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Mächtig was los im Gerberviertel

Theater in der Festwoche Mächtig was los im Gerberviertel

20.10 Uhr, Kratz‘sche Scheune in Rauschenberg. Auf der Bühne trägt Marie einen inneren Kampf aus. Soll sie sich für Ihren Liebsten Peter oder für dessen Nebenbuhler Friedrich entscheiden?

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Das Ensemble des Theaters vom Bau freut sich am 24. und 27. Mai jeweils um 20 Uhr auf ein volles Haus in der Kratz‘schen Scheune. Dann spielt das Team um Regisseur Tim Fries (vorne links) seine neueste Produktion. Fotos: Matthias Mayer

Rauschenberg. Das Problem der Kaufmannstochter: Rentmeister-Sohn Friedrich ist eine standesgemäße Partie, Karl, Sohn eines trunksüchtigen Gerbers, dagegen nicht.

Kostümierte Frauen, Männer und Kinder sitzen auf einer langen Stuhlreihe im Saal und verfolgen mit heiterer Gelassenheit das Geschehen auf der Bühne. Allein Regisseur Tim Fries ist die Konzentration in Person, lugt über das Textbuch auf die Bühne und verliest zwischendurch die Regieanweisungen.

Das Theater vom Bau probt hier auf „seiner Bühne“. Schließlich gab der Verein im Vorfeld des Ausbaus der Scheune zum Rauschenberger Gemeinschaftshaus einen wichtigen Impuls für den ursprünglich nicht geplanten Bühnenanbau. Probiert wird das Stück „Das Gauklerlied - Liebe und List im Gerberviertel“. Und mit diesem Stück feiert das große Ensemble gleich zwei Jubiläen: 750 Jahre Stadtrechte Rauschenberg und 25 Jahre Theater vom Bau. Die Aufführungen finden während der Rauschenberger Festwoche am Dienstag, 24. Mai und am Freitag, 27. Mai, jeweils um 20 Uhr in der Kratz‘schen Scheune statt. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

Gespielt werden Klassiker statt Schwänke

Irmgard Schein ist die Vorsitzende des heute 49 Mitglieder zählenden Theatervereins, der seinen Namen von seiner nie ganz fertiggestellten ersten Spielstätte hat. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt Rauschenbergs „Miss Sophie“ von den Anfängen des Vereins 1991, dem Jahr der Rauschenberger 725-Jahr-Feier. Damals schenkten die Theater-Enthusiasten der Stadt und ihren Bürgern zum Jubiläum das von Christa Damm-Lorenz eigens für das Fest geschriebene Stück „Geschichten aus Stadt und Land“. 19 weitere Stücke folgten, wobei die Literaturauswahl aufhorchen lässt.

Abseits der bei Laientheater-Gruppen bevorzugten Schwänke wagten sich die Rauschenberger Mimen an alte und moderne Klassiker heran wie Ludwig Tieck, Molière, Wilhelm Hauff, Wolfgang Hildesheimer, Max Frisch, Curt Goetz und Erich Kästner. Unter den bislang 20 Inszenierungen befinden sich auch zwei weitere Stücke von Christa Damm-Lorenz und dem Autoren-Duo Ludwig Pigulla/Helmut Wittekindt. ­Zudem neun Aufführungen der Kindergruppe „Bauklötzchen“, die in Ermangelung von Betreuern derzeit Spielpause hat.

Ausgewählt werden die Stücke von der Mitgliederversammlung des Vereins. Das gilt auch für die Jubiläumsproduktion. Für Irmgard Schein haben die Mitglieder eine gute Wahl getroffen. „Das von Nele Neumann und Sandra Ordelheide geschriebene Werk passt sehr gut zu unserem Anlass. Es erzählt eine Geschichte, die vor 450 Jahren während eines Stadtfestes spielt. Viele Gaukler sind in der Stadt“, sieht Irmgard Schein ­Parallelen zur Festwoche.

Rauschenberger Lokalkolorit haben die Theatermacher ebenso in das Stück eingebaut wie einige Rollen für Kinder, die richtig Leben auf die Haupt- und Nebenbühne bringen werden.

Seit Oktober probt das Ensemble einmal wöchentlich. In den ersten drei Monaten mit Textbuch - dann wird dieses beiseite gelegt, wobei man manchem Neuling - so Irmgard Schein - geradezu zwingen muss, auf das Hilfsmittel zu verzichten. In der heißen Phase vor dem Fest sind es zwei Proben wöchentlich.

Schauspieler versuchtsich als Regisseur

Wird die Probenarbeit über einen so langen Zeitraum nicht zu einer nervigen Pflichtaufgabe? „Nein“, stellt Irmgard Schein unmissverständlich fest. „Wir haben mehrere junge Leute dabei, die noch nie mit uns gespielt haben. Das macht riesigen Spaß“, sagt sie.

Mit Freude erzählt Irmgard Schein von der Entwicklung der im Ensemble großgewordenen jungen Leute. Tim Fries sei schon als Kind dabei gewesen. Nach zahlreichen Rollen als Schauspieler versuche er sich erstmals an einer Regiearbeit. Und Alexander Schein, der in der neuen Inszenierung als Peter eine tragende Rolle spiele, habe bereits 1994 debütiert.

Zum Stück: Der lange Titel ist Programm. Es geht tatsächlich um Gaukler, Lieder, Liebe und List im Rauschenberger Gerberviertel. Wobei sich List getrost durch Intrigen übersetzen lässt. Als Großmeister der Intrige erweist sich der Gaukler Fidelio (Frank Simolka), der gegen Bares bereit ist, die Liebenden - den Gerbersohn Peter (Alexander Schein) und die schöne Marie (Elisabeth Kreyling) auseinanderzubringen.

Der Plan: Fidelios Schwester Fidelia wird auf Peter angesetzt, um ihn auf andere amouröse Pfade zu locken. Zugleich soll Marie der Rentmeister-Sohn Friedrich (Joachim Fokuhl) schmackhaft gemacht werden. Ob‘s gelingt? Nach zwei kurzweiligen Theater-Stunden werden es die Besucher erfahren.

von Matthias Mayer

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