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Mann bringt zwei Frauen zum Ausrasten

Amtsgericht Mann bringt zwei Frauen zum Ausrasten

"Ich hatte Schlimmeres erwartet", kommentierte Richter Joachim Filmer gestern nach einer emotionalen Verhandlung, in der sich eine Frau wegen Körperverletzung hatte verantworten müssen.

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Überwiegend sind es Männer, die in Schlägereien verwickelt sind. In dem gestern verhandelten Fall waren allerdings zwei Frauen die Protagonistinnen.

Quelle: Themenfoto: Nadine Weigel

Kirchhain. Die Fakten waren eigentlich relativ schnell geklärt: Im Juni 2013 hatte eine Frau vor einer Bäckerei eine Kirchhainerin angegriffen und in eine heftige Keilerei verwickelt. Besonders tragisch: Die schwangere Angreiferin verlor nach eigenen Angaben in Folge des Kampfes ihre beiden Kinder. Die Attackierte zog sich Kratzspuren im Gesicht zu und musste nach dem Vorfall in psychologische Behandlung.

Zwar hatte die Angeklagte noch versucht, die Schuld auf ihr Gegenüber abzuwälzen und ihr sowohl einen verbalen als auch den körperlichen Angriff in die Schuhe zu schieben. Ihre Anwältin redete jedoch zum einen beruhigend auf sie ein, zum anderen erinnerte sie an die Aussage einer unbeteiligten Zeugin, die gegenüber der Polizei die Angeklagte eindeutig als Aggressorin identifiziert hatte. Diese sei wie eine Furie auf ihr Opfer losgegangen, habe es angeschrien und letztendlich auch darauf eingeschlagen, bis es zur Verteidigung und einer wüsten Schlägerei kam.

Psychologische Behandlung war in beiden Fällen nötig

Als Richter Joachim Filmer diese Angaben als Fakten festhielt, entspannte sich die Lage im Gerichtssaal ein bisschen. Zuvor hatten sowohl die Angeklagte als auch die Angegriffene, die als Nebenklägerin auftritt, hohe Emotionalität an den Tag gelegt und immer wieder durch Zwischenrufe oder gemurmelte Kommentare geglänzt. Zur Verteidigung sei allerdings gesagt, dass sich beide Frauen in psychologischer Behandlung befanden beziehungsweise befinden. „Es gibt natürlich auch noch eine dritte Person, die an dem Ganzen nicht ganz unbeteiligt ist“, warf der Richter ein.

Dabei handelte es sich um einen Mann, der - schenkt man den im Gerichtssaal getätigten Aussagen Glauben - das Leben sowohl der Angeklagten als auch der Nebenklägerin zerstört hat. Dieser Mann ist der Ex der Frau, die angegriffen wurde. Während der Tat begleitete er seine „Neue“ zum Einkaufen, die beim Erblicken der Ex die Kontrolle verlor und zum Angriff blies. Die Gründe für die Attacke blieben allerdings im Dunkeln - die teilweise bruchstückhaften Aussagen der Frauen ließen erkennen, dass wohl Betrugsvorwürfe und Eifersucht im Raum standen. Übrigens betonte auch die Angeklagte, dass es sich bei dem Mann inzwischen auch lediglich um ihren „Noch-Ehemann“ handelt. Auch diese Beziehung ist also in die Brüche gegangen.

Opfer über Ex: „Er hat mich zerstört mit seiner Lügerei“

Als die beiden Frauen dies feststellten, wäre es beinahe zu Solidaritätsbekundungen gekommen. „Ich kann auf diesen Mann verzichten. Er hat mich zerstört mit seiner Lügerei“, sagte die Nebenklägerin und betonte: „Er gehört bestraft und weggesperrt.“ Und selbst die einstige Aggressorin hatte gegen diesen Einwurf ausnahmsweise mal keine Einwände vorzubringen. Ebenfalls einige waren sich die Frauen, dass sie künftig ihre Ruhe und nichts miteinander zu tun haben wollen.

„Sie sind beide psychisch mehr als angegriffen“, fasste Richter Filmer zusammen. Eine Anhörung weiterer Zeugen, zum Beispiel des besagten Mannes, wolle er allen Beteiligten ersparen. Insgesamt gehe es ihm nur darum, dass die attackierende Frau für den materiellen Schaden aufkommen müsse. Da diese allerdings von monatlich 370 Euro vorläufigen Rentengeldes leben muss, gestaltete sich dieser Punkt ebenfalls etwas schwieriger. Unter Zustimmung von Staatsanwaltschaft und Anwälten stellte der Richter ob der Umstände und der psychischen Belastung eine verminderte Schuldfähigkeit bei der Angeklagten fest. Er sprach eine, einfach ausgedrückt, „Geldstrafe unter Vorbehalt“ in Höhe von 300 Euro aus. Diese muss die Angeklagte allerdings nur zahlen, wenn sie entweder gegen ihre Bewährung verstößt oder die auferlegten 300 Euro Schmerzensgeld ihrem Opfer nicht zahlt. „Die Angeklagte hatte sich nicht mehr im Griff“, sagte er und betonte: „Es besteht große Einigkeit darüber, dass der Auslöser der Mann war, der offensichtlich ein böses Spiel mit beiden Beteiligten spielte.“

Aufgrund seiner Erfahrungen habe er im Vorfeld der Verhandlung mit Schlimmerem gerechnet. „Ich bin von viel Intensiverem ausgegangen“, sagte er und appellierte an die Beteiligten, sich bei künftigen, zufälligen Begegnungen entweder zu ignorieren oder es bei einem kurzen Gruß zu belassen. Er gehe allerdings davon aus, dass die Unstimmigkeiten nunmehr ausgeräumt seien.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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