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Künstler kämpft für Ai Weiwei

Solidarität Künstler kämpft für Ai Weiwei

Am Ortseingang von Schönbach steht ein rund zehn Meter hoher Hochstuhl in einem Garten. An ihm hängen chinesische Fahnen und Transparente.

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Dieser Hochstuhl soll dazu beitragen, dass Ai Weiweis Situation nicht vergessen wird. Foto: Helmut Schaake

Schönbach. Wer aus Richtung Anzefahr nach Schönbach hineinfährt, sieht den Hochstuhl auf der linken Seite in einem Garten stehen. Viele Passanten bleiben spontan stehen und fragen den Künstler Friedrich-Karl „Fritz“ Brandt nach dem Wieso und dem Warum. Brandt hat sein Werk „Big Bang“ getauft.

„Big Bang“ entstand aus Solidarität mit einem weltweit populären mutigen, engagierten Künstler. Schon im Jahr 2011 hat der Schönbacher Friedrich-Karl Brandt eine Installation mit dem Titel „Ai fehlt“ auf der Kunstausstellung in Marburg gezeigt.In diesem Jahr ist das Thema immer noch aktuell: Ai Weiwei ist zwar frei, kann im Land reisen, darf China aber nicht verlassen. Friedrich-Karl Brandt macht sich weiter für Ai Weiwei, für seine Kunst und sein Engagement stark und will darum mit „Big Bang“ ein Zeichen setzen. Der Hochstuhl ist so groß geraten, weil er Brandts Botschaft bis nach China tragen soll: „Mr Xi, China ist groß und kann stolz sein auf Ai Weiwei. Geben Sie ihm jede Freiheit! Er ist würdiger Botschafter seines Landes“, sagt Friedrich-Karl Brandt in Richtung des chinesischen Staatspräsidenten.

Hochstuhl soll bis zum Ende der Biennale stehen bleiben

Auf Ai Weiwei wurde Brandt im Jahr 2007 durch dessen Beiträge zur documenta aufmerksam Dort zeigte Ai Weiwei in mehreren Beiträgen wie dem Türenturm oder „1000 Stühle, 1000 Chinesen“ sein soziales und sein gesellschaftspolitisches Engagement und seine tiefe Verwurzelung in der reichen Historie seines Landes und seines Volkes, so berichtet der Schönbacher. In einer Künstlerfamilie aufgewachsen erfuhr Ai Weiwei schon bei seinem Vater, einem Schriftsteller, was es heißt, in einem totalitären System seine kritische Stimme zu erheben: Zensur, Schreibverbot, Überwachung. Der Künstler Ai Weiwei lieferte 2002 den preisgekrönten Entwurf für das Olympiastadion in Peking, das 2008 eröffnet wurde. Mit diesem „Vogelnest“ wollte Weiwei eigentlich Freiheit für alle chinesischen Bürger symbolisieren, es wurde aber durch die chinesische Führung in eine Demonstration der Macht und Stärke umfunktioniert. Daraufhin fühlte sich Ai Weiwei missbraucht Seitdem erhebt er immer wieder seine Stimme und prangert die Auswüchse des schnellen wirtschaftlichen Aufstiegs seines Landes an. Ai Weiwei wurde so unbequem, dass die Kommunistische Partei versuchte, den Künstler mundtot zu machen, indem sie ihn wegen angeblicher Steuerhinterziehung anklagte und 2011 ins Gefängnis warf. Auf internationalen Druck wurde er nach 80 Tagen unter Auflage des Stillschweigens zwar entlassen, aber unter Hausarrest gestellt. Nach vorläufiger Einigung in der angeblichen Steueraffäre darf Ai Weiwei sich wieder im Land frei bewegen, erhielt aber keinen Pass für Auslandsreisen.Ai Weiweis Beitrag zur Biennale in Venedig im deutschen Pavillon mit dem Titel: „Bang“ besteht aus 886 dreibeinigen Holzhockern, die er über viele Jahre gesammelt hat. Ein vergrößertes Duplikat steht in Schönbach. „Als wir mit dem Aufstellen begannen, gab es im Dorf wilde Spekulationen, bis hin zur Vermutung, es könne sich um einen kleinen Bohrturm handeln“, sagt Brandt. In einer Gemeinschaftsaktion sei der Hochstuhl dann aufgerichtet worden. Er soll möglichst bis zum Ende der Biennale in Venedig im November stehen bleiben.

  • Im Blickpunkt: Friedrich-Karl Brandt: Der  67-jährige Schönbacher Künstler  konzentriert sich bei seiner Arbeit auf   Objekte im Großformat. „Meist geht es um gesellschaftspolitische Aspekte, ein zentrales Thema ist Gerechtigkeit“, sagt Brandt über seine Arbeit. Männer wie Ai Weiwei imponierten ihm sehr.

von Helmut Schaakeund Michael Rinde

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