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Kunden verlangen das Original

Meerrettich beim Landmarkt Kunden verlangen das Original

1332 erhielt Schweinsberg Stadtrecht und damit auch Marktrecht. Das wird auf dem Marktplatz noch immer gelebt, weil es Bürger gibt, die dreimal im Jahr dort Märkte organisieren.

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Antonia (links) und Sophia Estor präsentierten am Samstag beim Schweinsberger Landmarkt den wild wachsenden Meerrettich, und damit ein Stück Schweinsberger Geschichte: Die Schweinsberger Frauen ernteten den „Merch“ einst auf den feuchten Wiesen und verkauften ihn zur Aufbesserung der Haushaltskasse auf Märkten in der Umgebung. Foto: Matthias Mayer

Schweinsberg. Am Samstagvormittag herrscht echte Wochenmarktatmosphäre auf dem fast bis in den letzten Winkel vollgestellten Marktplatz. Der intensive Duft von frischen Kräutern und Gemüse überlagert sogar die wohligen Gerüche vom Bratwurstgrill und aus der Kaffeemaschine. Die Stände der aus der nächsten Umgebung stammenden Marktbeschicker sind ebenso dicht umlagert wie die Bistrotische im Zentrum des Marktes, wo die Schweinsberger und ihre Gäste bei einer Bratwurst oder einem Becher Kaffee miteinander klönen.

Mittendrin stehen Josef Becker und Reinhard Estor vom Verein Unser Schweinsberg und freuen über die gute Resonanz, die der von ihrem Verein zum dritten Mal ausgerichtete Landmarkt gefunden hat. „Wir wollen Lebensmittel aus der Region in den Vordergrund schieben, und an diesen sind besonders die so zahlreich erschienen jungen Leute interessiert. Die fragen genau nach, woher die Erzeugnisse stammen“, sagt Josef Becker.

Da liegt es nur nahe, dass der Verein den einstigen Schweinsberger Export-Schlager „Merch“ thematisch in den Mittelpunkt des Marktes gerückt hat. „Merch“ steht für die früher auf den feuchten Wiesen rund um Schweinsberg wild wachsende Meerrettichwurzel. Die Schweinsbergerinnen verkauften die scharfen Wurzeln auf den Märkten in der Umgebung. Und da sie die Wurzeln so sorgfältig ernteten, dass sie immer wieder nachwuchsen, versiegte diese wichtige Einnahmequelle in schlechten Zeiten nicht.

„Heute ist es schwierig, wilden Meerrettich zu finden. Der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln ab den 50er-Jahren hat die Pflanze zurückgedrängt“, erklärt Reinhard Estor. Gleichwohl ist es dem Verein gelungen, ausreichend viele Wurzeln für den Markt zu stechen. Und die gehen zur Überraschung des stellvertretenden Ortsvorstehers viel besser weg, als der küchenfertige Meerrettich in Gläsern. „Der Zuspruch ist gut, und die überraschend vielen auswärtigen Gäste loben die Idee, einen solchen Markt zu etablieren“, stellt Reinhard Estor fest.

Den nächsten Landmarkt gibt es im Frühjahr rund um das Thema Garten, Pflanzen, Saatgut. Zuvor lädt der Verkehrsverein im Dezember zum Weihnachtsmarkt.

von Matthias Mayer

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