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Künstler lässt der Farbe freien Raum

Künstler lässt der Farbe freien Raum

Unter dem Titel „Emotionen in Farbe“ sind derzeit 31 Werke des Stadtallendorfer Künstlers Michael Feldpausch im Rathaus zu sehen.

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Der Künstler Michael Feldpausch (Mitte) steht bei der Eröffnung gemeinsam mit den Besuchern Martin Peters und Erika Peters vor dem Triptychon „Verflüchtigende Erinnerung“ . Foto: Waldhüter

Stadtallendorf. Bereits während der Eröffnung erhielt die Ausstellung viel Beifall von den rund 100 Besuchern. Manchmal entstehen seine Kunstwerke, indem Michael Feldpausch der Farbe scheinbar freien Raum lässt. Durch Wenden und Drehen, Wischen und teilweises Abspülen der Farbe, erscheinen die Kunstwerke, als ob sie aus dem Bauch heraus entstanden sind. Und doch liegt in dem Schaffen eine Grundidee und erst das Wissen um Form und Farbe führt zu dieser gewollten Wirkung. Schon von Kindesbeinen an hat Feldpausch die Wirkung von Farbe begeistert. Der 65-Jährige will den Betrachter mit seinen Werken berühren und Emotionen auslösen. Und dass gelingt dem Gründungs- und Vorstandsmitglieds der Künstlervereinigung Marburg-Biedenkopf und Vorsitzenden des Stadtallendorfer Kulturkreises mit seiner Ausstellung „Emotionen in Farbe“ vortrefflich.

Die Ausstellung ist die dritte, die im Zuge der Reihe „Kunst im Rathaus“ gezeigt wird. Sie verdeutlicht in beeindruckender Weise die große künstlerische Vielfalt des Otto-Ubbelohde-Preisträgers. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung trifft der Besucher im hinteren Teil des Rathausfoyers auf das Bild „Geschunden“. Es berührt und fesselt gleichermaßen. Es zeigt einen Menschen in tiefsten Schmerz, den Mund zum stummen Schrei weit aufgerissen und die Augen im Leid fest geschlossen, stellt sich dem Betrachter die Frage: „Was hat dieser Mensch erlebt?“.

Sechs der gezeigten Werke zeigen verzweifelte, gedemütigte Menschen. Sie sind Momentaufnahmen und sollen den Betrachter für Menschen, die in Not geraten sind, sensibilisieren. Michael Feldpausch hat die Skizzen, die bereits vor einigen Jahren entstanden sind, für die Ausstellung mit Farbe bearbeitet und mit Passepartouts versehen.

Besondere Würdigung für ermordete Stadtallendorfer

Doch auch die deutsche Vergangenheit thematisiert Feldpausch in der Ausstellung. Zu sehen ist das Triptychon „Verflüchtigende Erinnerung“ mit eingeritzten Namen ehemaliger Stadtallendorfer Bürger, die im KZ oder auf dem Weg in ein KZ umgekommen sind. Durch seine Malerei und sein Engagement im Kulturkreis hat sich Michael Feldpausch längst einen Namen in Stadtallendorf gemacht. Bekannt ist er aber auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus durch seine Ausstellungen im In- und Ausland.

So zeigte er seine Werke mehrfach in Süd-Korea und 2013 in Bologna (Italien). Spontan gratulierten dem Künstler zahlreiche Besucher während der Vernissage zu der gelungenen Ausstellung „Die Vielfalt der gezeigten Werke ist beeindruckend, ich werde noch einmal kommen, um die Bilder in Ruhe genießen zu können“, erklären Martin Peters und Erika Peters während eines Rundgangs. Zu sehen sind auch zahlreiche Aquarelle, die im vergangenen Jahr speziell für die Ausstellung entstanden sind. Sie zeigen heimatliche Motive, wie zum Beispiel die Kirche St. Katharina im Winter oder eine Kornfeld bei Hatzbach. Daneben beherbergt die Ausstellung abstrakte Werke, die durch ihre Farbgebung bestechen.

Musikalisch eröffnet und umrahmt wurde die Vernissage, unter der Leitung von Philipp Schütz, von Alena Weitzel und Jonathan Willsch von der Sing- und Musikschule. Die Laudatio hielt Bürgermeister Christian Somogyi. Das so viele Besucher gekommen seien, dass spreche für den Künstler, erklärte er.

„Michael Feldpausch ist ein Künstler, der Emotionen in Farbe fassen kann“, würdigte das Stadtoberhaupt. Für Michael Feldpausch ist es nach 1984 die zweite Ausstellung im Rathaus. Feldpausch würdigte die Unterstützung durch die Stadtverwaltung.

Eine besondere Aufgabe hielt er für Mitarbeiter Toni Schott bereit. Er betätigte einen Schalter, um die Glasmalerei „Der Frosch tanzt“ ins rechte Licht zu rücken.

Zu sehen sind die Werke im Rathaus bis zum 18. März zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung.

von Karin Waldhüter

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