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Kult um die „KuRa-Bar“ lebt weiter

TSV Kirchhain Kult um die „KuRa-Bar“ lebt weiter

In diesem Jahr will der TSV Kirchhain endlich seinen Kunstrasenplatz abbezahlt haben. Die über die Stadtgrenzen hinaus populär gewordene „KuRa-Bar“ soll allerdings weiterleben.

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Eckhard Drescher (links) und Wolfgang Budde zeigen auf dem Kunstrasenplatz das Schild der Kirchhainer „KuRa-Bar“.

Quelle: Yanik Schick

Kirchhain. Fast zehn Jahre liegt der Tag zurück, an dem sie beim TSV Kirchhain zum ersten Mal das Wort Kunstrasenplatz in den Mund genommen haben. Bei einer Thekendiskussion im April 2007 entstand bei einigen Mitgliedern der Wunsch, den ungeliebten Hartplatz in einen modernen Kunstrasen umzuwandeln. Schon nach ersten Gesprächen war den Vereinsverantwortlichen allerdings klar: Für einen Großteil der Kosten wird der TSV angesichts klammer öffentlicher Kassen selbst aufkommen müssen. Später gab es dazu genaue Zahlen: 320000 Euro kostete der neue Platz, der im Sommer 2009 übergeben wurde. 80000 Euro bekam der Verein an Zuschüssen. Der Rest musste durch Eigenanteil erbracht werden.

Abschrecken lassen wollte sich von dieser Vorstellung niemand. Stattdessen entwickelte der extra gegründete Förderverein ein Modell, das die Frage der Finanzierung weitgehend zu lösen versprach: Förderer, insbesondere Gewerbetreibende, bekamen die Möglichkeit, gegen eine Spende „Pate“ für einen Teil des neuen Kunstrasenplatzes zu werden. Der Plan ging aber nicht ganz auf: „Es war schwierig, genügend Patenschaften zu finden“, erinnert sich Wolfgang Budde vom Förderverein. „Wir sind an die Sache relativ blauäugig herangegangen“, räumt das engagierte TSV-Mitglied Eckhard Drescher ein.

Erste "KuRa-Bar" war Hauruck-Acktion

Die Kirchhainer brauchten also zusätzliche Einnahmequellen, um den Traum vom Kunstrasen fortleben zu können. Noch im Jahr 2007 veranstaltete der TSV unter anderem einen Autowaschtag, ein Fußball- und ein Oktoberfest. Dann rückte der Neujahrsmarkt näher, an dem die „Kunstrasen-Bar“ ihren Ursprung feiern sollte. Erst drei Tage vorher war kurzfristig im Verein die Idee entstanden, eine Party in den Räumlichkeiten des Bahnhofs zu veranstalten. „Es war Zufall. Der Bahnhof stand zu diesem Zeitpunkt leer, da hat es sich angeboten“, erzählt Wolfgang Budde.

In einer Hauruck-Aktion schmückten die Mitglieder die beiden Räume für den Abend am Neujahrsmarkt, dessen Verlauf schließlich alle Erwartungen der Veranstalter weit übertraf. Rund 1000 Gäste drängten sich in die kleine Bar, noch in der Nacht mussten mehrere Fässer Bier nachgeliefert werden. „Es sollte eigentlich eine einmalige Geschichte sein mit der ‚KuRa-Bar‘“, sagt Eckhard Drescher. Doch dabei konnte es nach dieser Nacht nicht bleiben.

Die „KuRa-Bar“ im Bahnhof wurde in den folgenden Jahren Kult – nicht nur am Neujahrsmarkt, sondern zunehmend auch an anderen Tagen im Jahr. Dem TSV Kirchhain gelang es, regelmäßig Hunderte Feierfreudige zusammenzubringen. Doch warum dieser schnelle Erfolg? „Weil es so eine Fete bis dahin in Kirchhain nicht gab“, glaubt Eckhard Drescher zu wissen. Als der Bahnhof im Jahr 2013 von einem Investor umgebaut wurde, wich der TSV zunächst ins Bürgerhaus und danach in die Bullenhalle aus, in der die „KuRa-Bar“ mittlerweile ihren festen Platz gefunden hat. Beim Neujahrsmarkt zuletzt sei die Halle ausverkauft gewesen, so Drescher.

Partyreihe mit Markencharakter

Im vergangenen Jahr gab es aber auch vereinzelt Kritik. Am ersten Oktoberwochenende, an dem die „KuRa-Bar“ eine Party durchgeführt hatte, war es zu massiven Vandalismus-Schäden in der Stadt gekommen. Bürgermeister Olaf Hausmann sagte danach, man müsse darüber „nachdenken, ob solche Veranstaltungen noch angeboten und genehmigt werden können“. Wolfgang Budde entgegnet: „Es ist ja nicht der Fall, dass dauerhaft und nur nach Veranstaltungen der ‚KuRa-Bar‘ irgendwo etwas kaputtgemacht wird.“ Deshalb sei das Thema inzwischen vom Tisch.

Im Gegenteil sogar: Die Partys sollen Fortbestand haben, auch wenn der Kunstrasenplatz in diesem Jahr wohl endgültig abbezahlt werden kann. Die „KuRa-Bar“ habe sich „zu einer Marke entwickelt“, sagt Eckhard Drescher und fügt hinzu: „Ich behaupte, es ist die größte Partyreihe mit unterschiedlichen Veranstaltungen im Landkreis.“ Darüber hinaus sei der Verein dadurch noch enger zusammengerückt – und genau diese Geschlossenheit ist es, die der TSV auch für die Zukunft aufrechterhalten möchte.

von Yanik Schick

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