Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Mann jagt Nebenbuhlerin über den Rasen

Ausraster aus Eifersucht Mann jagt Nebenbuhlerin über den Rasen

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Diese These des Philosophen und Theologen Friedrich Schleiermacher bestätigte sich bei einem Prozess vor dem Amtsgericht aufs vortrefflichste.

Voriger Artikel
Katzenpilz - Schule bleibt geschlossen
Nächster Artikel
Vollsperrung zwischen Albshausen und Halsdorf

Eifersucht kann Beziehungen zerstören. Ein Stadtallendorfer konnte schon zweimal nach Eifersuchtstaten seine Beziehung retten.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Die Staatsanwaltschaft warf einem 28-jährigem Stadtallendorfer vor, am 30. Mai vergangenen Jahres gegen 19.15 Uhr vor einem Wohnhaus in Stadtallendorf eine Nebenbuhlerin über eine Rasenfläche gejagt, diese zu Boden gestoßen und getreten zu haben. Da in den Polizeiakten auch von einem Kung-Fu-Tritt die Rede war, wertete dies die Staatsanwaltschaft als gefährliche Körperverletzung.

Der Hartz-IV-Bezieher, der mit seiner Lebensgefährtin vier Kinder hat, zeigte sich vor dem unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug tagenden Gericht geständig. „Ich gebe zu, dass ich das getan habe“, sagte er. Gleichzeitig erläuterte er den Tathintergrund aus seiner Sicht. Sein späteres Tatopfer sei eine lesbische Beziehung mit seiner Lebensgefährtin eingegangen. Die Folgen: Die Trennung von seiner Partnerin und von seinen Kindern und ein nur sehr eingeschränktes Besuchsrecht.

"Ich hatte einen Blackout"

Am Tattag sei ein Besuchstag für zwei seiner Kinder gewesen. Er habe mit diesen Milch eingekauft und sei dann zur Grillparty einer Bekannten gefahren, um dort von der mitfeiernden Mutter seiner Kinder den Wohnungsschlüssel abzuholen. Dabei seien ihm seine Partnerin und die Nebenbuhlerin händchenhaltend und küssend entgegengekommen.

„Ich habe in dem Moment das Zerbrechen meiner Familie gesehen. Ich wusste, dass ich meine Kinder nicht mehr sehen werde, das deren Leben kaputt gemacht wird wie das Leben meiner Partnerin. Ich hatte einen Blackout“, beschrieb der Angeklagte die Situation. „Ich wusste, welches Spiel sie treibt. Ich habe auf Facebook gelesen, dass sie ohne Wissen meiner Partnerin gleichzeitig eine Beziehung zu einer anderen Freundin unterhielt. Das hat ihr Spaß gemacht“, urteilte der Angeklagte über seine Nebenbuhlerin.

Die will er dann über die Rasenfläche vor dem Haus gejagt haben. Immer im Kreis. Atemberaubende 20 Minuten soll diese Hatz gedauert haben. Dann habe er sein Opfer erwischt. Dieses ging zu Boden, möglicherweise durch einen Beinsteller. Dann sei er von mehreren Frauen festgehalten worden. „Ich wollte sie treten, aber ich kam nicht ran“, sagte er. Auf Nachfrage des Gerichts erklärte er: „Ich bin sicher, dass ich sie nicht ins Gesicht getreten habe.“

Angeklagter sei "ausgeflippt"

Genau dies hatte seine Partnerin, die inzwischen wieder mit dem Angeklagten zusammenlebt, bei ihrer polizeilichen Vernehmung mit Nachdruck behauptet. Im Zeugenstand wollte sich die 27-jährige Frau nicht mehr daran erinnern. Das ebenfalls als Zeugin geladene Opfer zog es vor, der Hauptverhandlung fernzubleiben. Sie hatte bei der Polizei ausgesagt, mit einem Kung-Fu-Tritt angegriffen worden zu sein.

So blieb für das Gericht zur Wahrheitsfindung noch die Aussage der Party-Gastgeberin. „Sie haben sich gehauen. Wir sind dazwischengegangen, haben ihn weggezerrt. Dann ist er wieder ausgeflippt und auf die Frau losgegangen. Als sie am Boden lag, hat er ihr einmal in den Bauch getreten - und das mit Turnschuhen“, sagte die 23-Jährige.

Da sich diese Aussage mit dem Inhalt der polizeilichen Vernehmung deckte, folgten Gericht und Staatsanwaltschaft der Tatversion der neutralen Zeugin.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à fünf Euro und folgte damit dem Antrag der Anklage. Edgar Krug hielt dem Angeklagten eine einschlägige Vorstrafe vor. Weil sich die Lebensgefährtin des Angeklagten einmal mit einem Mann eingelassen hatte, sei dieser völlig ausgerastet, habe sich der Sachbeschädigung, der Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. „Sie sollten Ihre Eifersucht zügeln. Auf Dauer kann man das nicht mehr mit dem Mittel der Geldstrafe sanktionieren“, mahnte der Richter.

Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr