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Missgeschick mit Folgen

Gericht Missgeschick mit Folgen

Am 6. Dezember 2012 brachte der Fahrer eines Krankentransportunternehmens eine Patientin aus dem Marburger Klinikum nach Kirchhain. Die Routinefahrt endete mit einem Unfall.

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Ohne Urteil endete die Verhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht.
Foto Matthias Mayer

Kirchhain. Beim Entladen der schwer erkrankten Patientin kippte diese aus dem Rollstuhl und brach sich beide Sprunggelenke. Das diagnostizierte eine Ärztin noch am gleichem Tag. Vor dem Amtsgericht Kirchhain wurde jetzt unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug um Schmerzensgeld und Entschädigung gerungen. Der Richter vertagte den Zivilprozess, weil dem Gericht keine ärztlichen Unterlagen über den aktuellen Gesundheitszustand der Frau vorlagen.

Edgar Krug fasste die Fakten zusammen, sprach vom atypischen Verlauf eines Krankentransports. Die Rollstuhlfahrerin sei beim Entladen aus dem Transportfahrzeug offenbar nicht gesichert gewesen. Sonst hätte sie nicht aus dem Rollstuhl kippen können. Eine Pflichtverletzung des Fahrers sei damit offensichtlich, erklärte Krug und wertete dies als Anscheinsbeweis.

Der Richter hielt ferner fest, dass das beklagte Krankentransportunternehmen einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und den beiden gebrochenen Sprunggelenken bestreite. Wenn aber am Tag des Unfalls zwei frische Frakturen fachärztlich diagnostiziert würden, gebe es an diesem Zusammenhang keine ernsthaften Zweifel. „Bei lebensnaher Betrachtungsweise kommen wir zur Erkenntnis, dass dem Fahrer ein Missgeschick mit gravierenden Folgen passiert ist“, fasste der Richter die Dinge zusammen, und lenkte die Verhandlung auf die Höhe des zu erwartenden Schmerzensgeldes. Dass die Klägerin auf dieses einen Anspruch habe, ließ Krug sehr deutlich durchblicken.

Verbände statt Gips

Der Anwalt der Klägerin verwies auf den langwierigen Heilungsverlauf seiner Mandantin. Weil die nahezu bewegungsunfähige Frau mehrmals täglich im Bett gedreht werden müsse und zudem zu Krampfanfällen neige, sei darauf verzichtet worden, ihre Füße einzugipsen oder mit Kunststoff-Schienen zu stabilisieren. Seine Mandantin werde mit Voltaren-Verbänden therapiert und erleide noch immer Schmerzen, verteidigte der Anwalt seine Schmerzensgeld-Forderung. Ein Angehöriger des Opfers erklärte zudem, dass die Frau vor dem Unfall mit Hilfestellung noch habe stehen können. Das sei jetzt nicht mehr möglich.

Der Richter machte deutlich, dass Schadenersatzansprüche wegen bleibender Folgeschäden sich nur über kostspielige Gutachten durchsetzen ließen. Der Anwalt der Klägerin erklärte, dass er den zweiten Teil der Klage fallen lasse werde - wenn sich beim Schmerzensgeld beide Parteien auf eine bestimmte Summe einigen könnten. „Mit 2000 Euro wären sie gut dabei“, warf Krug eine denkbare Hausnummer in die Runde.

Da auch Rechtsanwalt Swen Friauf für das beklagte Unternehmen die Bereitschaft zu einer außergerichtlichen Einigung signalisierte, machte Edgar Krug an dieser Stelle das Buch zu.

Bis zum 20. Juni soll dem Gericht und den Parteien ein ärztliches Gutachten über den aktuellen Heilungsprozess der Patientin als eine Entscheidungsgrundlage vorliegen. Sollten sich beide Parteien nicht außergerichtlich vergleichen, wird das Gericht seine Entscheidung am 11. Juli um 9 Uhr im Saal 116 verkünden.

von Matthias Mayer

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