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Landwirtsfamilie steht Bürgern Rede und Antwort

Kritik Landwirtsfamilie steht Bürgern Rede und Antwort

Die Landwirtsfamilie Trier möchte ihren Milchviehbestand verdoppeln und dazu einen neuen Boxenlaufstall bauen. Einige Erksdorfer Bürger äußerten im Ortsbeirat ihre Bedenken.

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Bürgermeister Christian Somogyi erklärte den Erksdorfer Bürgern unter anderem, warum die Stadt ihr Einverständnis zu dem geplanten Stallbau gegeben habe.Foto: Klaus Böttcher

Erksdorf. Iris Trier, die dem Erksdorfer Ortsbeirat angehört, hatte um eine Sitzung des Gremiums gebeten, um dabei zusammen mit ihrem Mann Rainer der Bevölkerung ihr Vorhaben vorzustellen. Dazu hatten die Triers auch Fachleute der Kreisverwaltung und einen Gutachter eingeladen. Wie brisant den Erksdorfern das Thema erscheint, wurde dadurch deutlich, dass fast 30 Bürger die Veranstaltung besuchten.

„Wir wollen auch in Zukunft ein Vollerwerbsbetrieb bleiben“, erklärte Iris Trier einleitend. Aus wirtschaftlichen Gründen wolle die Familie ihren Betrieb erweitern. Ottfried Engelbach vom Kreisbauamt erklärte, dass bei der Baugenehmigung die Öffentlichkeit nicht vorgesehen sei. Die Landrätin lege aber Wert auf größere Akzeptanz, und Unsicherheiten sollten ausgeräumt werden. Das Genehmigungsverfahren sei noch nicht ganz abgeschlossen, für den Stall indes schon, erklärte er zum Sachstand. Der Stall entspreche dem Stand der Technik, und der Standort sei zulässig.

Klaus-Dieter Denhof, der beauftragte Architekt, erklärte den Neubau. Die Triers wollen einen Boxenlaufstall für 198 Milchkühe oberhalb des vorhandenen Stalles in der Nähe der Biogasanlage bauen. Das Jungvieh wandere in den alten Stall. Jede der 198 Kühe habe eine Liegebox, könne sich aber frei bewegen. Die Kühe gingen selbständig zum Melken in die drei automatischen Melkboxen, die sogenannten Melkroboter. Dadurch laufe alles ruhig und gleichmäßig - den ganzen Tag. Der Stall sei planbefestigt und mit Gülleschiebern an den Laufwegen ausgestattet. Die Gülle werde in einem Querkanal gesammelt und von da zur Biogasanlage gepumpt. Dort werde sie in einem gasdichten Gülle­behälter gesammelt und nach Bedarf ausgebracht.

Zu den Baumaßnahmen gehört auch die Erweiterung des Silos. Die Giebelseiten des Stalles werden geschlossen, eventuell, um für mehr Licht zu sorgen, mit Plexiglasfeldern versehen, erläuterte Denhof. Der Stall sei luftig, größer als frühere Ställe und entspreche artgerechter Tierhaltung.

Diplomingenieur René Pönisch hat im Auftrag der Familie Trier ein Geruchsimmissionsgutachten erstellt, das er den Zuhörern sehr detailliert vorstellte. Das Gutachten habe die Familie freiwillig in Auftrag gegeben, denn es ist nicht erforderlich, stellte später Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi heraus, der zur Erteilung des Einvernehmens seitens der Stadt bei der Fragestunde Stellung bezog. Das Gutachten bezog sich allein auf die Geruchsbelastung. Mit einbezogen wurden dabei auch die bisherigen Belastungen durch Schweine- und Schafhaltung sowie die Biogasanlage. Unter dem Strich ergab das Gutachten, dass durch die neue Anlage die belästigende Wirkung der vorhandenen Belastung nicht relevant erhöht werde.

Paul Neubauer, der Fachdienstleiter für Landwirtschaft beim Kreis, verdeutlichte, dass der Neubau den hessischen Richtlinien entspreche und seiner Dienststelle eine positive Begutachtung vorliege.

Bei den anschließenden Fragen ging es vielfach um die anfallende Gülle. Einige Bürger waren mit der fachlichen Begutachtung nicht einverstanden. So stimme die angenommene Windrichtung über einen längeren Zeitraum nicht. Ein Zuhörer bemängelte, dass der Gutachter nur auf die Geruchsbelästigung eingegangen sei, aber die gesundheitlichen Schäden durch Ammoniak außer Acht gelassen habe. Dazu kam der Einwand, dass dieser Punkt allerdings auch nicht zu seinem Auftrag gehört habe.

Neben der Geruchsbelästigung ging es bei den vielen Fragen der Bürger auch um die zusätzlichen Verkehrsbelastungen. Zudem monierten Bürger, dass beim Stall und der Biogasanlage die Wege nur geschottert seien und dadurch ein Staubbelastung entstehe. „Wir müssen sehen, dass wir das geteert bekommen, und bei der engen Einfahrt muss eine Lösung her“, meinte Ortsvorsteher Helmut Schütz.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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