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Letzte Chance für Schwarzfahrer

Gerichtsverhandlung Letzte Chance für Schwarzfahrer

Die Zweite Strafkammer des Marburger Landgerichts hob unter Vorsitz von Richter Hans-Werner Lange ein Urteil des Amtsgerichts Kirchhain auf, das gegen einen Schwarzfahrer eine Gefängnisstrafe verhängt hatte.

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Der Zug fährt ein – Zutritt jedoch nur mit gültigem Fahrschein. Gleich mehrfach wurde ein Mann aus dem Ostkreis beim Schwarzfahren erwischt. Nun musste er sich erneut als Angeklagter vor Gericht verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Ostkreis. Ende Oktober 2012 verurteilte das Kirchhainer Amtsgericht einen Mann aus dem Ostkreis wegen Erschleichen von Leistungen - im Volksmund als „Schwarzfahren“ bekannt - zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zu diesem harten Urteil kam es, da der Angeklagte in der Vergangenheit immer wieder in öffentlichen Verkehrsmitteln ohne gültigen Fahrausweis aufgegriffen wurde. Ein knappes Dutzend Mal ist der Mann deswegen bereits vorbestraft.

Der Angeklagte hatte wegen seiner Vorliebe für ticketloses Bahnfahren sogar schon eine mehrmonatige Gefängnisstrafe abgesessen. Mit seiner Berufung vor dem Marburger Landgericht erhoffte er sich nun die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils und die Aussetzung der Vollstreckung der zweimonatigen Freiheitsstrafe.

Eine Fahrt mit dem ICE ohne gültiges Ticket

Der dem Angeklagten zu Last gelegte Sachverhalt stellte sich wie folgt dar: Im Dezember 2011 war der Mann mit der Deutschen Bahn unterwegs zu einem Vorstellungsgespräch in Niedersachsen. Bis Kassel hatte der Angeklagte dabei auch einen gültigen Fahrausweis. Da er dort jedoch einen Anschlusszug verpasst hatte, entschloss er sich spontan, in einen ICE einzusteigen, ohne dafür ein gültiges Ticket zu besitzen. Bei der routinemäßigen Fahrkartenkontrolle wurde der Angeklagte schließlich erwischt.

Für Unverständnis bei allen Beteiligten vor Gericht sorgte dabei der Umstand, dass der geständige Angeklagte erst kurz zuvor auf Bewährung vorzeitig aus der Haft entlassen worden war. Warum er dennoch wieder ohne gültiges Ticket mit der Bahn fuhr, konnte er dem Gericht nicht erklären.

Auch sein Verteidiger Sascha Marks, der den Angeklagten schon in den vorherigen Verfahren wegen Erschleichung von Leistungen vertreten hatte, konnte nur mutmaßen: „Eine schlüssige Erklärung für sein Verhalten gibt es nicht. Er ist schließlich nicht auf die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs angewiesen, da er im Besitz von Führerschein und Auto ist. Warum er dennoch immer wieder schwarz gefahren ist, weiß mein Mandat, glaube ich, noch nicht einmal selbst.“

Marks trat in der Folge dennoch energisch dafür ein, das Urteil des Amtsgerichts Kirchhain aufzuheben: „Mein Mandant gehört nicht in das Gefängnis. Er passt mit seiner unbeholfenen Art dort überhaupt nicht hinein. Er stehe vor den schweren Jungs wie ein Karnickel vor lauter Schlangen stehen.“

Auch die Staatsanwaltschaft plädierte dafür, die Freiheitsstrafe für den Bewährungsversager noch einmal zur Bewährung auszusetzen, da der Angeklagte mittlerweile einem geregelten Arbeitsalltag nach geht, sich um seine gesundheitlich angeschlagene Mutter kümmert und seit Dezember 2011 auch nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.

Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt

Diese Punkte führten schließlich auch dazu, dass sich das Gericht den Plädoyers anschloss und die Freiheitsstrafe noch einmal zu Bewährung aussetzte. Der Vorsitzende Richter Lange ermahnte den Angeklagten aber eindringlich: „Wir lassen Sie nur davonkommen, da wir das Gefühl haben, dass sich ihre Lebenssituation nun anders darstellt als zum Tatzeitpunkt. Sollten sie uns aber enttäuschen und noch einmal ohne gültiges Ticket in öffentlichen Verkehrsmitteln erwischt werden, gehen sie wieder ins Gefängnis.“

Da sowohl der Angeklagte, als auch die Staatsanwaltschaft Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

von Marius Mayer

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