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Leben zu retten ist der größte Lohn

Wehrführer gibt Amt ab nach 25 Jahren Leben zu retten ist der größte Lohn

Zäsur in Rauschenberg: Nach 25 Jahren im Amt ist Markus Weckesser nicht mehr Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr. Dem Dienst an der Allgemeinheit bleibt er erhalten: als stellvertretender Stadtbrandinspektor und Feuerwehrmann.

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Bürgermeister Michael Emmerich verabschiedete Wehrführer Markus Weckesser.

Quelle: M. Mayer

Rauschenberg. Markus Weckesser war erst 24 Jahre alt, als er in das verantwortungsvolle und Freizeit raubende Amt in der Nachfolge von Helmut Wittekindt gewählt wurde. „Wir hatten damals eine große Lücke im Mittelbau der Einsatzabteilung, viele junge und einige ältere Kameraden. Dazwischen war nichts“, erklärt MarkusWeckesser im Gespräch mit der OP, warum er schon in jungen Jahren in die Verantwortung ­gestellt wurde.

Auf die Aufgabe hatte er sich schon frühzeitig in zahlreichen Lehrgängen vorbereitet. Angst vor der alleinigen Verantwortung am Einsatzort habe er nie verspürt, sagt der Familienvater. „Ich wurde nicht alleingelassen. Die älteren Kameraden und die Kreisführung standen mir zur Seite“, erinnert er sich an die ersten Jahre als Wehrführer.

„Damals hatten wir mit der Tagesalarmstärke kein Problem. Viele Feuerwehrleute arbeiteten in der Stadt. Von meinem ehemaligen Arbeitgeber sind wir manchmal zu viert ausgerückt, der Bauhof stellte sechs bis ­sieben Mann“ thematisiert Markus Weckesser eine wichtige Veränderung. Heute arbeiteten die wenigsten Feuerwehrleute in der Stadt. Die Tagesalarmstärke werde nicht zuletzt durch die großzügige Bereitschaft von SW-Motech, für Einsätze auch Mitarbeiter abzustellen, die nicht der Rauschenberger Wehr angehören, gewährleistet, würdigt Markus Weckesser das Engagement des größten Rauschenberger Arbeitgebers.

"Haben alle das Helfersyndrom"

Dieses Engagement ist extrem wichtig, den die Rauschenberger Feuerwehr und die Wehr aus dem Stadtteil Albshausen sind die B-3-Feuerwehren. Auf dieser vielbefahrenen Bundesstraße ereignen sich immer wieder schwere und schwerste Verkehrsunfälle.

Bei diesen schwierigen und belastenden Einsätzen kommt es gelegentlich zu einem Familientreffen unter Extrembedingungen. Jens Weckesser ist wie sei Vater Mitglied der Rauschenberger Einsatzabteilung. Tochter Laura macht eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin in der Rettungswache Albshausen. „Wir haben alle ein bisschen das Helfersyndrom“, begründet der Vater diese Konstellation.

Der erfahrene Feuerwehrmann räumt ein, dass er bei schweren Unfällen an seine psychische Belastungsgrenze kommt. Um so mehr hat er bei solchen Einsätzen seine Kameraden im Auge. Nach seinen Erfahrungen sind die, die etwas abseits stehen, besonders hilfsbedürftig. Um diese kümmere er sich nach den Einsätzen besonders. Grundsätzlich gehe die Mannschaft nach einem schweren Einsatz nie einfach so auseinander. Das Erlebte werde gemeinsam besprochen und verarbeitet. Niemand solle mit den schlimmen Bildern im Kopf alleingelassen werden, sagt Markus Weckesser, der in diesem Zusammenhang besonders die Arbeit des Kriseninterventionsdienstes um den Rauschenberger Ludwig Pigulla schätzt: „Es ist gut, dass wir diese externe Hilfe haben.“

Motivation: Menschen in einer Notlage zu helfen

Woraus bezieht der Routinier nach tausenden ehrenamtlichen Stunden im Dienst seine Motivation fürs Weitermachen? Das Wissen, einem Menschen in einer Notlage geholfen zu haben, sei die beste Motivation und Leben zu retten der höchste Lohn, antwortet MarkusWeckesser.

Um die Zukunft seiner Mannschaft ist ihm nicht bange: Wir haben eine gute Truppe, die aus der Jugendfeuerwehr und durch Quereinsteiger ergänzt wird. Die Jungs sind extrem wissbegierig, wofür die große Zahl der Gruppen- und Zugführer in der Kernstadt spricht. Die positive Entwicklung wird unter meinem Nachfolger und langjährigem Stellvertreter Thomas Stuhlmann fortgesetzt“, ist sich Weckesser sicher.

Dann würdigte er noch die „Superzusammenarbeit“ mit Bürgermeister Michael Emmerich. Alle Absprachen würden eingehalten. Binnen zehn Jahren habe die Stadt den kompletten Fuhrpark erneuert. Und jetzt verwirkliche sie den Neubau der Fahrzeughalle. Michael Emmerich, der seit 22 Jahren der Josbacher Feuerwehr angehört, gab das Kompliment zurück. „Ich habe früher Unterricht bei Markus gehabt. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer optimal. Als Bürgermeister kann ich mich stets zu 100 Prozent auf ihn verlassen“, würdigte Michael Emmerich den ­Rauschenberger, der noch eine besondere Ehrung erfahren wird.

von Matthias Mayer

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