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Lärmschutz-Wand schützt die Bahn

Es klingt paradox Lärmschutz-Wand schützt die Bahn

Ein neues Bauwerk hat es in Kirchhain innerhalbweniger Tage zum Stadtgespräch geschafft: Es ist der bis zu vier Meter hohe Holzzaun, der den neuen Rewe-Markt an zwei Seiten umgibt.

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Zum Riedeboden hin ist die Holzwand rund vier Meter hoch. Wer den Parkplatz verlassen will sieht rechts nur die Wand und nicht den völlig uneinsehbaren Bürgersteig. Ein Verkehrsspiegel könnte hier Abhilfe schaffen. Fotos: Matthias Mayer

Kirchhain. Bei der offiziellen Einweihung des Marktes Im Riedeboden fühlte sich Bürgermeister Jochen Kirchner angesichts des Zauns an das Hochsicherheitsgefängnis Stammheim erinnert. Bürger rätselten über Sinn und Zweck der hölzernen Wand, die weder der Bauherr noch die Stadt gewollt haben.

Kirchhains Bauamtsleiter Volker Dornseif löst das Mysterium um das großflächige Bauwerk auf. Bei den Holzzäunen handele es sich um Lärmschutzwände, die auf Betreiben der Deutschen Bahn errichtet worden seien. Die Lärmschutzwände dienten dem Schutzbedürfnis der Deutschen Bahn.

Das klingt zunächst völlig paradox, denn schließlich sind die von einem Supermarkt ausgehenden Geräusche keineswegs geeignet, Mitarbeiter und Fahrgäste der Bahn akustisch in Angst und Schrecken zu versetzten. Der Hintergrund: Um den Bau des Rewe-Marktes zu ermöglichen, musste die Stadt den Bebauungsplan ändern. Während der Offenlage des Plans haben die „Träger öffentlicher Belange“ sowie Anlieger die Möglichkeit, Einwände und Anregungen vorzubringen. Das hat die Bahn als Anlieger getan.

Nach § 15 der Baunutzungsverordnung dürften bestehende Unternehmen wie zum Beispiel die Bahn durch die Veränderung von Bebauungsplänen in ihrem Betrieb nicht limitiert werden, erklärte Dornseif. Deshalb habe die Bahn auf den Bau der Lärmschutzwände bestanden. Ein Gutachter habe die Lärmbelastung durch die Bahn im Riedeboden ermittelt und daraus die heutigen Dimensionen der Lärmschutzwände errechnet, erläuterte Dornseif die Entstehungsgeschichte.

Ein OP-Leser machte die Redaktion auf einen unangenehmen Nebeneffekt der Holzwände aufmerksam. Wer den Rewe-Parkplatz verlässt, habe wegen einer nach innen gezogenen Holzwand keine Sicht auf den Bürgersteig. Das bestätigte sich bei einem OP-Ortstermin.

Das Problem sei bekannt, sagte Volker Dornseif. Bei der nächsten Verkehrsschau solle geprüft werden, ob gegenüber der Ausfahrt ein Verkehrsspiegel angebracht werden könne, sagte der Bauamtsleiter.

von Matthias Mayer

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