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Längere Haft für Schmuggelfahrten

Drogenprozess Längere Haft für Schmuggelfahrten

Über zwei Kilogramm Marihuana schmuggelten Niederländer bis nach Stadtallendorf. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft standen sie deshalb vor Gericht.

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Vor dem Amtsgericht Marburg mussten sich vier Angeklagte wegen Drogenschmuggels verantworten.

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Seit über vier Monaten sitzen die vier Schmuggler bereits in Untersuchungshaft, da bei den jungen Männern sowohl mit Wiederholungs- wie auch Fluchtgefahr zu rechnen war. Drei der geständigen Täter werden weiterhin hinter Gittern bleiben, das Schöffengericht verurteilte sie zu Haftstrafen zwischen zwei und viereinhalb Jahren.

Zwei Schmuggeltouren zwischen Holland und Deutschland warf die Anklage den 30, 33, 38 und 46 Jahre alten Männern vor. Die drei in Holland lebenden, jüngeren Angeklagten brachten im November vergangenen Jahres sowie im Februar jeweils 1000 beziehungsweise 1150 Gramm Marihuana über die deutsche Grenze und lieferten den Stoff bei dem vierten Täter in Stadtallendorf ab. Dabei nutzten sie zur Sicherheit zwei Fahrzeuge. Während zwei der Täter vorausfuhren, nach Kontrollen, Routen und Polizei Ausschau und telefonisch Kontakt hielten, transportierte der Dritte das Drogenpaket in einigem Abstand mit einem gemieteten Wagen.

Onkel animiert zum Kauf

Während die erste Tour problemlos verlief, wurden alle vier bei der Übergabe Ende Februar festgenommen. Sie sitzen seitdem in der Justizvollzugsanstalt Gießen. Die Drogen im Wert von insgesamt 12000 Euro organisierte einer der Schmuggler vor Ort in Holland, nachdem der ältere, in Stadtallendorf lebende Angeklagte und gleichfalls Onkel des Drahtziehers zu dem Kauf aufgefordert hatte.

Die dringende Forderung von seinem Verwandten hätte ihn unter Druck gesetzt und schlussendlich zu der Tat getrieben, gab der Neffe vor Gericht an. Das gelieferte Marihuana verkaufte der Onkel in Deutschland weiter - mindestens 15 Fälle von unerlaubtem, gewerbsmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln wurden ihm daher ebenfalls vorgeworfen. Während der Verhandlung vor dem Marburger Schöffengericht legten alle Angeklagten ein Geständnis ab. „Ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir sehr leid und werde es nie wieder tun“, so der von Reue gezeichnete Konsens der Aussagen.

Staatsanwalt wehrt sich gegen „Märchen“

Ursprünglich ging er bei der Tour von einem spontanen Ausflug aus, bekam erst später mit, dass es sich um eine Schmuggelfahrt handelte, gab der 38-jährige Mittäter anfangs noch an. Dies nahm ihm Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel nicht ab. „Wir brauchen hier keine Geschichten aus 1001 Nacht“, betonte der Staatsanwalt. Die Vorwürfe gaben die Beschuldigten schließlich in vollem Umfang zu. Finanzielle Probleme und die Aussicht auf weitere Drogen hätten sie zu der Schmuggeltour verleitet. Alle vier nahmen selber regelmäßig Cannabis und andere Betäubungsmittel ein, gaben bislang teils mehrere Hundert Euro im Monat für ihre Sucht aus. Als Bezahlung erhielten die drei Kuriere Geld oder einen Anteil an der geschmuggelten Ware.

Zudem waren die beiden Reisen nicht die ersten Kurierfahrten der Angeklagten, teilte einer der Täter mit. Erwischt wurden sie dabei nie, die drei Holländer sind nicht vorbestraft, lediglich der ältere Angeklagte stand im vergangenen Jahr bereits vor Gericht. Aufgrund der Schwere der Taten forderte der Staatsanwalt Haftstrafen für drei der Beschuldigten.

Geständnis bringt mildere Strafe

Nur für den 30-jährigen Angeklagten, der die Tat als einziger von Anfang an zugab, beantragte Sippel eine Bewährung. Die vier Verteidiger der Täter verwiesen ebenfalls auf das geständige Verhalten ihrer Mandanten und sprachen sich für die Annahme eines minderschweren Falls sowie ein mildes Urteil aus. Ein Tatgrund sei die vorhandene Suchtproblematik der Schmuggler sowie, als Niederländer, ein anderer Umgang mit sogenannten „weichen Drogen“ wie dort gesellschaftlich akzeptiertes Cannabis.

Dies ließ das Schöffengericht nicht gelten und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die drei Holländer wurden wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben verurteilt. Während zwei der Kuriere je zwei Jahre und vier beziehungsweise sechs Monate Haftstrafe erhielten, kam der jüngste Täter knapp mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon.

Der 46 Jahre alte Auftraggeber wurde wegen Anstiftung zur Einfuhr in nicht geringer Menge sowie unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die achtmonatige Bewährungsstrafe aus einem früheren Verfahren wurde mit einbezogen. Deshalb muss er weitere zwei Jahre und zwei Monate Haft absitzen.

von Ina Tannert

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