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Mia wünscht sich einen Beschützer

Spendenaktion Mia wünscht sich einen Beschützer

Als Diabetiker-Warnhund könnte der Australian Shepherd Melody die neun Jahre alte Mia-Sophie stets begleiten. "Dann hätte meine Krankheit wenigstens etwas Gutes", sagt das Mädchen.

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Ersetzen kann Melody die Medikamente zwar nicht. Der Hund könnte Mia-Sophie nach einer Ausbildung jedoch warnen, falls es zur Über- oder Unterzuckerung kommt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Mia-Sophie Ziemer ist ein fröhliches, aufgewecktes und neugieriges Mädchen. Doch eines fehlt: die Unbekümmertheit. Für eine Neunjährige wirkt sie erstaunlich erwachsen.

Schuld daran ist eine schwere Krankheit, die im Alter von anderthalb Jahren ausbrach: Das Mädchen leidet an Diabetes Typ 1 und muss mit massiven Einschränkungen leben. Einfach etwas naschen, kommt für sie nicht in Frage. Sogar Toben mit anderen Kindern kann gefährlich werden. Ständig muss sie ihren Blutzuckerspiegel im Blick behalten - und der kann auf verschiedenste Art beeinflusst werden. Fakt ist: Die Angst sitzt ihr und ihren Eltern stets im Nacken. Und das seit dem Tag, als ein Arzt die Familie von der Erkrankung unterrichtete.

„Seit diesem Tag ist nichts mehr, wie es war“, sagt Simone Ziemer. Plötzlich musste sie bei ihrem Kleinkind regelmäßig den Blutzucker messen und Insulin spritzen. Zudem hieß es für die Familie, sich mit einer Ernährungsberatung auseinanderzusetzen, sich genauestens über Essen und seine Bestandteile zu informieren und den Speiseplan anzupassen.

"Ich hasse diesen blöden Diabetes"

Seit dem Jahr 2008 trägt Mia eine Insulinpumpe. Zwar muss sie sich seitdem nicht mehr fünfmal täglich Insulin spritzen, denn dies erledigt die Pumpe automatisch. Weiterhin gilt jedoch, vor jedem Essen den Blutzucker zu messen. Doch nicht nur die Nahrung beeinflusst den Wert: Auch Aufregung, Stress und Ärger treiben ihn nach oben. „Wir leben ständig in Sorge, sie könnte einfach umkippen und im schlimmsten Fall ins Koma fallen. Eine kleine Unachtsamkeit kann schwere Folgen haben“, berichtet ihre Mutter. Geht ihre Tochter zu Freunden, bleibt Simone Ziemer ständig in Kontakt mit deren Eltern, tauscht sich aus und gibt ihnen Tipps zum Umgang mit der Krankheit: „Ist doch klar: Die meisten kennen sich damit nicht aus und haben dann Angst, etwas falsch zu machen. Auch das schränkt ein.“

„Ich hasse diesen blöden Diabetes“, ärgert sich Mia über die ganzen Hindernisse, die ihr die Krankheit in den Weg legt. Etwas jedoch macht ihr Hoffnung: die zehn Monate alte Melody.

Der Australian Shepherd lebt seit einigen Wochen bei der fünfköpfigen Familie - und wäre laut Simone Ziemer bestens als Diabetiker-Warnhund geeignet. Melody genoss im Hundezentrum MKK bereits eine Grundausbildung und gehorcht auf Grundbefehle wie „Platz“, „Sitz“ oder „Bei Fuß“. Eine spezielle Ausbildung könnte dafür sorgen, dass sie die Symptome einer Unter- oder Überzuckerung am Geruch ihres Frauchens erkennt. „Diabetiker-Warnhunde sind speziell auf den Geruch des Erkrankten trainiert und erkennen eine Bedrohung bereits, bevor es der Diabetiker selbst merkt“, erläutert Mutter Ziemer. Stellt das Tier eine Veränderung fest, schlägt es an - manche bringen aber auch das Messgerät oder drücken einen Alarmknopf.

Diabeteshunde riechen Veränderungen im Blutzucker

Die Meinungen über Diabetiker-Warnhunde gehen indes auseinander. Es gibt Zweifler, die nicht an die Tiere glauben und darauf verweisen, dass es keine wissenschaftlichen Studien zum Thema gibt. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter. „Der Erfolg mit den Hunden gibt uns Recht“, sagt Kerstin Köckert vom Hundezentrum im MKK und betont: „Das ist kein Hokuspokus und auch kein Hexenwerk. Wir trainieren mit ihnen und die Tiere riechen die Veränderungen. Sie haben einen feinen Geruchssinn. Ob sie nun Drogen oder Sprengstoff aufspüren oder eine Überzuckerung erschnüffeln sollen - das macht keinen Unterschied.“

Ähnlich sieht das Dr. Markus Eidenmüller, der in Stadtallendorf und Marburg als Diabetologe praktiziert. Er glaube an Diabetiker-Warnhunde, da die Tiere einen extrem guten Geruchssinn und ein gutes Gespür hätten. „Ich halte sie für absolut sinnvoll - vor allem bei Kindern.“

Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht

„So hätte die Krankheit wenigstens etwas Gutes“, wirft Mia ein - die sich schon seit Jahren einen Hund wünscht. Und zwar am besten einen, der sie stets begleitet. Als Diabetiker-Warnhund könnte Melody dies tun - und das Mädchen auch noch beschützen.

Problem ist nur: Die Ziemers können sich die rund 15000 Euro teure Ausbildung des Hundes nicht leisten - und auch die Krankenkasse übernimmt diese Kosten nicht. Aus diesem Grund sucht die Familie nun nach Spendern. Die VR Bank Hessenland hat 500 Euro zur Verfügung gestellt, vom Rotary Club Alsfeld gab es gar 2400 Euro. Genug, um mit der Ausbildung zumindest anzufangen - aber nicht ausreichend, um sie zu Ende zu bringen. Der Verein „Sozialdienst Katholischer Frauen“ vom Fachverband im Deutschen Caritasverband, bei dem Simone Ziemer tätig ist, hat daher eine Spendenaktion initiiert.

Weitere Informationen gibt es bei Facebook unter den Schlagwörtern Mia und Melody sowie per E-Mail an simonesmailbox@aol.com (Simone Ziemer).

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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