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Kreis braucht dringend Platz für Flüchtlinge

Wohratal Kreis braucht dringend Platz für Flüchtlinge

Im Ortsteil Wohra mietet der Landkreis möglicherweise die frühere Gaststätte Nölp, um dort eine Asylbewerberunterkunft zu schaffen. Sie soll 60 Menschen Platz bieten. Doch noch gibt es offene Fragen zu klären.

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Der Kreis hat großes Interesse an der Anmietung des früheren Gasthauses.

Quelle: Michael Rinde

Wohra. Bis zum Jahresende muss der Landkreis weitere etwa 1000 Flüchtlinge zusätzlich und dauerhaft in Wohnungen oder Quartieren unterbringen. Es geht um Menschen, die die Erstaufnahmeeinrichtungen bereits verlassen haben und danach auf die Landkreise verteilt werden.

Angesichts dieser Zahl, die deutlich über allen Erwartungen und Planungen liegt, sucht der Kreis händeringend nach zusätzlichem Wohnraum in seinen Städten und Gemeinden (die OP berichtete) - und wurde in Wohratal offenbar fündig. Die Eigentümer der ehemaligen Gaststätte Nölp in Wohra wollen das Haus dem Kreis vermieten, damit er dort 60 Flüchtlinge unterbringen kann. Darüber unterrichtete Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) am Dienstagabend das Gemeindeparlament.

Hartmann machte klar, dass dem Gemeindevorstand die Unterbringung der Menschen in Privatunterkünften allemal lieber ist als beispielsweise in einer Schulturnhalle. Allerdings hat der Gemeindevorstand schon klare Vorstellungen zu den Plänen. So gibt es zunächst bei allem Verständnis für die Kreissituation auch Verärgerung bei der Gemeindespitze. Offensichtlich hätten die Eigentümer bereits mit Umbauarbeiten begonnen, ohne dass eine Nutzungsänderung beantragt worden sei. Außerdem legt die Gemeinde Wert darauf, dass es in der Unterkunft feste Ansprechpartner geben wird und dass der Kreis das neue Quartier möglichst nur für ein Jahr mietet.

In Wohra existiert bereits seit Jahrzehnten eine Gemeinschaftsunterkunft in der Straße „Zum Bahnhof“ mit derzeit 55 Bewohnern. Insgesamt könnten damit in Wohra künftig 115 Flüchtlinge untergebracht sein, Wohra hat aktuell rund 1100 Einwohner. Hinzu kommen in den nächsten Wochen bis zu 25 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, die in der neuen Clearingstelle in Halsdorf betreut werden sollen.

Laut dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow, der die ersten Gespräche mit Bürgermeister Hartmann führte, gibt es noch keine Mietverträge mit der Eigentümergemeinschaft des Gebäudes, aber Absichtserklärungen seitens des Kreises. „Wir sind sehr interessiert, aber es sind noch einige Punkte vor Ort zu klären“, sagte er gestern auf Anfrage der OP.

Kreis informiertam 15. Dezember

Dazu zählt definitiv die baurechtliche Seite. Angesprochen auf den Ärger des Gemeindevorstandes, bestätigte Zachow, dass es an dem ehemaligen Gaststättengebäude bereits Umbauten gab, die genehmigungspflichtig gewesen wären. Diese Umbauten seien bereits erfolgt, bevor das Haus als Flüchtlingsquartier in den Blick geraten sei. „Das ist eine Ordnungswidrigkeit“, sagte er. Derzeit werde der Bauantrag für das Gebäude abgestimmt.

Mit dem Eingang rechnet die Kreisverwaltung nun kurzfristig. Dem Gemeindevorstand kommt es darauf an, dass die 60 Flüchtlinge in dem Gebäude menschenwürdig untergebracht sind, auch das hat das Gremium dem Kreis signalisiert.

Zachow machte gestern klar, dass für jene neue Unterkunft die gleichen Voraussetzungen wie für alle anderen des Kreises gelten. Das heißt: Jeder Bewohner bekommt zwischen acht und zehn Quadratmeter Platz. „Der jetzige Zustand wird nicht der sein, in dem wir die Unterkunft belegen werden“, betonte Zachow. Am 15. Dezember, in der Sitzung des Gemeinde­parlaments, wird er die Bürger informieren.

Der „runde Tisch“, an dem sich ehrenamtliche Helfer für die Flüchtlinge in der bisherigen Unterkunft engagieren, hat sich mit den neuen Entwicklungen befasst. „Natürlich sind wir bereit, auch diesen Flüchtlingen zu helfen“, sagt der Sprecher Harald Homberger. Die Kleiderstube bereite sich schon darauf vor, dass mehr Menschen nach Wohratal kommen.

Nächstes Treffen des „runden Tisches“ ist am Donnerstag, 19. November, ab 20 Uhr in der Hofreite, zu dem weitere Helfer willkommen sind.

von Michael Rinde

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