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Luftqualität stimmt, Behörde zufrieden

Stadtallendorf Luftqualität stimmt, Behörde zufrieden

Acht Monate lang unternahm der TÜV Süd durchgängig Messungen zur Luftqualität. Das passierte im Auftrag der Eisengießerei Winter unter Obhut des Regierungspräsidiums.

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Eine Langzeitmessung hat gezeigt, dass es durch die Gießerei Winter keine gefährliche Luftbelastung gibt.

Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Staub, Feinstaub, Schadstoffe wie Schwermetalle, all das hat der TÜV in der Zeit von November 2014 bis Juni untersucht. An zwei signifikanten Stellen, bei der Polizeistation und beim EAM-Umspannwerk Elbestraße, wurden alle Werte gemessen. An zehn weiteren Punkten ermittelten die Gutachter Staub und Feinstaubbelastung.

Das Fazit nach Auswertung: „Man hätte sich kein besseres Ergebnis zum jetzigen Zeitpunkt wünschen können“, sagt Michael Riebel vom Regierungspräsidium (RP) Gießen als Aufsichtsbehörde. Die Gießerei hatte sich selbst für eine neuerliche intensive Messung eingesetzt, das mündete dann in der formal nötigen Anordnung durch das RP.

„Natürlich wollen wir wissen, wo wir stehen“, betont Jürgen Gemmerich, Leiter Sicherheit und Umweltschutz und Umweltbeauftragter der Gießerei. Das Messprogramm wurde detailliert mit einer weiteren Behörde, dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie abgestimmt.

Alle Grenzwerte deutlich unterschritten

Zu den Ergebnissen im einzelnen: Alle Grenzwerte, etwa der Verordnung „TA Luft“ wurden bei den Messungen deutlich unterschritten, teilweise um mehr als die Hälfte. Beim groberen Feinstaub PM 10 beträgt der Tagesgrenzwert 50 µg pro Kubikmeter Luft. Fazit des Regierungspräsidiums: Alle Immissionswerte werden sicher eingehalten.

Deutlich wird dies an einem markanten Punkt: In Deutschland darf dieser Grenzwert in einer Stadt an maximal 35 Tagen pro Jahr überschritten werden. In acht Monaten ist das in Stadtallendorf an sieben Terminen geschehen. Einer dieser Termine ist Silvester gewesen. Dort steigt die Feinstaubbelastung allein wegen des Feuerwerks nachweislich in allen Regionen über Grenzwerte hinweg.

Noch etwas ist auffällig beim Blick auf Zahlen und Statistiken der Messergebnisse: Im Vergleich mit früheren Untersuchungen aus den Jahren 2003, 2004 und 2008 haben sich alle Ergebnisse durchgängig weiter verbessert.

Kein Handlungsbedarf für Regierungspräsidium

Auch Metalle wurden untersucht. Ganz besonders herausragend: Das krebserregende Chrom VI ist messtechnisch nicht vorhanden, sprich, es war nicht nachweisbar. Bei Benzolen, Cadmium, Thalium oder Arsen, um einige Beispiele der untersuchten Stoffe zu nennen, zeigte sich bei der aktuellen Untersuchung ein ebenso positives Bild. Die Ergebnisse liegen extrem deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Für das Regierungspräsidium besteht bei diesen Ergebnissen nirgendwo Handlungsbedarf.

Es war zwar eine Messung wegen der für die Firma Winter geltenden Vorschriften. Doch gemessen wurde naturgemäß die Gesamtbelastung, also auch die durch Lastwagen, Heizungen oder andere Unternehmen.

Beim Geruch will sich Winter noch verbessern

Auch vor diesem Hintergrund ist Bürgermeister Christian Somogyi bei der Vorstellung der Zahlen und den klaren Einschätzungen der Aufsichtsbehörde positiv gestimmt - gerade auch mit Blick auf die Situation der Menschen, die am Industriestandort Stadtallendorf leben. „Dieses Ergebnis hat mich sehr positiv überrascht“, betont er bei der Präsentation gegenüber der OP.

Für die Eisengießerei ist das Ergebnis auch in anderer Hinsicht wichtig, gilt es doch bei den vorgeschriebenen Umweltverträglichkeits-Prüfungen bei weiteren Investitionen als eine Referenz. Das Unternehmen selbst hat nach eigenen Angaben allein seit 2012 rund 12 Millionen Euro in die Umwelttechnik, besonders in die Luftreinhaltung investiert.

Weitere Umweltprojekte seien in der Planung, wie Jürgen Gemmerich erläutert. In einem Punkt hat Winter das „Klassenziel“ aber noch nicht erreicht, bei dem für eine Gießerei typischen Geruch. Komplett verhindern lässt sich dieser Geruch nie. Auch wenn das Unternehmen einräumt, dass es noch hinter selbstgesteckten Zielen zurückbleibt, so gibt es dort riechbare Verbesserungen. Laut Gemmerich ist es gelungen, die Geruchsbelästigung in Stadtallendorf seit 2001 zu halbieren.

„Und das bei einer deutlichen Produktionsausweitung“, wie der Umweltbeauftragte erläutert. Auch die Geruchsbelastung wird, wenn auch nicht bei dieser Messung, kontinuierlich überwacht, wie das Unternehmen hervorhebt. Dafür gibt es eigene Verfahren, bei dem neben Geräten auch besonders qualifizierte Tester gefragt sind.

von Michael Rinde

MESSPUNKTE
Neben den beiden Automaten am Aufbauplatz und in der Elbestraße, die alle Werte aufgenommen haben, gab es zehn weitere Messpunkte, bei denen es um die Staubbelastungen ging. Die Messtechnik stand dabei weitgehend auf Privatgeländen. Bei früheren Messungen, etwa direkt an Straßen hatte es Vandalismusprobleme gegeben. Staubmessungen fanden im Bärenweg, der Isarstraße, Am Lohpfad, im Bodelschwinghweg, auf dem Werksgelände in der Weserstraße, in der Heinrich-Schneider-Straße, an zwei Stellen in der Rheinstraße, der St.-Michael-Straße und Müllerwegstannen statt.

 

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