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Medaille füllt Lücke im Trachtenmuseum

Neues Exponat Medaille füllt Lücke im Trachtenmuseum

Heute war ein großer Tag für das Roßdorfer Trachtenmuseum: Eine Gruppe Pfarrhaushälterinnen aus dem Bistum Fulda war zu Besuch und hatte ein ganz besonderes Geschenk im Gepäck.

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Pfarrer Markus Blümel (rechts) übergab gemeinsam mit den Haushälterinnen die Elisabeth-Medaille – auch Lioba-Brosche genannt – an Heinrich Ried (von links) und Andrea Luzius.

Quelle: Florian Lerchbacher

Roßdorf. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, gab Heinrich Ried zu, während er auf den Besuch einer Gruppe Pfarrhaushälterinnen wartete. Denn die kam direkt aus Fulda und hatte ein Geschenk von Bischof Heinz Josef Algermissen für das Trachtenmuseum im Gepäck: eine Elisabeth-Medaille, auch Lioba-Brosche genannt - die das Bistum eigentlich nur für „lange verdienstvolle Tätigkeiten“ verleiht, wie Markus Blümel erklärt. Der Pfarrer von Eiterfeld ist der Geistliche Beirat für die Haushälterinnen in der Diözese und genießt auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf einen gewissen Bekanntheitsgrad, da er einst Schulpfarrer in Amöneburg war.

Der Bischof war von Elfriede Schuldes, der Leiterin der Zusammenkunft der Pfarrhaushälterinnen, über den Wunsch der Roßdorfer informiert worden, eine Lücke im Trachtenmuseum zu schließen: Eine Ecke der Einrichtung in der alten Schule widmet sich den Pfarrhaushälterinnen - also den unverheirateten Frauen, die Pfarrern den Haushalt führen. Dort hängen zum Beispiel der Hut und die Tasche einer Pfarrhaushälterin - sowie ein kleiner Zettel mit dem Hinweis, dass eine Elisabeth-Medaille, die ausgezeichnete „Fräulein“ zumeist nur an hohen Feiertagen trugen, noch in der Sammlung der Ausstellungsstücke fehle. Durch das Geschenk aus Fulda gehört dieser Hinweis nun der Vergangenheit an.

Roßdorfer wollen einen Museumsverein gründen

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des in der alten Schule (Haus der Vereine) eingerichteten Trachtenmuseums ist also getan. Doch Ried und seine Mitstreiter haben noch zahlreiche weitere Pläne: Ganz oben steht das Vorhaben, einen Verein zu gründen. Andrea Luzius, die gestern in katholischer Tracht an der Übergabe teilnahm und nach eigenem Bekunden als „lebendiges Museum“ fungierte, hat bereits eine Satzung ausgearbeitet.

Zudem wollen die Roßdorfer ihre Ausstellung noch abwechslungsreicher gestalten. Dabei ist Vielfalt bereits vorhanden: Im Flur warten Gegenstände des häuslichen Lebens und aus der Landwirtschaft auf die Besucher. Im eigentlichen Ausstellungsraum warten verschiedene historische Kopfbedeckungen, Fotos aus dem dörflichen Leben, ein Fronleichnamsaltar samt Tabernakel und Heiligenbildern. Hinzu kommen natürlich die verschiedensten Trachten - von den eher simplen der Männer bis zu den zahlreichen unterschiedlichen Gewändern der Frauen. Bis 1870 hätten die Trachten einander sehr ähnlich gesehen, erst dann hätten die katholische, die evangelische und die Schwälmer Tracht ihre Besonderheiten bekommen, berichtet Ried und freut sich über die Unterstützung der Roßdorferin Katharina Schüler: Sie habe sämtlichen Puppen im Museum die Trachten angezogen und genau gewusst, welche Teile wohin gehörten oder welche Medaillen zu tragen seien. „Ich habe einiges Wissen aus Büchern. Am wertvollsten sind aber die mündlichen Überlieferungen - ohne die geht nichts“, erklärt der 70-Jährige. Er selbst begeisterte sich seit seiner Kindheit für Heimatkunde. Auslöser sei sein Pate gewesen, der Heimatforscher Heinrich Forst, den er oft besuchte.

Diese Faszination will Ried auch auf die Museumsbesucher übertragen. Aus diesem Grund ist er Ansprechpartner, wenn es um Öffnungszeiten und Führungen durch die Einrichtung geht.

von Florian Lerchbacher

Kontakt

Besichtigungen sind von März bis Oktober nach einer Voranmeldung möglich.

Kontakt: Heinrich Ried, Telefon 06422/3575.

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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