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Langenstein ehrt seinen großen Sohn

Dorffest Langenstein ehrt seinen großen Sohn

Langenstein. Am 11. Februar 1397 verstarb Heinrich von Langenstein in Wien. Hätte der Gelehrte, Theologe und Kirchenpolitiker beim Festakt ihm zur Ehren dabei sein können, hätte er sicherlich seine Freude gehabt.

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Die beiden Pfarrerskinder Emma und Moritz enthüllten im Beisein des Ersten Stadtrats Dietmar Menz und dem Vorsitzenden des Dorfvereins Udo Lauer die Gedenktafel, die künftig an den großen Gelehrten erinnern wird.

Quelle: Karin Waldhüter

Langenstein. Mit einem Dorftag, einer Wanderung entlang der Grenzgemarkung, einem feierlichen Festakt mit Enthüllung einer Gedenktafel, Musik, Tanz, Gesang und einem Kinderprogramm feierten knapp 200 Langensteiner am Samstagnachmittag „ihren“ Gelehrten Heinrich von Langenstein.

Mit dem Dorffest trat erstmals der vor gut einem Jahr gegründete Dorfverein als Veranstalter auf, und der Vorsitzende Udo Lauer hatte zu Beginn des Festes alle Hände voll zu tun, um für die zahlreich erschienenen Ehrengäste noch schnell einen Sitzplatz zu organisieren.

50 Grenzgängerwandern um das Dorf

Am frühen Samstagmorgen hatten sich bereits rund 50 Wanderer auf eine etwa neun Kilometer lange Wanderung entlang der Gemarkungsgrenzen gemacht. Am Nachmittag begrüßte dann Udo Lauer auf dem Platz zwischen Kirche, Pfarrhaus und Gemeindezentrum, der jetzt Heinrich-von-Langenstein-Platz heißt, die Besucher. Lauer nutzte die Gelegenheit, allen Vereinsmitgliedern und Helfern, die im vergangenen Jahr „zur Zufriedenheit aller“ die Friedhofspflege übernommen hatten, seinen Dank auszusprechen.

Eröffnet hatte das Fest die Kindergruppe der Volkstanzgruppe Langenstein mit dem Schustertanz. Später zeigten die Jugendgruppe und die Ehemaligen der Volkstanzgruppe ihr tänzerisches Können. Mit dem Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“ begann der Kirchenchor unter der Leitung von Ludwig Lauer den musikalischen Teil des Nachmittags. Bis zur feierlichen Enthüllung der Gedenktafel, die von den beiden Pfarrerskindern Emma und Moritz vollzogen wurde, unterhielt der MGV Langenstein unter der Leitung von Christoph Hohl die Besucher. Stimmungsvoll sang der von Udo Lauer dirigierte Jugendchor das Langensteinlied, das einst von Heinrich Lauer getextet und von seinen Söhnen Ludwig und Udo vertont worden war.

Udo Lauer brachte den Besuchern das Leben und Wirken des Heinrich von Langenstein und seine Stellung in der Welt des 14. Jahrhunderts näher. „Geboren ist er, ja! Und dann wird es schon schwierig“, erklärte Lauer. Erst als Heinrich von Langenstein im Jahre 1363 an der Pariser Universität sein Studium ablegte, sei er in den schriftlichen Quellen aufgetaucht. Dass Heinrich in dem hessischen Dorf Langenstein geboren sei, aus keinem Adelsgeschlecht, sondern aus ärmlichen Verhältnissen stamme und zur Zeit einer Hungersnot Langenstein verlassen musste und sich zu einem Studium nach Paris begab, das gehe aus einer handschriftlichen Notiz von Heinrichs Urgroßneffen, dem Bischof von Trient, Johannes Hinderbach (geb. 1418), hervor.

1363 wird Heinrich von Langenstein Professor der „Freien Künste“, dann im Jahre 1375 Professor der Theologie und schließlich Vizekanzler der Universität Paris. 1382 verlässt er Paris aus kirchenpolitischen Gründen und erhält im Jahre 1384 den Ruf an die Universität Wien. Dort beginnt er mit dem Aufbau des theologischen Fachbereichs und ist an vorderster Stelle an den Reformen der Wiener Universität beteiligt. Am 11. Februar 1397 stirbt Heinrich von Langenstein im Alter von ungefähr 60 Jahren und wird im Stephansdom beigesetzt.

Ein bescheidener und sympathischer Mensch

„Es ist faszinierend, sich mit diesem Mann zu beschäftigen, der bei aller Genialität und Souveränität ein verhältnismäßig bescheidener und wohl auch sympathischer Mensch bleibt - und er ist aus Langenstein!“, unterstrich Lauer. Und bat, den Applaus nicht dem Vortrag, sondern posthum dem „großartigen“ Heinrich von Langenstein zu spenden, was das Publikum auch gerne tat.

Im Jahre 2009 widmete die Universität Wien Heinrich von Langenstein eine Gedenktafel. Daran und an den Besuch in Wien erinnerte die ehemalige Gemeindepfarrerin Svenja Neumann. An der Veranstaltung hatte auch Bürgermeister Jochen Kirchner teilgenommen. Grüße zum Fest übermittelte anschließend Gemeindepfarrer Dr. Christoph Koch. „Wir freuen uns sehr, dass dieser Platz als Ort der Begegnung aufgewertet wird“, erklärte er.

„Die Veranstaltung vom 21. Februar 2009 in Wien hat uns unseren Vorfahren Heinrich von Langenstein und seine Bedeutung wieder in Erinnerung gebracht“, betonte der Erste Stadtrat Dietmar Menz, in Vertretung von Bürgermeister Jochen Kirchner, der zurzeit noch im Urlaub weilt. Es sei beeindruckend, was die Dorfgemeinschaft über den Dorfverein Langenstein in dem einen Jahr schon alles bewegt habe, so Menz.

Ein besonderes Beispiel hierfür sei der Heinrich-von-Langenstein-Platz, den der Verein in Eigenleistung und mit viel ehrenamtlichem Engagement gestaltet habe. „Wir sind froh, dass wir dieses Engagement mit Zuschüssen in Höhe von 2500 Euro unterstützen konnten“, sagte Menz, der Udo Lauer einen ganz besonderen Dank aussprach.

von Karin Waldhüter

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