Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

will mich an dieser Stelle mal über die zunehmende Hallo­lisierung unserer Sprache auslassen. Zähle mich zu den wenigen verbliebenen Freunden der traditionellen Grußformeln Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend.

Auch mit dem südlich des Weißwurst-Äquators verbreiteten Grüß Gott kann ich was anfangen. Das an der Küste auch um 23 Uhr übliche Moin Moin steht bei mir ohnehin unter Artenschutz. Selbst das mit der FDJ untergegangene „Freundschaft“ bekommt bei mir noch zwei Sympathiepunkte. Sie alle werden durch das allgegenwärtige „Hallo“ an den Rand gedrängt. „Hallo“ ist ursprünglich nichts weiter als ein Zuruf über größere Entfernungen, ein Wort, um auf sich aufmerksam zu machen und für ein schnödes Grußförmelchen aus einem Meter Entfernung reichlich deplatziert. Hab‘ mich damit abgefunden, dass im zwischenmenschlichen Alltag das Begrüßungsniveau geradezu flächendeckend auf „Hallo“ abgesunken ist. Was mich verbittert: Inzwischen hat das „Hallo“ auch in der Schriftsprache Fuß gefasst, und das als Anrede. Und das nicht nur in bildungsfernen Schichten. ­Kenne einen Ostkreis-Bürgermeister, dem die Adressaten seiner Mails nur ein „Hallo“ wert sind. O tempora, o mores! Ein „Lieber Karl“ oder „sehr geehrter Karl“ wäre mir lieber. Nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis