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Manch Gläubigem fehlt Messe vor Ort

Geteilte Pfarrerstelle Manch Gläubigem fehlt Messe vor Ort

Es läuft gut, sagt Pfarrer Marcus Vogler über die Seelsorgeeinheit Amöneburg. Doch nicht alle Gläubigen sind zufrieden und glücklich: Aus Mardorf und Roßdorf gibt es immer mal wieder Kritik.

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Die Stiftskirche ist für Gottesdienste an Hochfesten aufgrund ihrer Größe und der „überregionalen Bedeutung“ gesetzt.Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Amöneburg. Seit September 2014 kümmern sich zwei Priester und drei Diakone um die fünf Kirchengemeinden des Amöneburger Stadtgebiets, die in einer „Seelsorgeeinheit“ zusammengefasst sind. Sprich: Die Orte haben keine „eigenen“ Pfarrer mehr - was vornehmlich rund um die großen katholischen Feiertage immer wieder zu Kritik führt.

In Roßdorf mussten die Gläubigen am Weihnachtsabend 2014 auf einen Gottesdienst im Ort verzichten. Die Mardorfer erwischte es an Ostersamstag und am Weihnachtsabend 2015. Es bestand zwar jeweils die Möglichkeit, im Nachbarort beziehungsweise auf der Amöneburg einen Gottesdienst zu besuchen. Doch das sei einfach nicht dasselbe, klagt ein Mardorfer und sprich einigen Gläubigen aus den beiden größten Stadtteilen aus der Seele. „Bei uns ist die Kirche immer rappelvoll. Das gilt auch für Roßdorf. Wenn wir alle zum Gottesdienst rüberfahren, dann werden einige vor der Kirche stehen“, mutmaßt der Mardorfer und stellt seine älteren Mitbürger in den Vordergrund, für die zum einen eine Tradition verloren gegangen sei, und die zum anderen oftmals ein Mobilitätsproblem hätten. Noch dazu sind ihm die Gottesdienste etwas zu überzogen: Ständig singe die Schola, so dass der Kirchgänger an sich nicht mehr zum Singen komme. Eine Frau moniert, dass es Tradition sei, im Dorf die großen Feste zu feiern: „Mit einem Wisch ist das alles weg.“

„Wir Mardorfer zahlen so viel Kirchensteuer, dafür haben wir an manchen Festtagen keinen Gottesdienst - das steht doch in keinem Verhältnis“, klagt der Mardorfer und fordert, dass Priester und Diakone sich auch zu den Hochfesten aufteilten, damit jeder Ort seinen Gottesdienst bekomme: „An normalen Wochenenden klappt das doch auch.“

Pfarrer ärgert sich über Kritik

Diakone könnten nur Andachten beziehungsweise Wortgottesdienste halten, kommentiert Pfarrer Marcus Vogler die Kritik und betont, dass die Auferstehungsmesse an Ostersamstag aber beispielsweise eine Eucharistiefeier - also ein Gottesdienst mit Abendmahl - sei. Und den könnten eben nur Priester halten, sagt er und zeigt sich verärgert über die Kritik. Die Gläubigen der Seelsorgeeinheit könnten an Ostern schließlich insgesamt aus 10 von Priestern oder Diakonen gehaltenen Gottesdiensten verschiedener Natur innerhalb von 36 Stunden beziehungsweise aus 15 Gottesdiensten innerhalb von 48 Stunden wählen - und müssten dafür gegebenenfalls nur ein wenig Anfahrt in Kauf nehmen. Treue Kirchgänger hätten sich bisher äußerst positiv geäußert, berichtet Vogler: zum einen über die größere Vielfalt an Gottesdiensten, zum anderen wisse durch den gemeinsamen Pfarrbrief jeder Gläubige über alle Kirchengemeinden und nicht nur die eigene Bescheid.

„Es ist ja auch nicht so, dass ich hier meine Ideen verwirkliche“, fügt Vogler hinzu. Er setze nur einen Auftrag des Bischofs um - an den sich der Kritiker aus Mardorf übrigens direkt gewandt hatte. Die Antwort auf seine Anfrage kam allerdings aus Amöneburg. Wie er in die Rolle des Antwortgebers geraten sei, wusste auch Vogler nicht zu beantworten: „Ich war selber etwas verwundert.“

In seinem Brief nach Mardorf hatte der Pfarrer den Gläubigen zum Gottesdienst nach Amöneburg eingeladen mit dem Hinweis, dass dort an Weihnachten noch Platz gewesen sei. Die Kirche auf dem Berg ist an den Feiertagen gesetzt, da dort schlicht am meisten Platz sei und sie schlicht von „überregionaler Bedeutung“ sei. Der zweite Gottesdienst des jeweiligen Festtages finde dann abwechselnd in Roßdorf oder Mardorf - den Dörfern mit den nächstgrößeren Kirchen - statt.

Wenig Gläubige pro Pfarrer

Dass stets ein Dorf im Kalenderjahr sowohl auf Weihnachts- als auch auf Auferstehungsgottesdienst verzichten müsse, liege schlicht am Gründungsmonat der Seelsorgeeinheit: Im September 2014 ging‘s los - zunächst musste Roßdorf auf den Weihnachts- und dann Mardorf auf den Auferstehungsgottesdienst verzichten. Danach gab es in Mardorf keinen Weihnachtsgottesdienst - am kommenden Ostersamstag erwischt es dafür wieder Roßdorf. Dafür gibt es dort an Gründonnerstag eine Messe. „Es trifft jeden mal.“

Dabei könnten die Gläubigen noch froh sein, dass es nicht wie in anderen Städten zu einer Zwangsfusion ihrer Kirchengemeinden gekommen sei, denn das wäre auch noch ans Geld gegangen, sagt Vogler. Noch dazu könnten sich die Amöneburger fast schon glücklich schätzen, dass er sich gerade mal um 3800 Katholiken kümmern müsse - in anderen Orten kämen bis zu 15000 Gläubige auf einen Pfarrer.

Hoffnung auf Besserung oder gar darauf, ihre eigenen Pfarrer zurückzubekommen müssten sich die Mardorfer und Roßdorfer jedenfalls nicht machen, fasst Vogler zusammen. Der Grund sei einfach: Der Kirche fehlen die Pfarrer. Und so müssten sich die Menschen mit der Situation abfinden: „Ich kann verstehen, dass es schmerzhaft ist - aber wir müssen die Realität von Kirche anerkennen. Übrigens waren trotzdem in den Gottesdiensten immer noch Plätze frei.“

von Florian Lerchbacher

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