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Mischung beeindruckt die Besucher

Nacht der Keller Mischung beeindruckt die Besucher

Zur dritten Nacht der Keller tauchten hunderte Besucher in den Amöneburger Untergrund ein und gingen auf Entdeckertour durch Gewölbekeller.Erstmals gab‘s auch über der Erde vielfältige Programmpunkte.

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Im Rathauskeller begeisterten die „Wunderschön tanzenden Mädchen – Zasihall Majamalla“ mit fliegenden Kostümen und orientalischem Bauchtanz. Am Hainerturm lauschten die Besucher der Märchenerzählerin Karin Kirchhain. Fotos: Waldhüter

Amöneburg. Das Wetter zeigte sich am Samstagabend von seiner herbstlichen Seite. Während draußen die dicke Jacke und der Regenschirm benötigt wurden, herrschten in den historischen Gewölbekellern angenehme Temperaturen. Ein heftiger Schauer hatte kurz vor dem offiziellen Auftakt die eigens aufgestellten Tische und Bänke auf dem Marktplatz klatschnass geregnet. Helfer vom Kulturspektakel-Verein, der das Ereignis gemeinsam mit der Stadt Amöneburg veranstaltete, sorgten in Windeseile für trockene Sitzgelegenheiten.

Neben den gastronomischen Betrieben in der Altstadt hatte auch die Veranstalter-Gemeinschaft für Tische und Bänke sowie gastronomische Angebote gesorgt. Und zum ersten Mal spielte auf dem Marktplatz mit der Gruppe „Lebendig“ eine Live-Band auf.

Vier Stunden lang hatten die Besucher Zeit, 15 ober- und unterirdisch gelegene „Kulturspektakel“ zu erkunden. Von Tanz und Live-Musik über Lesungen, Märchengeschichten und eine Kunstausstellung bot das abwechslungsreiche Programm viele Höhepunkte und bleibende Eindrücken. Angefangen bei Märchenerzählerin Karin Kirchhain, die aus mehreren Metern Höhe ihre Geschichten vom Hainerturm herab erzählte, wobei die Lichter der umgebenden Dörfer in der dunklen Nacht entlang des Mauerrundweges ein stimmungsvolles Panorama erzeugten. An der evangelischen Kapelle vorbei erreichten die Besucher den nächsten Veranstaltungsort, das Burg-Café. Hier gab Emilia Blumenberg unter dem Titel „Elvis and a Woman“ ein Konzert. „King Elvis“ begegnete man an diesem Abend ein zweites Mal; als Eingangskontrolleur vor dem Eingang zum Gewölbekeller des Restaurants Dombäcker.

Im Schlossturm lud Dieter Gensler die Besucher dazu ein, barfuß in klingende Klangschalen zu steigen. In besonderer Erinnerung bleibt sicherlich auch Mohammad Altaweel. Im Bürgerstubenkeller, der zum ersten Mal seine Kellertüren geöffnet hatte, trug er das bewegende syrische Gedicht „Verlorene Kindheit“ vor. „Welche Kindheit ist das, die inmitten von Zerstörung aufwächst und mit dem Anblick von Leichenteilen beginnt?“, fragt er in arabischer und anschließend deutscher Sprache. Bereitwillig erzählt der Neu-Marburger wie er in Homs Maschinenbau studierte und gemeinsam mit seinem kriegsverletzten blinden Bruder 2013 nach Deutschland kam.

Die ergreifende Geschichte wirkte auch beim Publikum nach. „Wenn man das Gedicht hört, werden andere Dinge ganz klein“, fand Erika Schellenberg.

Eine Kellerbühne an diesem Abend unter das aktuelle Thema Krieg und Flucht zu stellen, kam bei vielen Besuchern gut an: „Die Veranstaltung ist großartig. Dass man sich so selbstbestimmt bewegen kann, gefällt mir“, berichtet Mechtild Menzel, während die Berlinerin in dem umgebauten Rinderstall die von der Galerie Schmalfuß ausgeliehenen Kunstwerke betrachtete.

Oliver Czranetta und Wolfgang Stiller zeigten aus unterschiedlichen Materialien und Acrylharz real existierenden Personen nachempfundene Köpfe, die in dem urigen ehemaligen Stall der Untergasse 13 ihre besondere Wirkung entfalten konnten. Besucherin Marianne Kaul hatte schon befürchtet, dass aufgrund des Wetters wohl nicht so viel los sei. „Doch die Stimmung ist noch viel schöner“, erzählt sie begeistert.

Besonders beliebt bei den Besuchern war der Bierbraukeller in „Lotzes“ altem Braukeller. Bierbrauer Jochen Opitz schenkte hier sein starkgehopftes „India Pale Ale“ aus.

„Der Ort zeigt seine Stärke, überall herrscht Betrieb und die Leute sind zufrieden“, erklärte Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg. Auch wenn nicht ganz so viele Besucher gekommen waren wie im Vorjahr, bildete die Nacht der Keller den stimmungsvolle Höhepunkt des nun zu Ende gegangenen Amöneburger Kulturspektakels.

von Karin Waldhüter

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