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Maroder Behälter wird Loch in die Kasse reißen

Geld Maroder Behälter wird Loch in die Kasse reißen

Eigentlich hat für Rauschenbergs Kommunalpolitiker die Sommer-pause bereits begonnen. Weil das Thema Hochbehälter jedoch unter den Nägeln brennt, kam der Bauausschuss noch einmal zusammen.

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Ein Sorgenkind – im Beton des 1952 gebauten Hochbehälters von Josbach befindet sich Feuchtigkeit.Foto: Florian Lerchbacher

Josbach. Sanieren oder neu bauen? Mit dieser Frage zum in die Jahre gekommenen Hochbehälter in Josbach müssen sich die Stadtverordneten in der ersten Sitzung nach der Sommerpause Ende September auseinandersetzen. Mindestens das Ausschreiben der Arbeiten will die Stadt noch in diesem Jahr erledigen.

Seit Ende Mai ist laut Bürgermeister Michael Emmerich klar, dass beim Hochbehälter Handlungsbedarf besteht. Seitdem ist nur noch eine der beiden Wasserkammern in Betrieb. Eine Untersuchung ergab, dass die Wände durchfeuchtet sind: „Schwer zu sagen, ob nur von innen oder auch von außen“, berichtete Georg Schwehn von der Ingenieurgesellschaft mbH aus Herborn den Mitgliedern des Bauausschusses. Noch dazu gebe es an Wänden, Decken und Stützen biologischen Bewuchs: „Es handelt sich um Pilze und Hefe - was an sich noch nicht schlimm ist, da es keine Krankheitserreger sind. Aber: Das ist ein Nährboden und somit ein Damoklesschwert, das dauerhaft über Ihnen schwebt“, warnte der Experte für Hochbehälter. Hinzu kommt, dass zahlreiche Rohrleitungen in dem 1952 errichteten Gebäude verrostet sind und erneuert werden müssen.

Die entscheidende Frage: Sanieren oder neu bauen?

Größtes Problem bleibt aber die Feuchtigkeit im Mauerwerk. Am Gebäudeäußeren fehle eine Abdeckung, erläuterte Schwehn und betont, dass damals, als der Hochbehälter gebaut wurde, die Vorschriften für die Betondicke viel lascher als heute gewesen seien. Es sei aber nicht unbedingt so, dass Wasser tatsächlich auch von außen eindringe. Woher es genau stamme, lasse sich erst während möglicher Sanierungsarbeiten sagen. Er regte an, Teile der Betonschicht im Inneren zu entfernen, eine Abdichtungslage aus Kunststoff einzuziehen und darüber eine Schicht Betonersatz zu legen: „Dann hätten wir eine Schale, die 40 Jahre hält.“ Arbeiten an der Außenhülle wären dann nicht mehr notwendig. Allerdings bestehe bei einer Sanierung immer die Gefahr, weitere, tiefer liegende Schäden wie Risse oder Kiesnester im Beton zu entdecken, was die auf 209000 Euro netto geschätzten Kosten noch in die Höhe treiben könnte - maximal um 30 Prozent.

Statt der Sanierung ist natürlich auch ein Neubau denkbar. Drei verschiedene Varianten präsentierte Schwehn den Ausschussmitgliedern: ein Neubau in Stahlbetonweise würde rund 320000 Euro kosten, der Neubau aus glasfaserverstärktem Kunststoff würde um die 305000 Euro fressen. Die, so der Experte, feinste Variante in Edelstahl würde ein Loch von 390000 Euro in die Stadtkasse reißen: „Das wäre am langlebigsten“, betonte er.

Hermann Koch, der Vorsitzende des Ausschusses, wollte wissen wie lange die Lebensdauer des Hochbehälters nach einer Sanierung sei. Mindestens 40 Jahre, entgegnete Schwehn. Die Qualität des Betons sei ausreichend - in Großstädten sei er auch schon auf Hochbehälter gestoßen, die aus dem Jahr 1912 stammten und noch immer voll funktionstüchtig seien. Aber: Das Wasser werde den Beton immer bearbeiten, was an den unterschiedlichen PH-Werten liege. Hochgerechnet auf 80 Jahre sei die Variante in Edelstahl immer billiger. Rund um den glasfaserverstärkten Kunststoff gebe es noch keine verlässlichen Erfahrungswerte.

Entscheidung muss bis zum 28. September fallen

Die Kommunalpolitiker müssen sich nun bis zum 28. September zwischen einer Sanierung - die im laufenden Betrieb möglich wäre - und einem Neubau direkt neben dem alten Gebäude entscheiden. Sicher ist, dass die alten Steigleitungen aus Josbach und Lischeid verlängert werden müssen. Noch dazu ist eine Verringerung des Wasservorrats und mithin eine Verkleinerung der Kammern möglich: Der alte Hochbehälter fasst 200 Kubikmeter Wasser. Vorrätig für den Brandschutz müssen 96 Kubikmeter sein - plus rund 40 Kubikmeter für die Versorgung der Josbacher.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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