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Lackierhalle wird zum Zankapfel

Unruhe in Amöneburg Lackierhalle wird zum Zankapfel

Ein Bauvorhaben löst in Amöneburg Unmut aus. Das bestätigte Ortsvorsteher Herbert Fischer auf Anfrage der OP.

Amöneburg. Zankapfel sei eine Lackierhalle, um die eine Kfz-Werkstatt im Kappeweg erweitert worden sei. Zur Sache selbst wollte sich der Ortsvorsteher vor einer genauen Klärung des Sachverhalts nicht äußern. Immerhin stuft er das Thema als so wichtig ein, dass er dazu in zwei bis drei Wochen eine Ortsbeiratssitzung einberufen will.

Unter der Woche hatten rund 50 Amöneburger Bürger eine Sitzung des Bauausschusses, so Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg gegenüber der OP, „regelrecht geentert“ und die Abarbeitung der Tagesordnung beeinträchtigt.

Antonie Köhl hatte für einen losen Zusammenschluss von Nachbarn vor dem Ausschuss die Einwände gegen den Betrieb der Lackierhalle vorgetragen. Gegenüber der OP sagte sie, dass es unter den Anwohnern keine Einwände gegen den Betrieb der Kfz-Werkstatt gebe, den Christian Graser in der von seinen Großeltern errichteten Halle in dem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet (Mischgebiet) eingerichtet hat. Hellhörig sei man geworden, als eine große Abzugsanlage auf dem Dach von der zusätzlichen Einrichtungen einer Karosseriewerkstatt und Lackierhalle gekündet habe. Diese sei ohne die in einem Mischgebiet erforderliche Genehmigung gebaut worden. Die Anwohner befürchteten, dass die Anlage giftige Dämpfe ins Freie blase, die die Grundstücke im Mischgebiet und im in direkter Nachbarschaft gelegenen Wohngebiet belasten könne, sagte Köhl. Große Sorgen gebe es auch im Kindergarten und in der Grundschule, die bei Westwindlagen den Emissionen ausgesetzt sein könnten. Zugleich warf Antonie Köhl dem Inhaber vor, gegen das bis zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens geltende Nutzungsverbot verstoßen zu haben.

Geschäftsschädigend

Das wies Christian Graser im Gespräch mit der OP entschieden zurück. Er verhalte sich gesetzestreu und achte das Nutzungsverbot, dass allerdings nur für die Karosseriewerkstatt und die Lackierhalle gelte, nicht für die bestehende Werkstatt.

Der junge Unternehmer zeigte sich enttäuscht über das Verhalten einiger seiner Nachbarn. Statt mit ihm zu reden werde über ihn gesprochen, und dies in höchst unsachlicher und zum Teil sogar geschäftsschädigender Weise. Am Hauptsitz seines Unternehmens in Niederwald habe er nie Probleme mit Anwohnern gehabt, sagte er.

Für das Problem mit der erst nachträglich beantragten Genehmigung machte Christian Graser einen Beratungsfehler verantwortlich. Vor zwei Jahren habe er die Kfz-Werkstatt genehmigungsfrei erbaut. Ihm sei gesagt worden, dass auch eine Lackier- und Karosseriewerkstatt genehmigungsfrei eingerichtet werden könne. Das gelte tatsächlich nur für reine Gewerbegebiete. Er sei gern bereit, nach Abschluss des Genehmigungsverfahren den Genehmigungsbescheid und ein Fachgutachten offenzulegen. Auch ohne diese Dokumente bestehe nicht im geringsten Anlass zu Sorge oder gar Hysterie. Alle seine Anlagen seien geprüft und genügten höchsten Sicherheitsstandards.

Unterstützung bekommt der Amöneburger vom Bürgermeister: „Dass giftige Schwaden über Amöneburg ziehen ist völlig ausgeschlossen“, mahnte Richter-Plettenberg zu einer Versachlichung der in seinen Augen völlig überzogenen Diskussion. Genehmigungsverfahren, Gutachten und die moderne Technik stünden zuverlässig für das Schutzbedürfnis der Bevölkerung, sagte der Bürgermeister, der zu wissen glaubt, was diese Ängste heraufbeschworen hat: Früher habe es in der Nähe eine alte, etwas fragwürdige Lackieranlage gegeben. Die habe man in der Tat in der Umgebung gerochen.

von Matthias Mayer

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