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Küken sind nach 18 Wochen flügge

Geflügelhof Reinkemeier Küken sind nach 18 Wochen flügge

Viele Legehennen aus dem Landkreis werden auch hier großgezogen. Auf dem Geflügelhof Reinkemeier in Anzefahr bekam die OP einen Einblick in die Küken- und Junghennenaufzucht.

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Familie Reinkemeier-Kraus zieht jährlich etwa 100 000 Junghennen auf, die Hälfte nach Bioland-Richtlinien

Quelle: Tobias Hirsch

Anzefahr. Höflich klopft Iris Reinkemeier-Kraus auf ihrem Geflügelhof im Kirchhainer Ortsteil Anzefahr an das Stalltor. Einen kurzen Moment wartet sie ab, bevor sie die Tür öffnet und den auf 30 Grad geheizten Raum betritt. „Angeklopft wird immer“, sagt die Diplom-Agraringenieurin – damit die Tiere direkt hinter der Tür etwas Platz machen und nicht aufgescheucht werden.
Etwas erschrocken rücken die kleinen Küken in einer Ecke des mit Stroh eingestreuten Scharraums dichter zusammen. Es dauert einen Augenblick, dann werden sie zusehends mutiger und erkunden die neue Umgebung in ihrem Abteil des Hühnerstalls. Dieses haben die gerade mal zwei Tage alten Küken erst am Tag zuvor bezogen.

Viele Legehennen aus dem Landkreis werden auch hier großgezogen. Auf dem Geflügelhof Reinkemeier in Anzefahr bekam die OP einen Einblick in die Küken- und Junghennenaufzucht.

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Iris Reinkemeier-Kraus und ihr Mann Tobias Kraus führen seit 15 Jahren den Familienbetrieb, den Maria und Hubert Reinkemeier 1960 aufgebaut haben. „Bis 2000 haben meine Eltern auch eine eigene Elterntierherde gehalten“, erklärt Reinkemeier-Kraus. Das heißt, die befruchteten Eier wurden noch auf ihrem Hof ausgebrütet. Mittlerweile übernehmen diese sehr arbeitsintensive Aufgabe Betriebe, die sich darauf spezialisiert haben – sowohl für die konventionelle Haltung als auch nach Bio-Richtlinien. „Dass es das so heute eigentlich nicht mehr gibt, hat auch Hygienegründe“, erklärt Tobias Kraus. Und so werden die Küken am ersten Tag nach dem Schlüpfen in einem temperierten Transporter nach Anzefahr gebracht. Jeweils 100 Küken teilen sich eine Kunststoffkiste. Die Küken von konventionell gehaltenen Eltern kommen aus einer Brüterei in Nordrhein-Westfalen und die Bio-Küken aus einem Betrieb nahe Nürnberg.

Weil sich Hähne positiv auf das Sozialverhalten auswirken, kommen für jede Gruppe im Stall auch etwa 50 bis 70 männliche Vertreter mit. Für die übrigen Eintagshähnchen gibt es in der Aufzucht von Legehennen keinen Bedarf. Sie werden noch in der Brüterei getötet und an Wildvögelstationen und Zoos geliefert. Seit August des vergangenen Jahres werden auch den konventionellen Küken für die Reinkemeiers in der Brüterei nicht mehr die Schnäbel gekürzt.
Die Reinkemeiers ziehen im Jahr etwa 50 000 Junghennen in konventioneller Bodenhaltung und 50 000 nach Bioland-Richtlinien auf. „Bei der Aufzucht hat jeder ein etwas anderes Konzept“, erklärt Kraus. Vom Grundsatz her laufen in Anzefahr die konventionelle und die ökologische Haltung gleich ab.

In der ersten Woche halten Reinkemeiers die jungen Tiere im sogenannten Scharraum, der etwa ein Drittel des Stallabteils einnimmt. Die Küken benötigen in dieser Zeit noch eine Raumtemperatur von etwa 30 Grad. „Zusätzlich hängen wir Heizstrahler auf, unter denen sich die Küken immer wieder aufwärmen können, wenn sie zum Beispiel an der Tränke nass geworden sind“, erklärt Kraus. Diese Strahler bewirken außerdem, dass die Temperatur immer wieder leicht über die gewünschte steigt. Dadurch schaltet sich in regelmäßigen Abständen die Belüftung automatisch ein.

Gefüttert werden die Tiere zu Beginn noch über Futterschalen. Über das Futter und das Wasser nehmen sie auch Impfungen auf. Den ersten Schwung an Immunisierung haben sie schon in der Brüterei erhalten. Die Impfungen sind teilweise vorgeschrieben, teilweise empfehlenswert und sollen zu einer guten gesundheitlichen Grundlage für die Legehennen beitragen. „Dadurch kommt man in der Aufzucht so gut wie ohne Antibiotika aus“, sagt Reinkemeier-Kraus.
Nach gut einer Woche kommen die Tiere in den oberen Bereich des Stalls. Dieser Teil wird Kotgrube genannt, weil der Kot dort durch ein Gitter fallen kann. Damit die kleinen Tiere nicht durchrutschen, wird das Gitter für die erste Zeit mit Wellpappe ausgelegt und Stroh eingestreut. Die Stufe zwischen den beiden Bereichen im Stall ist mit Holzbrettern gesichert, damit die jungen Tiere nicht hinunterfallen. „Je nach Herde dauert es dann vier bis fünf Wochen, bis die Küken die Absperrung hinauffliegen. Das ist dann das Zeichen, sie zu öffnen“, berichtet Kraus. Die ersten sechs bis sieben Wochen sind sehr entscheidend für die Entwicklung und die spätere Legeleistung der Hennen, betont Kraus. „Die Kunst besteht darin, die Herde möglichst gleichmäßig groß zu bekommen“, sagt er. „Jede Herde hat durchaus ihr eigenes Gemüt und keine entwickelt sich wie die andere.“

Tobias Kraus und Iris Reinkemeier-Kraus zeigen eine etwa 16 Wochen alte Junghenne. Im Hintergrund impft eine Gruppe Tiermedizinstudenten aus Gießen die Tiere.

Für die Entwicklung ist zum einen die Qualität des Futters entscheidend, aber auch die richtige Stalltemperatur und die Zeit, in der die Küken Tageslicht bekommen. An den ersten beiden Tagen brauchen die Tiere 22 Stunden Licht, um die fünfte Woche herum etwa 14-15 und danach nur noch 10 Stunden. Die Stalltemperatur wird über 28 Grad auf 16-18 Grad für die Tiere ab der 15. Woche langsam heruntergefahren.

Unterschiede zwischen den beiden Haltungsformen ergeben sich hauptsächlich bei der Futterqualität (zu den Inhaltsstoffen siehe Hintergrundkasten) und dem Platzangebot in den Ställen. Die Hallen sind jeweils in vier Abteilungen abgetrennt. Im konventionellen Bereich teilen sich 5 000 Küken einen Stall, im Bio-Bereich 3 500. Diese Zahlen richten sich nach den Stallgrößen und den vorgesehenen Besatzdichten von jeweils 16 Tieren (konventionell) und 13 Tieren (bio) pro Quadratmeter. Ab der zehnten Lebenswoche haben die Bio-Junghennen tagsüber Auslauf in einem überdachten und windgeschützten Wintergarten.

Zwischen der 18. und 20. Woche liefert Tobias Kraus die dann legereifen Junghennen aus – immer persönlich und oft an Halter in der Region. „Etwa zwei Drittel der konventionell aufgezogenen Junghennen bleiben in der Region. Weil es insgesamt weniger Bio-Aufzüchter gibt, liefere ich etwa die Hälfte der Bio-Junghennen deutschlandweit aus.“ Einzelne Tiere werden auch direkt ab Hof verkauft.

Bis dahin wachsen sie bei Reinkemeiers nicht nur. Sie lernen auch einiges, was sie für das Leben im späteren Stall können müssen. Durch den abgestuften Stallaufbau und die Holzleitern lernen sie das Fliegen, im Scharraum das Scharren und Staubbaden zur Gefiederpflege. „Durch die täglichen Kontrollgänge und die Haltung in kleineren Gruppen gewöhnen sich die Küken an den Kontakt mit Menschen und werden zutraulich“, sagt Kraus.
Der Weg der Legehennen aus Anzefahr führt in ganz unterschiedliche Haltungsformen. Einige davon stellen wir Ihnen in der Samstagsausgabe der Oberhessischen Presse vor.

von Philipp Lauer

 
 
Was im Kükenfutter steckt
Konventionelles Kükenfutter: Weizen, Sojaextraktionsschrot, Mais, Rapsextraktionsschrot mit Spaltfett, Rapsschrot, Sonnenblumenkernextraktionsschrot, Weizenkleie, Sojaschalen, Calciumcarbonat, pflanzliche Öle und Fette sowie Fettsäuren (Palm, Raps, Sonnenblume, Oliven, Kokos), Monocalciumphosphat, Kochsalz.
n Bio-Futter: Sonnenblumenkuchen, Weizen, Mais, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen), Sojakuchen, Grünmehl, Gerste, Ackerbohnen, Erbsen, Maiskleber, Calciumcarbonat, Reisprotein, Monocalciumphosphat, Sonnenblumenöl, Natriumbicarbonat, Kochsalz, Magnesiumoxid, Sojaöl (alles in Bio-Qualität).
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