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"Mein Lebensinhalt sind die Kinder"

OP-Serie "50 mit 50" (Teil 23) "Mein Lebensinhalt sind die Kinder"

Kinder sind für Doris Martin gleichbedeutend mit Leben. Und weil die eigenen vier mittlerweile erwachsen sind, engagiert sich die Emsdorferin in der Jugendpflege und in der Förderung Behinderter.

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Auszeit in Australien: Für fünf Monate reiste die 50-Jährige Doris Martin aus Emsdorf in diesem Jahr gemeinsam mit ihrem Mann und ganz ohne Kinder quer durch den fünften Kontinent. Aber auch das war ihr teilweise zu still: „Wir haben unterwegs eine sehr nette britische Familie kennengelernt, deren Kinder mir sehr ans Herz gewachsen sind“, berichtet Martin.

Quelle: Privatfoto

Emsdorf. Doris Martin braucht Leben im Haus. Wenn sie allein ist, schaltet sie Musik ein. Im Radio läuft dann hr4. Volksmusik ist ihr Balsam für die Seele, ihr Sauerstoff zum Leben, wie sie selbst sagt. Ihr Lebensinhalt sind Kinder.

Vier Jungen und Mädchen hat die 50-Jährige aus dem Kirchhainer Stadtteil Emsdorf gemeinsam mit ihrem Mann groß gezogen. Und nicht nur diese: Insgesamt 13 Austauschschülern aus aller Welt hat sie jeweils für mehrere Monate ein Heim und eine Ersatzfamilie geboten. Seit aber die Kinder alle aus dem Haus sind, kümmert sie sich um die Jungen und Mädchen anderer Eltern - größtenteils ehrenamtlich oder nur für kleines Geld.

Eigentlich wollte sie nur noch Bücher lesen

„Wenn Kinder lächeln, ist das das Schönste im Leben und das beste Honorar für meine Arbeit“, erklärt Martin. Dafür schränkt sie auch gerne die eigene Freizeit ein: „Mit 40 Jahren hatte ich mir eigentlich vorgenommen, nur noch Bücher zu lesen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Das habe ich aber nicht ausgehalten.“ Und so engagiert sich Martin in der Jugendpflege in Rauschenberg und Stadtallendorf, in der Nachmittagsbetreuung der Alfred-Wegener-Schule Kirchhain und beim Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen (fib).

Ihr Terminplan ist gut gefüllt: Montags steht beispielsweise von 8 bis 11 Uhr der fib auf der Tagesordnung. Von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr betreut Martin eine weitere Gruppe des fib, von 16 bis 18 Uhr ist sie für die Jugendpflege Rauschenberg aktiv und in der Nacht zu Dienstag übernachtet sie häufig in einer betreuten Wohngemeinschaft des fib in Marburg. Dienstags und donnerstags stehen die Koch- und die Kreativ-AG in der Nachmittagsbetreuung der Alfred-Wegener-Schule im Kalender, mittwochs und freitags noch einmal der fib.

„Eigentlich bräuchte ich zwischen Freitag und Samstag noch einen Tag extra, so voll ist meine Woche“, sagt die 50-Jährige. Mit einigen behinderten Kindern geht Martin regelmäßig schwimmen und hat dafür extra einen Kurs zur Schwimmbetreuung absolviert.

„In meinem früheren Leben muss ich ein Fisch gewesen sein. Denn Wasser ist mein Element - schon seit jeher“, sagt sie und strahlt. Geboren ist Doris Martin in Emsdorf. Groß geworden ist sie dort auch. Gemeinsam mit zwei Brüdern, der eine nur ein paar Monate älter, der andere ihr Zwilling. „Wir waren eine Bundeswehrfamilie, denn mein Vater war Berufssoldat und meine Mutter hat in der Bundeswehrkantine gearbeitet“, berichtet sie. Schon immer habe sie der Mutter daher im Haushalt geholfen. „Wahrscheinlich rühren daher auch meine Kochkünste“, ergänzt die 50-Jährige.

Im Altersheim in Wetter macht sie nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin, anschließend arbeitet sie in verschiedenen Restaurants, bevor sie beim Studentenwerk Marburg und in der Mensa auf den Lahnbergen eine Anstellung findet.

22 Jahre lang als Hausfrau das Familienleben organisiert

Nach der Hochzeit zieht Martin mit ihrem Mann nach Rauschenberg - ins Haus der Schwiegereltern. „Dort haben wir lange gewohnt. Aber irgendwann war es für uns und die vier Kinder zu eng“, erinnert sich die 50-Jährige. Deshalb ging es zurück nach Emsdorf. Dort war reichlich Platz und Spielfläche vorhanden.

„22 Jahre lang hab ich als Hausfrau unser Leben organisiert und war für die Kinder da. Nebenbei habe ich, um das Einkommen aufzubessern, bei anderen Leuten geputzt oder Senioren im Haushalt geholfen“ sagt Martin: „Mein Lebensinhalt waren und sind Kinder.“

Und weil es irgendwann zu ruhig im Haus wurde und die Musik allein die Stille nicht füllen konnte, beschloss Doris Martin, doch nicht nur Bücher zu lesen, sondern sich anderweitig zu engagieren. „Nach und nach wurden es immer mehr Aktivitäten. Aber alle machen mir riesig Spaß und ich möchte keine Einzige missen“, so die 50-Jährige. Zu schaffen sei das alles aber nur mit der Unterstützung ihres Mannes. „Ohne ihn hätte und würde das alles nicht funktionieren“, betont sie.

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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