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Lebensretter möchte kein Held sein

Rettungsmedaille für Stadtallendorfer Lebensretter möchte kein Held sein

An den Verletzungen, die Tarek Khirdja sich bei einer Rettungsaktion in einem brennenden Haus zuzog, leidet er noch heute. Dennoch würde er seine mutige Tat jederzeit wiederholen - und wurde wegen ihr mit einer Rettungsmedaille geehrt.

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Von Landrätin Kirsten Fründt (links) und dem hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (rechts) bekamen Tarek Khirdja die Hessische Rettungsmedaille und seine Freundin Carolin einen Blumenstraß über überreicht.

Quelle: Peter Gassner

Stadtallendorf. „Manchmal können Zigaretten auch Leben retten“, fasste der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) zusammen, was sich am Abend des 30. September 2014 ereignete. Tarek Khirdja war eigentlich nur mit seiner Freundin Carolin auf den Balkon seiner damaligen Frankfurter Wohnung gegangen, um dort schnell eine zu rauchen. Doch plötzlich bemerkte der Stadtallendorfer einen Brand im Dachgeschoss des Mehrfamilienhauses, in dem rund 30 Menschen lebten. Die beiden alarmierten die Nachbarn, und er rannte dabei bis ganz nach oben - ohne Rücksicht auf die Gefahren. Die Bewohner des Hauses konnten alle rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden - dank Tarek Khirdjas mutigem Einsatz auch eine gehbehinderte Seniorin. Geistesgegenwärtig rettete Khirdja die 70-Jährige aus ihrer Wohnung und trug sie durch das in Flammen stehende Treppenhaus nach unten. Während dieser Rettungsaktion barsten dort jedoch die glühend heißen Fensterscheiben. Sowohl die ältere Dame als auch der Retter verletzten sich dabei.

Khirdja trug eine Rauchvergiftung davon, erlitt zudem einen leichten Herzinfarkt. Noch heute befindet er sich deswegen in Reha, hofft diese aber noch im September beenden zu können. Auch die Bilder der Feuer-Nacht haben sich in seinen Kopf eingebrannt und begleiten ihn weiterhin. Bereut hat der 30-Jährige seine Tat trotz aller Folgen aber nie. „Ich würde es jederzeit wieder tun“, sagte Khirdja am Rande der Verleihung der Hessischen Rettungsmedaille im Landratsamt in Marburg.

Einfach Augen zu und durch

„In so einem Moment denkt man nicht nach“, berichtete er von der verhängnisvollen Nacht. Dementsprechend könne er auch niemandem einen Tipp geben, wie man sich in so einer Situation verhalten solle. „Einfach Augen zu und durch“, sagte Khirdja. „Ich habe nur an die alte Frau gedacht und nicht überlegt, was passieren könnte“, berichtete der Polizist, der inzwischen Vater einer kleinen Tochter ist. Ein Held sei er deswegen aber nicht. „Das trifft nicht zu, denn das war einfach nur Zivilcourage. Für mich war das ganz normal“, erklärte er gegenüber der OP.

Die Rettungsmedaille empfangen zu dürfen, sei eine „besondere Ehre“, erklärte Khirdja während der Verleihungszeremonie. Zudem nutzte er die Gelegenheit, seinen Eltern zu danken, die ihn und Carolin während der „schweren Zeit“ immer unterstützten. Die Wohnung der beiden in Frankfurt war unbewohnbar, sodass sie zunächst bei Tareks Eltern in Stadtallendorf unterkamen. Inzwischen hat die junge Familie ein eigenes Haus in der Stadt bezogen.

Politiker loben besonderen Mut und Courage

Landrätin Kirsten Fründt (SPD) lobte „den Mut und die Courage“, die Khirdja in einer „für viele unvorstellbaren Situation“ gezeigt habe. In der heutigen Gesellschaft sei ein solches Handeln nicht mehr häufig anzutreffen. „Durch seine Rettungsaktion ist Tarek Khirdja zu einem echten Vorbild geworden und hat anderen Menschen das Leben gerettet. Das verdient großen Respekt und Anerkennung“, erklärte Fründt.

Schäfer befand ebenfalls, „dass das Maß an Egoismus heutzutage andere Dimensionen annimmt als früher. Deshalb wollen wir mit dieser Medaille zeigen, dass dieses uneigennützige Handeln gewürdigt wird“. Khirdja habe „instinktiv richtig gehandelt“ und sich die Auszeichnung daher verdient. „Dabei verleihen wir diese nicht so oft“, hob Schäfer hervor. Mit der Rettungsaktion habe der Stadtallendorfer aufgezeigt, „was Nachbarschaft bedeutet: Nämlich füreinander da zu sein“.

Auch der Stadtallendorfer Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) nutzte die Gelegenheit, Khirdja für seine Aktion zu danken und ihm eine Tüte mit kleinen Präsenten zu überreichen. „Wir sind stolz, dass ein echter Stadtallendorfer soviel Mut und Einsatz gezeigt hat. Mit dieser Aktion haben Sie sich ganz bestimmt auch für die gerettete Frau unvergesslich gemacht“, so Somogyi.

  • In der Fernsehsendung "Maintower" des Hessischens Rundfunks schilderte Khirdja seine Erlebnisse. Die Sendung kann man hier noch einmal ansehen.

von Peter Gassner

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