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Manchmal fehlen einfach die Worte

Sprachförderung Manchmal fehlen einfach die Worte

Die integrative Kindertagesstätte "Weißer Stein" in der Schillerstraße soll ab nächstem Jahr anderen Kindergärten bei ihren Fragen rund um die Sprachförderung helfen.

Stadtallendorf. Sprachförderung wirkt umso besser, je früher sie beginnt. Und da Kinderbetreuung angesichts des gesellschaftlichen Wandels berechtigtermaßen bereits bei Kindern unter drei Jahren einsetzt, muss die Sprachförderung entsprechend Schritt halten. Das gelingt allem Anschein nach in der Kindertagesstätte (Kita) „Weißer Stein“ in der Schillerstraße sehr gut und auch bereits seit einigen Jahren. Das Programm „Frühstart“ gab der Kindertagesstätte schon ab dem Jahr 2008 einen deutlichen Schub in Sachen Sprachförderung. Seit 2011 gehört die Stadtallendorfer Kita auch zur „Offensive Frühe Chancen: Schwerpunkt-Kitas Sprache&Integration“ des Bundesfamilienministeriums.

Sprachförderung ist in der Kita „Weißer Stein“ Sache einer jeden Erzieherin. Annabell Schreiner ist allerdings die Sprachfachkraft. Jährlich bekommt sie eine Fortbildung von 70 Stunden allein zum Thema Sprachförderung. „Sprachförderung ist auch bei zahlreichen Kindern notwendig, die in Deutschland geboren wurden und keinen Migrationshintergrund besitzen“, betont Martina Kuhn-Kessler, die Leiterin der Kita „Weißer Stein“ in Stadtallendorf.

Sprachförderung im Kindergarten ist für Annabell Schreiner immer in den Alltag der Kindergruppen integriert. „Dass ich mir ein Kind herausnehme und mit ihm alleine übe ist nicht das Ziel“, erklärt sie ihren Ansatz. Die Förderung beginnt schon bei der morgendlichen Begrüßung. Die Kinder sollen sich daran gewöhnen, alltägliches auch erklären zu können. „Manchmal fehlen einfach die Worte“, bringt es Annabell Schreiner auf den Punkt. Es geht dabei auch um die Freude am Sprechen, die bei manchem Kind erst geweckt werden muss.

Eltern werden immer eingebunden

Die frühzeitige Betreuung von Kindern unter drei Jahren hat zwangsläufig dazu geführt, dass Kindertagesstätten auch beim Erlernen der Sprache eine wichtige Aufgabe teilweise von den Eltern übernommen haben. Aus der Verantwortung entlassen will die Eltern aber keine der Erzieherinnen. Im Gegenteil: Sie werden gezielt mit eingebunden. „Wir sehen uns als Ratgeber für die Eltern“, betont Kita-Leiterin Kuhn-Kessler. Schließlich sind die Erzieherinnen und zumindest Elternteile auch täglich im Gespräch miteinander. Neueste Idee von Annabell Schreiner ist ein „aktiver Elternabend“. Dort sollen Eltern die Lieder und Spiele kennenlernen, die ihre Kinder an jedem Tag in der Kita singen oder spielen. Annabell Schreiner arbeitet keineswegs isoliert vor sich hin. Sie ist ein Teil des Erzieherinnen-Teams und gibt ihr Fachwissen kontinuierlich an ihre Kolleginnen weiter. Und außerdem spielt Selbstreflexion eine große Rolle. So filmen sich die Erzieherinnen untereinander während der Gruppenarbeit - auch immer mit dem Augenmerk auf das Thema Sprachförderung.

55 Kinder, verteilt auf 4 Gruppen besuchen die Stadtallendorfer Kita „Weißer Stein“ derzeit. Kinder mit Behinderungen sind, dem Prinzip des Kinderzentrums „Weißer Stein“ entsprechend in alle Gruppen wie selbstverständlich integriert. „Und wir haben eine lange Warteliste“, sagt Kuhn-Kessler.

In Zukunft sollen auch andere Kindertagesstätten der Region von den Erfahrungen der Kita „Weißer Stein“ profitieren: Bundesweit sollen 390 Kindertagesstätten als Teil der „Offensive Frühe Chancen“ zu sogenannten Konsultations-Kitas werden. An diese Kindertagesstätten können sich Erzieherinnen ab 2014 wenden, wenn sie Anregungen für Sprachförderungen brauchen. Sie sollen als „Mulitplikatoren“ dienen.

Dafür gibt es eine zusätzliche viertel Stelle, bezahlt vom Bund. Die Kita in der Schillerstraße hatte sich für diese besondere Aufgabe beworben und den Zuschlag bekommen. In Kürze bekommt das Erzieherinnen-Team Besuch von einem Experten, der es auf die Zusatzaufgabe vorbereitet.

von Michael Rinde

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