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Künstler plant ein "Denk-Mahnmal"

Altlastensanierung Künstler plant ein "Denk-Mahnmal"

Jahrzehntelang standen sie leer im Wald. Jetzt zerkleinern "Pulverisierer" die alten Lagerstätten und das frühere Laboriergebäude der Füllstelle I des Wasag-Werkes. Ein Künstler möchte ein Mauerelement für ein Denkmal nutzen.

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Ein „Pulverisierer“ zerlegt ein Betonstück des früheren Laboriergebäudes der historischen Füllstelle I. Fotos: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Mit einem kleinen Block in der Hand steht Michael Feldpausch vor einem Lagergebäude. Er skizziert mit Bleistift ein Mauerelement. Es könnte in nicht allzu ferner Zukunft an anderer Stelle stehen und Teil eines Denkmales in Stadtallendorf sein. Der Rest jenes Gebäudes ist Sache der Abbruchbagger.

Schlicht „die Füllstelle“ soll die Installation mit mehreren Elementen heißen. Künstler Feldpausch will eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen. Ein Element ist jenes historische Mauerelement. Hinzu kommen „Füllobjekte“, wie sie Feldpausch beschreibt. Dies könnten zum Beispiel Trichter sein, in „die Symbole für eine bessere Zukunft“ gefüllt werden. Und da baut der Ubbelohde-Preisträger auf die Jugend. Er hat Kontakt mit der Georg-Büchner-Schule. Junge Menschen haben schon einige Ideen für solche Symbole. Etwa einen kleinen Würfel, auf dem das Wort „Frieden“ buchstabiert ist. Dann wäre der Betrachter gefordert. Bei der Vorstellung seiner Idee bei einem Baustellentermin der OP fällt das Wort vom „Denk-Mahnmal“. Alle, denen er sein Projekt vorgestellt habe, hätten sehr positiv darauf reagiert, fasst Feldpausch die bisherigen Reaktionen darauf zusammen. Wichtig ist ihm, alle Beteiligten einzubinden und mitzunehmen beim Entstehen der Installation. Feldpausch ist ein ausgewiesener Experte für die künstlerische Aufarbeitung der Stadtallendorfer Vergangenheit. Es geht ihm um ein Erinnern wie auch um das Weiterdenken zugleich.

Projektleiter Karl-Wilhelm Schütz vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (ursprünglich Staatsbauamt) und die örtliche Bauleitung sind von Feldpausch bereits angesprochen worden. Sie haben dem Künstler die Möglichkeit gegeben, sich auf der Baustelle zu informieren und nach einem Mauerelement zu schauen. Das Mauerelement müsste vom Abbruchunternehmen herausgetrennt werden. Alles andere wäre dann Feldpauschs Angelegenheit. „Es spricht nichts gegen die Umsetzung und es behindert die Baumaßnahme auch nicht“, sagt Schütz. Rückendeckung findet der Künstler auch bei Bürgermeister Christian Somogyi. Er begrüße die Idee und freue sich darüber, dass sie gemeinsam mit jungen Menschen umgesetzt werden soll. Wenn das Konzept endgültig fertig sei, ließe sich über einen Platz für das Denkmal in Stadtallendorf sprechen.

Seit Montag sind die Abbruchbagger dabei, die früheren Produktionsgebäude abzureißen. Das geschieht so schonend wie möglich. Ein „Pulverisierer“, im Grunde eine überdimensionale Zange, zerkleinert Betonelemente. „Es zerknipst sie regelrecht“, erklärt Schütz beim Baustellenbesuch. Ohne Lärm geht das allerdings nicht.

Neben Bodenplatten gibt es Belastungen

Das Ende ist aber absehbar. Im Laufe der übernächsten Woche dürften die Bagger wieder abrücken. Die Abbruchexperten haben es mit einem Beton zu tun, der extrem hochwertig ist, wie Schütz betont. Auf den Einsatz eines Brechers verzichtet das Land dabei. Ein Brecher könnte das Material direkt vor Ort zerkleinern, was allerdings mit großem Lärm und nicht zuletzt auch mit Staub verbunden wäre. So wird der Schutt auf einheitlich große Stücke zerkleinert und abtransportiert. Die Halden über den eigentlichen Füllgebäuden sind inzwischen weitgehend verschwunden. In einem Bauabschnitt sind die Bagger noch bei der Arbeit. Diese Halden sind nach der Sprengung der eigentlichen Produktionsgebäude entstanden (die OP berichtete). Am Ende bleiben dann die Bodenplatten. In ihrer Umgebung erwarten die Sanierer von Bund und Land dann die höchsten Bodenbelastungen. Rund um die Platten gibt es in einigen Wochen noch einmal besondere Bohrungen. Dann dürfte es noch mehr Klarheit über die Belastungssituation geben. Die Gefahren lägen eben an der Sohle der früheren Gebäude, erläutert Schütz.

Bisher blieben die Arbeiten von negativen Überraschungen weiterhin verschont. Es habe auch in den vergangenen Wochen weiterhin keinerlei Munitionsfunde gegeben, berichtet Bauleiter Andreas Jäkel vom Büro „Born+Ermel“.

Wenn alle Sanierungsarbeiten gelaufen sind, entsteht am Ort der historischen Füllstelle I wieder Wald. Auch die Betonstraßen sind dann bis auf einzelne Durchfahrtswege Geschichte. Der Bundesforst übernimmt die Wiederaufforstung.

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