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Laubfrosch bekommt noch mehr Platz

Biotop Laubfrosch bekommt noch mehr Platz

Die Artgenossen des märchenhaften Froschkönigs, die Laubfrösche, sind in Teilen des Ostkreis noch heimisch. In Niederklein entsteht derzeit ein noch größerer Lebensraum für die geschützten Tiere.

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Bagger und Planierraupe schieben Erde, um das neue Biotop bei Niederklein zu formen. Dort soll sich der Laubfrosch (kleines Foto) wohlfühlen. Fotos: Michael Rinde/ Bioplan

Niederklein. Es gab schon Exkursionen zu jenem Biotop am Rande des Brücker Waldes, um dort dem Froschkonzert zu lauschen. Jenes Biotop soll deutlich größer werden. Bagger und Planierraupe schieben derzeit Erde in einiger Entfernung zur Kreisstraße 94 zwischen Niederklein und Rüdigheim.

Im bisherigen Biotop besteht bereits das größte Laubfrosch-Vorkommen des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Etwa 150 Tiere sind dort zuletzt gezählt worden, im Kreis leben mittlerweile insgesamt nur noch etwa 400 Laubfrösche. Der als stark gefährdet Tierart eingestufte Laubfrosch wird zwischen drei und fünf Zentimeter groß. Für die Froschkonzerte zeichnen alleine die Männchen verantwortlich.

Jetzt wächst die Teichanlage um eine Fläche von etwa 6500 Quadratmeter. Schon in einiger Entfernung ist das tiefere Gewässer zu erkennen, das sich neu bildet. Ein großer Flachwasserbereich entsteht. Rund um einen Teil des Biotops erstreckt sich ein frisch aufgeschütteter Erdwall. Er schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen bildet er einen kleinen Windschutz für das Biotop dahinter. Zum anderen hilft er der Stadt, Geld zu sparen. „Wir hätten die rund 1300 Kubikmeter Erdaushub ansonsten abfahren müssen“, erläutert Ronald Polvika vom Marburger Büro Bioplan. Es hat im Auftrag der Stadt der Stadt das neue Biotop geplant und überwacht den Bau. Rund um das künftige Teichgelände verlaufen alte wie neue Gräben. Sie führen das Wasser dorthin, wo es gebraucht wird, vor allem in die neuen Teichgewässern. Zugleich ist es so angelegt, dass es keine „Überstauungen“ auf angrenzenden Feldern geben soll. „Und im Frühjahr kommt viel Wasser aus dem Wald, das wir gebrauchen können“, sagt Polvika.

Für die Stadt Stadtallendorf ist der Biotopbau eine wertvolle Ausgleichsmaßnahme für Bauprojekte aus Vergangenheit und in Zukunft. So sammelt die Stadt Ökopunkte, um in Zukunft geplante Radwege oder Deicharbeiten in Schweinsberg auszugleichen, wie Uwe Volz von der Stadtverwaltung erläutert. Bürgermeister Christian Somogyi, der die Gemarkung als Niederkleiner gut kennt, weiß, dass schon jetzt viele Fußgänger am bereits vorhandenen Teichgewässer verweilen. Er ist sicher, dass weitere im Frühjahr hinzukommen werden. „Außerdem sind die Gewässer schon jetzt Ruheplätze für vorbeiziehende Vögel“, sagt er. Im vergangenen Jahr wurden dort laut Somogyi bereits kanadische Gänse gesichtet.

Uwe Krüger von der Unteren Naturschutzbehörde, die in der Kreisverwaltung angesiedelt ist, hält das Niederkleiner Projekt für sehr nachhaltig. „Dort wird konzentriert etwas für den Naturerhalt getan, das kommt uns entgegen“, sagt er.

Goldfische gefährden Naturgewässer

Doch es gibt beim vorhandenen Biotop in der Nachbarschaft auch von Menschenhand gemachte Probleme. So drohte ein Teichgewässer bereits umzukippen, nachdem dort wiederholt Goldfischaquarien entleert wurden - ein Thema, das sich auch im Heinz-Lang-Park-Teich schon bemerkbar gemacht hat. „Es ist falsch verstandene Tierliebe, die Goldfische auf diese Weise loszuwerden“, sagt Volz. Wie die OP berichtete, kann eine Goldfisch-Überpopulation gerade kleinere Gewässer zum ökologischen Zusammenbruch bringen.

Schwer wiegt auch, dass auf diese Weise das neuseeländische Nadelkraut am Gewässer eingeschleppt worden ist. In Niederklein befindet sich damit eines von vier hessenweiten Vorkommen. „Das Regierungspräsidium kümmert sich darum, dass dieses Vorkommen schnell wieder verschwindet“, sagt Krüger.

von Michael Rinde

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