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Mengsberg schrammt am Titel vorbei

Europäischer Dorferneuerungspreis Mengsberg schrammt am Titel vorbei

Ungewohntes Bild im Golddorf: Mengsberg hat beim europäischen Dorferneuerungswettbewerb den Sieg verpasst. Von Enttäuschung war jedoch nichts zu spüren - das Dorf ist stolz auf das Geleistete.

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In Mengsberg gibt es wieder Grund zu feiern – so wie beim Besuch der Jury des Europäischen Dorferneuerungspreises: Das Dorf landete auf Rang zwei. Platz eins (kleines Bild) belegt Tihany in Ungarn.Fotos: Lerchbacher, privat

Mengsberg. „Schade.“ Das ist die erste Reaktion von Karlheinz Kurz, als er erfährt, dass es für Mengsberg diesmal nicht zu Platz eins gereicht hat. Wohl aber, mit elf weiteren Orten, zu Platz zwei - und das macht den Ortsvorsteher des Neustädter Stadtteils mächtig stolz. „Wir sind Vize-Europameister“, lautet sein zweiter Kommentar.

Platz eins geht erstmals in der Geschichte des europäischen Dorferneuerungspreises nach Ungarn, genauer gesagt in die Gemeinde Tihany, Bezirk Veszprém. „Tihany beeindruckt mit einem beispielhaften, von den Gemeindeverantwortlichen initiierten, den BürgerInnen getragenen und von ExpertInnen begleiteten Entwicklungsprozess, der auf den vorhandenen Stärken und Chancen aufbaut und von einem umfassenden Problembewusstsein zeugt. Die zahlreichen bereits realisierten und projektierten Maßnahmen haben dazu geführt, dass das Wettbewerbsmotto ,besser.leben’ in Tihany Realität geworden ist“, heißt es in dem Urteil der Jury über den rund 1300 Einwohner zählenden Ort auf der gleichnamigen Halbinsel am nördlichen Ufer des Balatons.

Mengsberg, das auf Wunsch des Landes Hessen in dem Wettbewerb an den Start ging, hat es in die höchste Kategorie geschafft, die laut Europäischer ARGE Landentwicklung „jene Teilnehmer umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen“. In diese Kategorie schafften es noch die Calmont-Region und Ringelai (beide Deutschland), Château-d‘Oex (Schweiz), De Réidener Kanton (Luxemburg), Gogolin (Polen), Jeseník nad Odrou (Tschechien), Kals am Großglockner, Langau und Moosburg (Österreich), Malé Dvorníky (Slowakei) sowie Mals (Italien).

„Mengsberg zeichnet sich durch besonderes Engagement der Bevölkerung aus“, lobt die Jury und freut sich über ein „innovatives Konzept“ und eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung. Das Dorf verfüge über „alle Infrastrukturen, die eine Gemeinde und ihre BürgerInnen brauchen, um ,besser leben‘ zu können.“ Die Mengsberger legten viel Wert auf die Sensibilisierung der Menschen hinsichtlich Natur-­ und Landschaftsschutz und hätten gute Ideen umgesetzt.„Durch die Eigeninitiative der Bevölkerung sei Mengsberg ein Ort, an dem der Zusammenhalt spürbar ist und Qualität sichtbar werde. Auffallend gut funktioniere das Miteinander von Jung und Alt. Die Konzepte in Sachen Energie bezeichnete die Jury als „herausragend“.

29 Orte aus 12 Ländern nahmen an dem Wettbewerb teil. Mengsberg habe im deutschen Wettbewerb außergewöhnliche Erfolge gefeiert, lobte Neustadts Bürgermeister Thomas Groll und freute sich, dass die Teilnahme am „Europapokal“ das I-Tüpfelchen gewesen sei. Und dass die Bürger auch die Jury mächtig beeindruckt hätten, sei am Urteil der drei Mitglieder erkennbar gewesen, die Anfang Juni das Dorf besucht hatten (die OP berichtete).

Eine ähnliche Meinung vertritt der Ortsvorsteher: Es wäre vermessen gewesen, ob der starken Konkurrenz den Sieg zu erwarten - wobei träumen natürlich erlaubt war. Schon den 29. Platz hätte er als Anerkennung von hohem Wert bezeichnet: „Mit elf anderen Orten auf Rang zwei einzulaufen, das haut mich schon aus den Schuhen. Ich bin überglücklich.“

Bleibt zu hoffen, dass Kurz die Schuhe wieder anbekommt, denn heute um 18 Uhr wollen die Mengsberger Rang zwei feiern: zunächst mit einem Dankgottesdienst in der Kirche, dann mit einem Fest auf dem Kirchplatz.

Bürgermeister Groll denkt indes schon einen Schritt weiter: Der Stadtteil werde Bioenergiedorf und - so hofft er - mit Neustadt in die Dorferneuerung aufgenommen: „Mengsberg hat gezeigt, wie gut es ist - darauf werden wir aufbauen.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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