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Landwirt hat große Bedenken

Sanierung Landwirt hat große Bedenken

Nahezu zwei Stunden dauerte eine Bürgerversammlung zum Thema Brückensanierung in der Gemündener Straße in Wohra. Die Diskussionen brachten aber kein Ergebnis.

Die Brücke in der Gemündener Straße in Wohra muss saniert werden. Ingenieur Marc Böttcher informierte über die verschiedenen
Sanierungsvarianten. Fotos: Archiv/Heinz-Dieter Henkel

Wohra. In den 70er Jahren habe einer seiner Amtsvorgänger sämtliche Brücken im Wohratal begutachten lassen, berichtete Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) eingangs der mit 25 Teilnehmern, vornehmlich aus Wohra, nur mäßig besuchten Bürgerversammlung. Dieses Gutachten sei lange Zeit liegen geblieben, bis beim Bau des Petersburg-Kreisels an der B 3 zunächst die nahe Josbachbrücke und folgend alle anderen Brückenbauwerke in der Gemeinde in den Mittelpunkt rückten.

Man habe alle Brücken besichtigt, eine Prioritätenliste erstellt und angefangen, die ersten Brücken zu sanieren. Jetzt sind die Kassen leer, berichtete Hartmann und bezifferte den aktuellen Kassenkredit bei der Hausbank auf mindestens 1,5 Mio. Euro.

Am Abend ging es um die Sanierung der Brücke über die Bentreff in der Gemündener Straße, die mit einem Kostenaufwand von 230.000 Euro in Stand gesetzt werden soll. Ingenieur Dr. Marc Böttcher aus Wetter erläuterte, dass an dieser Brücke Schäden durch Durchfeuchtung des Mörtels und auch der Sandsteine seien. Das Bauwerk sei in seiner Tragfähigkeit und Standsicherheit eingeschränkt.

Das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk, etwa um 1850 erbaut, sei früher auch nur für Pferdefuhrwerke ausgelegt gewesen und nicht für schweres landwirtschaftliches Gerät, wie es in der Gegenwart im Einsatz sei. Der vorliegende Sanierungsentwurf sehe eine Abdichtung mit Betonbauteilen vor, um die Tragfähigkeit in vollem Umfang zu gewährleisten, wobei die Widerlager im Untergrund nicht „angefasst“ werden sollen.

Die Abstimmung mit der Denkmalpflege habe länger gedauert, berichtete Böttcher. Man könne zwar auf ein zusätzliches Geländer verzichten, eine Höherlegung der Fahrbahn durch die Abdichtung ließe sich aber nicht vermeiden. Als billigere Alternative bot der Ingenieur eine Variante für 66000 Euro. Sie bedeutet aber, dass die Brücke nur noch von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden kann.

Nächster Schritt: wieder ein Ortstermin

In der anschließenden Diskussion ging es zunächst darum, bei der Brücke alles wie derzeit zu belassen.

Das heißt, sie ist auf den Anliegerverkehr beschränkt und darf nur von Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von maximal sechs Tonnen überquert werden.

„Das können Sie machen“, meinte Ingenieur Böttcher. „Nur irgendwann bricht Ihnen dann alles weg und eine Sanierung würde noch wesentlich teurer, weil dann eine grundhafte Erneuerung nötig ist“, ergänzte er. Schließlich befände man sich in einer besonders geschützten Auenlandschaft.

"Eigentum verpflichtet"

Die Brisanz bei dieser Brücke besteht darin, dass ein Landwirt direkt neben der Brücke seinen Hof hat und jenseits der Brücke seinen Lagerplatz. Er muss täglich mehrmals über die Brücke, um Futter für das Vieh zu holen. Ein Umweg über andere Brücken sei wirtschaftlich nicht vertretbar, so der Betroffene.

Bürgermeister Hartmann appellierte an die Landwirte alternativ die Brücke in der Heimbacher Straße zu nutzen und fragte: „Können wir uns in Zukunft noch alles leisten?“ Man hätte noch viele andere, kostenintensive Baustellen in der Gemeinde. „Eigentum verpflichtet“, zitierte Beigeordneter Walter Reuter (SPD) und forderte zum Handeln auf.

Schließlich einigte man sich auf einen Ortstermin zwischen Landwirten, Gemeinde und Ingenieurbüro an der Brücke im Heimbacher Weg, um zu prüfen, ob durch kleine bauliche Veränderungen diese Brücke für Landwirte besser nutzbar gemacht werden kann. Eine Lösung für die Zweifeldbogenbrücke über die Bentreff, gerade für den anliegenden Landwirt ist dies jedoch nicht.

Abschließend versicherte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl-Ludwig Bubenheim, dass es noch genügend Zeit für Gespräche gebe, bis das Parlament entscheide.

von Heinz-Dieter Henkel

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