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Mengsberger setzen auf die Sonne

Solarthermie Mengsberger setzen auf die Sonne

Am Projekt Bioenergiedorf arbeitet das 46-köpfige Vorbereitungsteam seit zwei Jahren. Jetzt ist klar, welchen Weg das "Golddorf" einschlägt: Ein 10 000 Quadratmeter großer Solarthermie-Park ist geplant.

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Diese Solarthermie-Zellen stehen an einer Gasdruckregelanlage in Großseelheim.

Quelle: Matthias Mayer

Mengsberg. Die Sonne soll es richten und Mengsberg in nicht allzu ferner Zukunft als Energie- und Wärmequelle dienen. Dafür soll ein rund 10000 Quadratmeter großer Solarthermie-Park entstehen. Darauf hat sich das Vorbereitungsteam gemeinsam mit dem planenden Ingenieurbüro Viessmann festgelegt. Ortsvorsteher Karlheinz Kurz verkündet stolz: „Damit sind wir bundesweiter Vorreiter.“ In Hessen steht der aktuell größte Solarthermie-Park derzeit in Großseelheim, eine Anlage mit 355 Quadratmetern Solarthermie-Kollektorfeld an einer Gasdruckregelanlage.

Lange hat man in Mengsberg darüber nachgedacht, ob sich der Bau einer Biogasanlage realisieren ließe. Alternativ war eine groß dimensionierte Holzhackschnitzel-Anlage in der Diskussion (diese Zeitung berichtete mehrfach). Doch bei den Biogasanlagen-Plänen hätte es auch klare Signale von einigen Anschlusswilligen gegeben, sagt Kurz. „Sie haben klargemacht, dass sie bei einer Biogasanlage als Wärmequelle nicht mitmachen“, so der Ortsvorsteher.

Eine geeignete Fläche für den Solarthermie-Park ist schon gefunden. Sie liegt im Gebiet „Am Berg“ und gehört derzeit zwei Privatbesitzern wie auch der Kirchengemeinde. „Wir sind schon in Verhandlungen“, sagt Kurz. Das Grundstück hätte Südlage, der Solarthermie-Park ließe sich bei Bedarf dort auch erweitern.

Das Unternehmen Viessmann, das auch als Generalunternehmer für den Bau des gesamten Mengsberger Nahwärmenetzes Favorit ist, bestätigte am Freitag auf OP-Anfrage, das es sich bei dem in Mengsberg geplanten Solarthermie-Parks um das bisher größte Projekt dieser Art in der Republik handeln wird. Eine vergleichbar große Anlage hat das Unternehmen in der Nähe von Poitiers in Frankreich errichtet. Dort versorgt der Park eine Molkerei mit Energie. „Mengsberg wird schon ein Vorzeigeprojekt, wenn alle Planungen so verwirklicht werden“, sagt Michael Wagner von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei Viessmann.

Eine Holzhackschnitzel-Anlage wird es trotzdem geben. Sie übernimmt die zusätz­liche Wärmelieferung bei Bedarf oder wenn die Energie der Sonne nicht ausreicht. Statistisch gesehen, so Kurz, werde die Sonne während der vier Sommermonate immer ausreichend Energie liefern. Und auch im Winter wird das „Licht von oben“ die Haupt-Wärmequelle sein können. Auch davon sind die Mengsberger Vorbereiter und die Planer überzeugt.

Noch in einem weiteren Punkt wollen die Mengsberger bei ihrem Nahwärmenetz andere Wege einschlagen: Für den Fall der Fälle, also beispielsweise bei hohen Minusgraden im Winter, ist ein „Spitzenlastkessel“ erforderlich. Er wird in der Regel mit Heizöl befeuert. „Wir wollen auf Rapsöl setzen, weil wir von fossilen Brennstoffen ganz weg wollen“, sagt Kurz. Das Öl für die Anlage soll in Mengsberg entstehen. Die Presse dafür soll die noch zu gründende Nahwärmegenossenschaft selbst anschaffen, die Pflanzen werden bei heimischen Landwirten gekauft.

Auch bei den Holzhackschnitzeln soll der Bedarf so weit wie möglich vor Ort gedeckt werden. So soll entsprechend geeignetes Schnittgut von Bäumen und Sträuchern an der Anlage direkt gehäckselt und verwertet werden. Karlheinz Kurz hofft, dass in diesem Jahr noch alle Verträge unter Dach und Fach gebracht werden können. Zunächst soll aber die Genossenschaft gegründet werden, möglichst bis Anfang Oktober. Der Satzungsentwurf liegt derzeit zur Prüfung beim Genossenschaftsverband. Über Preise und Konditionen möchte sich Kurz zum aktuellen Zeitpunkt nicht äußern - die Zahlen können sich noch verändern. Fakt ist, dass die Planer bei Viessmann davon ausgehen, dass sich das Projekt wirtschaftlich realisieren lässt. Dabei profitieren die Mengsberger auch von einem möglichen 40-prozentigen Zuschuss, den es speziell für den Solarthermie-Park geben wird. „Das war ein weiteres Argument für unsere Entscheidung, dieses Geld wollen wir uns nicht entgehen lassen“, betont der Ortsvorsteher im Gespräch mit der OP. Er erwartet für den Park eine Investition im niedrigen siebenstelligen Bereich.

Anschlusswillige gibt es genügend: 154 Absichtserklärungen von Mengsbergern liegen bereits vor. Doch Kurz geht davon aus, dass sich die Zahl noch auf bis zu 200 steigern lässt. Geplant ist ein 9,8 Kilometer langes Nahwärmenetz. Von der Stadt Neustadt ist bereits Rückendeckung signalisiert worden.

Auch Mengsberg wird nicht ohne städtische Bürgschaft zu tragbaren Finanzierungskonditionen gelangen können, wie andere Nahwärmegenossenschaften eben auch. Und wann könnten die ersten Haushalte im Ort angeschlossen werden? Optimist Karlheinz Kurz geht derzeit davon aus, dass das bis zum Winter 2015/216 geschafft ist. Bis es so weit ist, muss noch viel Arbeit erledigt werden. Das Vorbereitungsteam hat sich die Aufgaben inzwischen aufgeteilt, um sie bewältigen zu können.

von Michael Rinde

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