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LED-Effekt nährt zunächst Unruhe

Umrüstung LED-Effekt nährt zunächst Unruhe

Für Städte und Gemeinden rechnet sich die Umstellung ihrer Straßenbeleuchtung auf moderne LED-Technik. Für Bürger sind die neuen Leuchten meist gewöhnungsbedürftig.

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Das linke Bild zeigt die LED-Straßenlampen im Läuser Weg, nur Bürgersteig und Fahrbahn sind beleuchtet. Rechts ist der Effekt der gewohnten Straßenbeleuchtung in der Philipp-Dux-Straße zu sehen, die breitflächig strahlen.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Theo Groll aus Niederklein fürchtet um das Sicherheitsgefühl gerade bei älteren Menschen. Er beklagt die Ausleuchtung der Straßen, in denen die modernen LED-Leuchten stehen. Sie strahlen punktgenau. „Für Ältere ist die Angst, dass sie stolpern müssen, größer geworden“, meint Groll. Er verstehe, dass eine Stadt Energie sparen müsse. „Aber wiegt das den Verlust an Sicherheitsgefühl auf?“, fragt er im Gespräch mit der OP.

Was Groll beschreibt, ist aus Sicht der Stadt typische LED-Effekt. Die Leuchten mit den deutlich kleineren Köpfen strahlen „zielgerichteter“ als die über Jahrzehnte gewohnten „Hochdruck-Quecksilber-Pilzleuchten“. Nach Angaben der Stadtverwaltung geben oder gaben diese alten Leuchten nur rund 20 Prozent ihrer Leuchtenergie auf Gehwege und Straßen ab. Die übrigen 80 Prozent strahlten die Umgebung, also auch Vorgärten und Grundstücke mit aus oder Hausfassaden an, die entsprechend reflektierten.

800 LED-Leuchten im Stadtgebiet

Theo Groll ist nicht der einzige, der sich Gedanken macht. Bei der Stadtverwaltung hat es in den vergangenen Monaten einige Rückmeldungen von Bürgern gegeben. Denn die Stadt hat den Austausch ihrer Straßenlampen im Jahr 2014 vorangetrieben.

Inzwischen brennen rund 800 LED-Leuchten im Stadtgebiet. Ein wenig Eile war dabei auch geboten. Denn ab diesem Jahr gibt es einer EU-Richtlinie entsprechend keine Leuchtmittel mehr für die Quecksilber-Dampflampen, wie Bürgermeister Christian Somogyi gegenüber der OP bei einem abendlichen Ortstermin am Läuser Weg erläuterte. Aufgrund der Rückmeldungen aus der Bürgerschaft habe es an einzelnen Stellen auch schon Änderungen gegeben, beispielsweise seien an dunkler gewordenen Einmündungen zusätzliche Lampen aufgestellt worden. Doch Somogyi wie auch sein Mitarbeiter Manfred Frick ist davon überzeugt, dass die LED-Lampen sehr wohl das, was sie ausleuchten müssen, auch ausleuchten. „Auf dem eigenen Grundstück muss natürlich jeder selbst für eine entsprechende Beleuchtung sorgen. Die Stadt beleuchtet das, wofür sie zuständig ist“, fasst es Somogyi zusammen. Frick berichtet auch von positiven Rückmeldungen. So hätten sich Bürger bedankt, dass ihr Schlafzimmer nachts nicht mehr von der Straße beleuchtet werde.

Gerade was das Sicherheitsgefühl angeht, gibt es in Stadtallendorf aber offenbar Defizite, wie eine Befragung der Hessischen Hochschule für Verwaltung und Polizei ergeben hat (die OP berichtete ausführlich). Bei der Präsentation im Dezember war bereits das Thema „LED-Straßenbeleuchtung“ angeklungen.

Umrüstung kostete 270.000 Euro

Für die Stadt sind neben dem Zwang zum Austausch Energiespargründe ausschlaggebend gewesen. Die neue Technik führt nach Angaben der Verwaltung zu Einsparungen von rund 70 Prozent. Bisher beruht diese Angabe auf Herstellererfahrungen. Ob sich dies bestätigt, lässt sich erst nach etwa einem Jahr Erfahrung mit den neuen Leuchten definitiv sagen. Im Jahr 2013 gab Stadtallendorf für seine insgesamt etwa 3200 städtischen Straßenlampen exakt 359.057,19 Euro aus. Das vergangene Jahr ist noch nicht abgerechnet. Außerdem gelten die LED-Leuchten als wesentlich wartungsärmer und langlebiger. Mit 50.000 Stunden sollen diese Lampen bis zu 5 Mal länger halten als ihre Vorgänger. Angesichts der errechneten Einsparung von 70 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr spricht Somogyi von einem „aktiven Beitrag Stadtallendorfs für den Klimaschutz“. Auch da hat sich die Stadt zu besonderem Einsatz verpflichtet. Sie ist eine der „100 Kommunen für den Klimaschutz“ in Hessen.

Natürlich hat die Umrüstung zunächst Geld gekostet. 270.000 Euro sind ausgegeben worden. Allerdings bekam die Stadt auch Fördermittel von 54.000 Euro vom Bundesumweltministerium dafür. Noch gibt es aber weitere etwa 500 jener alten Quecksilber-Dampflampen. Deren Austausch ist auch noch in der Planung, auch dafür hofft die Stadt auf eine weitere Förderung in diesem Jahr. Nicht ausgetauscht werden im Übrigen historische Lampen, aber auch Lampen an bis zu acht Meter hohen Masten wie in der Niederkleiner Straße. Dort lässt sich die LED-Technik nur sehr eingeschränkt zum Einsatz bringen.

von Michael Rinde

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