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Längst vorbei, aber unvergessen

Die Wohratalbahn wird morgen 100 Jahre alt Längst vorbei, aber unvergessen

„Die Welt steht uns offen,Jetzt haben wir es fein,Wie schnell können wir in Kirchhain sein,Man setzt sich in die Eisenbahn rein,Für wenig Geld bei Regen und Sonnenschein.“

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Die Postkarte zeigt unter anderem den Bahnhof Ernsthausen-Wambach, wo am 1. Mai das 100-jährige Bestehen der Wohratalbahn gefeiert wird.

Quelle: Sammlung Annerose Kretschmer

Ostkreis. Der Halsdorfer Gustav Bubenheim war es, der am morgigen Mittwoch vor genau 100 Jahren in seinem Heimatort Halsdorf mit diesen Reimen den ersten Zug der neuen Wohratalbahn begrüßte. Acht Strophen umfasst sein Gedicht, das für zwei vordergründig widersprüchliche Gefühle steht: große Heimatliebe und große Freude, die Heimat jetzt leicht verlassen zu können.

Die neue Bahnstrecke war für die Menschen das Tor zur Welt und entsprechend euphorisch begrüßten Tausenden Menschen entlang der Strecke den Eröffnungszug. Girlanden schmückten Lok und Waggons; auf dem Rauchkammer-Deckel prangte in großen Lettern: „Gott grüsse Dich, Wohratal“.

Als nur 58 Jahre und 27 Tage später der letzte reguläre Personenzug von Gleis 5 des Kirchhainer Bahnhofs Richtung Wohratal abfuhr, hatte die Bahn noch nicht einmal ein Schild für den betagten Schienenbus vorbereitet. Dieses gestaltete der Kirchhainer Künstler Eigen Dürfeldt mit seiner markanten Urkunden-Schrift. Achteinhalb Jahre später war es um die 19,2 Kilometer lange Strecke bis Gemünden/ Wohra ganz geschehen. Die Bundesbahn stellte den Güterverkehr auf dem ausgefahrenen Gleis ein. Die Strecke, die hinter Gemünden über die Kellerwaldbahn bis Zimmersrode führte, wurde zunächst stillgelegt. Zügig schuf die Bahn im zweiten Schritt Fakten, indem sie die Strecke demontierte.

Das ist nun schon ein halbes Menschenleben her. Gleichwohl ist die Wohratalbahn nicht in Vergessenheit geraten. Das zeigen die Anstrengungen des Ernsthäuser Bürgervereins Aktive Störche, die am 1. Mai zu einem großem Jubiläumsfest an den ehemaligen Bahnhof Ernsthausen-Wambach einladen (Bericht folgt). Das zeigt aber auch die Resonanz auf einem OP-Aufruf, der Redaktion Fotos aus der Betriebszeit der Wohratalbahn zur Verfügung zu stellen, gezeigt hat.

Die Neustädterin Annerose Kretschmer schickte Fotos vom Bahnhof Ernsthausen, Dienst- und Wohnsitz ihrer Großeltern- Ihre Großmutter Elise Gnau wirkte dort nach ihrer Erinnerung von 1914 bis 1945 als Bahnhofsvorsteherin; ihr Großvater Heinrich Gnau arbeitete als Rottenmeister für die Bahn.

Der heute in Rabenenau lebende Kirchhainer Karl Wagner hat als Kind „den Dampf der Wohratalbahn regelrecht eingeatmet, denn der Enkel des „königlich-preußischen Lokomotivführers“ Hermann Wagner und der Sohn des Ober-Zugführers Karl Wagner wuchs in Kirchhain in einem Eisenbahnerhaus direkt an der Strecke auf. Über diese sowie über die Ohmtalbahn brauste sein Großvater Hermann Wagner noch mit Volldampf.

Auch der Großvater von Marco Sommer gehörte als Schaffner zum fahrenden Personal der Wohratalbahn. Und er wusste offenkundig geschickt mit der Kamera umzugehen. Der Stadtallendorfer hat den Fotonachlass seines Großvaters digitalisiert und für die Nachwelt erhalten.

  • Der bekannte Eisenbahn-Historiker Volker Haupt hat die Geschichte der Wohratalbahn und der Kellerwaldbahn kenntnisreich und umfassend aufgearbeitet. Seine Arbeit findet sich im Jahrbuch 2011 des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

von Matthias Mayer

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