluten auf der Homepage des Angeklagten nachlesen. Weil er dort auch personenbezogene und schützenswerte Daten veröffentlicht hatte, war er vom Amtsgericht Kirchhain verurteilt worden.

Das unter Vorsitz von Dr. Carsten Paul tagende Gericht kam gestern noch nicht einmal dazu, den Sachverhalt aus dem Kirchhainer Urteil zu verlesen, da hatte der Angeklagte die Hauptverhandlung bereits mit einem Befangenheitsantrag gestoppt.

von Matthias Mayer

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