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Lehrlinge sollen Backhaus bevölkern

Die Kunst des Brotbackens Lehrlinge sollen Backhaus bevölkern

Eigentlich nutzen die Mardorfer ihr Backhaus relativ häufig. Auch dort herrscht allerdings ein Problem, das derzeit typisch ist: Der Nachwuchs fehlt. Die meisten Bäcker sind 50 bis 70 Jahre alt.

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Mechthild und Heinrich Kräuter wissen, wie sie ein gutes Sauerteigbrot nach Mardorfer Tradition zubereiten.Foto: Florian Lerchbacher

Mardorf. Früher war das Backen Frauenarbeit. Zwar trugen die Männer ihren Namen ein, wenn sie das örtliche Backhaus reservieren wollten - an die Arbeit mussten sich dann aber ihre Frauen machen. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, und auch beim Backen packt Mann mit an. Mechthild und Heinrich Kräuter jedenfalls wirken, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als im Team zu arbeiten: Er fischt die Laibe Stück für Stück mit einem langen Schieber aus dem Holzofen. Sie bepinselt sie noch einmal mit Wasser und klopft auf die Unterseite, um herauszufinden, ob das Brot fertig ist.

Mancher Laib wandert zurück in den Ofen. Der Rest kommt auf ein Regal und sorgt dafür, dass es im Mardorfer Backhaus herrlich nach frischem Brot duftet - das, so viel sei verraten, auch geschmacklich hält, was es verspricht. 40 Laibe backen die Kräuters alle 14 Tage auf einmal und versorgen damit nicht nur ihre sechs in Deutschland verteilten Kinder, sondern auch Nachbarn und Freunde - die nicht auf das Mardorfer Sauerteigbrot verzichten wollen.

Doch eins ist klar: Findet sich unter den jüngeren Menschen niemand, der in Zukunft das Backhaus nutzen möchte, könnte eine alte Tradition aussterben. Und das gilt es, zu verhindern - da sind sich Anne Traulich und Hildegard Kräling vom Backhausverein und die Geldgeber der Dorferneuerung einig. Letztere hatten vor einigen Jahren eine Bedingung gestellt: Die Sanierung des Backhauses im Zuge der Dorferneuerung komme nur in Frage, wenn die Mardorfer im Gegenzug die Kultur des Backens in ihrer Heimat aufrechterhalten.

Gesagt, getan. Bisher gaben die Mitglieder des Backhausvereins, die sich nebenbei auch um das angrenzende Gemeenshaus kümmern, ihr Wissen in Schulen und Kindergärten weiter. Nun möchten sie auch Erwachsene für das Backen von Sauerteigbrot im Backhaus gewinnen. Aus diesem Grund haben sie ein Konzept entwickelt, das neben der Praxis auch die Theorie beinhaltet. Die Teilnehmer eines zweitägigen Kurses erfahren - grob gesagt - von einer Gesundheitsberaterin Wissenswertes über Getreide, Mehl und seine Backeigenschaften und Nährwerte, die Rolle des Sauerteigs und vieles mehr. Erfahrene Bäckerinnen erklären, wie der seitenbefeuerte Holzofen funktioniert, Teig hergestellt und Brot gebacken wird. „Wenn es neues Mehl gibt, sollte man altes untermischen. Ist das Mehl frisch, ist der Anteil des Klebers zu hoch und das Brot wird nicht so gut, wie es werden sollte“, gibt Kräuter einen kurzen Einblick in die Erfahrungswerte einer langjährigen Bäckerin. „Brot ist vom Mehl abhängig - aber auch vom Wetter. Es ist eben ein Naturprodukt“, wirft Kräling ein.

Wasser, Roggenmehl, Salz und Sauerteig - mehr kommt eigentlich nicht in das Brot. Manch ein Mardorfer fügt noch Körner und/oder Gewürze hinzu. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts backen sie so im eigenen Backhaus. Am 26. und 27. Juni oder am 10. und 11. Juli geben die Mitglieder des Backhausvereins ihr Wissen weiter. Am ersten Kurstag (abends von 18 bis 21 Uhr) erfahren die Teilnehmer alles über das Brot und die Inhaltsstoffe und setzen den Teig an. Am zweiten Kurstag (8 bis 13 Uhr) stellen sie den Teig fertig und backen das Brot. Die Zutaten sind vorhanden. Mitbringen müssen die Teilnehmer nur eine Schürze, Geschirrtücher, Taschen zum Abtransport von vier Broten und natürlich Interesse daran, das Backen von Sauerteigbrot nach traditionellem Rezept zu erlernen.

Anmeldung und weitere Informationen bei Hildegard Kräling, Telefon 06429/405, E-Mail mardorfer-brot@gmx.de

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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